Testkassetten werden in einer Kindertagesstätte eingesammelt (Foto: picture alliance/dpa | Peter Kneffel)

Unmut unter Kita-Eltern wegen Testpflicht

Kai Forst   01.04.2022 | 15:10 Uhr

Am 3. April fallen im Saarland fast alle Corona-Beschränkungen weg. Auch die regelmäßigen Testungen wird es dann in den meisten Bereichen nicht mehr geben – bis auf Kitas und Schulen. Während das unter Eltern für Unmut sorgt, sind GEW und Lehrerverband froh über die noch verpflichtenden Tests.

Maskenpflicht nur noch im ÖPNV, Kliniken und Pflegeheimen, zudem keine 3G- und 2G-Plus-Regelungen mehr: Ab Sonntag fallen für die Saarländerinnen und Saarländer in den meisten Bereichen die Corona-Beschränkungen weg. In den Kitas und Schulen hingegen bleibt das bisherige Prozedere mit drei Tests pro Woche - an Schulen sogar verpflichtend - zunächst bestehen. Tritt zudem ein Infektionsfall in einer Gruppe auf, gilt laut Sozialministerium für Kinder und Betreuungspersonen acht Tage in Folge eine Testpflicht.

"Mit zweierlei Maß gemessen"

Das sorgt für Unmut unter den Eltern der Kita-Kinder. Hier werde mit zweierlei Maß gemessen, sagte Nadine Teiner vom Landeselternausschuss der Kindertagesstätten im Saarland. "Für die Erwachsenen fallen nun alle Regeln in nahezu allen Bereichen weg. In den Kitas bleibt die Testpflicht aber bestehen, das können wir nicht nachvollziehen."

Unzuverlässige Lolli-Tests

Zudem erschwerten die unzuverlässigen Lolli-Tests die Situation ungemein. "Aufgrund der angespannten Personalsituation in den Laboren dauert es häufig vier Tage oder gar länger, bis man über das Ergebnis des anschließenden PCR-Tests informiert wird. Es gab sogar schon Fälle, da kam das Ergebnis erst nach neun Tagen – mit einem dann negativen Ergebnis. In dieser Zeit muss man mit dem Kind zu Hause bleiben", so Teiner.

"Tests sind sinnvoll"

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kann diese Sichtweise kaum nachvollziehen und verweist ihrerseits auf die hohen Krankenstände in Kitas und Schulen. „Die Eltern müssten doch auch daran interessiert sein, dass in den Kitas genug Personal da ist, um die Betreuung zu gewährleisten. Und die Tests sind nach wie vor eine sinnvolle Maßnahme. Daher begrüßen wir sehr, dass die Testpflicht in den Kitas und Schulen noch aufrecht erhalten wird“, sagte die GEW-Landesvorsitzende Birgit Jenni dem SR.

Die Inzidenzen seien zudem – vor allem im Saarland – noch immer sehr hoch. Dass zu diesem Zeitpunkt der Großteil der Corona-Beschränkungen wegfalle, kann Jenni nicht verstehen.

"Tests noch beibehalten"

Auch der saarländische Lehrerinnen- und Lehrerverband (SLLV) spricht sich dafür aus, die anlasslosenTests weiterlaufen zu lassen – zumindest noch für eine gewisse Zeit. „Das jetzige Testregime sollte mindestens bis drei Wochen nach den Osterferien beibehalten werden“, sagte die SLLV-Vorsitzende Lisa Brauch.

"Ein letzter Sicherheitsbaustein"

Man müsse jetzt erst abwarten, wie sich der Wegfall der Maskenpflicht auf die Infektionszahlen in der Schule auswirke. Gleichzeitig stellt Brausch das Verhältnis zwischen Aufwand und Nutzen bei den Lolli-Tests infrage, da diese eine hohe Fehlerquote aufwiesen. „Allerdings ist nach Abschaffung der Maske die Testpflicht wahrscheinlich noch ein letzter Sicherheitsbaustein, der noch Schlimmeres verhindert“, so Brausch weiter.

Reduzierung der Tests möglich

Wie lange das Testregime in Kitas und Schulen aber noch in der Form aufrecht erhalten wird, ist unklar. Man denke darüber nach, die Anzahl der Tests – derzeit drei pro Woche – schrittweise zu reduzieren, sagte zuletzt die saarländische Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot. "Aber das hängt meines Erachtens von der Entwicklung des Fallgeschehens ab. Wir wollen einen behutsamen Ausstieg aus den Schutzmaßnahmen nach den rechtlichen Möglichkeiten", so die SPD-Politikerin.

Heißt: Wenn die ab Sonntag gültige Corona-Verordnung Mitte April ausläuft, könnte auch über eine Reduzierung der wöchentlichen Tests in saarländischen Kitas und Schulen beraten werden.

Aktuelle Regelung

Derzeit werden Schülerinnen und Schüler sowie Kita-Kinder ab dem Alter von einem Jahr drei Mal pro Woche in den Einrichtungen getestet. Eltern von Kita-Kindern, die ihre Kinder nicht in der Einrichtung testen lassen wollen, können dies zuhause machen.

Tritt in der Gruppe oder Klasse ein positiver Test auf, wird eine Reihentestung durchgeführt: Dann werden die Kinder an acht aufeinanderfolgenden Tagen täglich getestet.

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