Ein Mann hält einen Covid19-Schnelltest in der Hand (Foto: picture alliance/dpa | Fabian Strauch)

Keine Engpässe bei Schnelltests erwartet

Melina Miller   31.03.2021 | 10:05 Uhr

Nach Ostern sollen im Saarland erste Corona-Lockerungen möglich sein - sollte die Inzidenz bis dahin unter 100 bleiben. Die Voraussetzung, um am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben: ein tagesaktueller Schnelltest. Ob die Testkapazitäten im Saarland hierfür ausreichen, ist Experten zufolge schwer einzuschätzen - grundsätzlich zeigen sie sich aber positiv.

Ab dem 6. April soll es bei einer Inzidenz unter 100 im Saarland Corona-Lockerungen geben: Zum Beispiel soll ein Besuch im Fitnessstudio wieder möglich sein, wenn ein tagesaktuelles, negatives Coronatestergebnis vorgelegt wird.

Dass sich dieser Plan verzögert, hat Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) zuletzt nicht mehr ausgeschlossen. "Selbst wenn wir wegen exponentiellem Wachstum einer 3. Welle nicht zum 6.4. starten könnten - das #SaarlandModell wird kommen. Mehr Tests, mehr Impfen, mehr App, mehr Freiheit, mehr Umsicht", teilte er am Montag auf Twitter mit.

Die Tests sollen dabei eine zentrale Rolle spielen. Laut der saarländischen Testverordnung kann sich jede Bürgerin und jeder Bürger mindestens einmal pro Woche kostenlos testen lassen. Eine Obergrenze gibt es nicht. Die Testkapazitäten im Saarland seien für die geplanten Öffnungsschritte weiter hochgefahren worden - und damit nach Angaben der Regierung auch für mehrfache Tests pro Woche ausreichend.

Prinzipiell viele Tests vorhanden

Grundsätzlich sehen das auch die saarländische Apothekerkammer und der Hausärzteverband des Saarlandes so. Allerdings hänge es letztlich von vielen verschiedenen Faktoren ab, ob tatsächlich genügend Tests vorhanden seien, wenn es zu den geplanten Lockerungen kommen sollte.

"Wir wissen natürlich nicht, wie viele Saarländer sich überhaupt testen lassen wollen", sagte Carsten Wohlfeil, Vorsitzender der Apohekerkammer des Saarlandes. Bei einem verantwortungsvollen Umgang mit den kostenlosen Tests und der Annahme, dass sich nicht jeder Bürger tatsächlich jeden einzelnen Tag testen lasse, sei das Angebot vermutlich erst einmal ausreichend.

In diese Prognose fließe die Erfahrung ein, dass nicht jeder Mensch ein Testangebot überhaupt nutze. Das hätte sich unter anderem an dem Testangebot an Schulen und Kitas im Saarland gezeigt. "Klar ist, dass das ein kalkulatorisches Risiko für die ist, die die Tests anbieten."

Frage nach Logistik und Personal

Auch Michael Kulas, Vorsitzender des saarländischen Hausärzteverbands, hält die Einschätzung für schwierig: "Grundsätzlich sind die Testkapazitäten wohl da oder werden momentan geschaffen. Ob allerdings auch die Logistik und die Manpower für die vielen zusätzlichen Tests ausreichen, ist fraglich."

Aktuell bieten nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) 368 saarländische Praxen Bürgertestungen an. Hinzu kommen rund 70 Apotheken, die Schnelltests für Bürgerinnen und Bürger anbieten.

Dass bis zu den geplanten Öffnungsschritten noch mehr Praxen und Apotheken hinzukommen, halten sowohl die KV als auch die Apothekerkammer für unrealistisch. Carsten Wohlfeil erklärt: "Wir rechnen nicht damit, dass es noch sehr viel mehr werden. Denn in vielen Apotheken ist das zum Beispiel aufgrund der räumlichen Gegebenheiten gar nicht möglich."

Immer mehr private Testmöglichkeiten

Über die Arztpraxen und Apotheken hinaus gibt es die Möglichkeit, sich in den kommunalen Testzentren testen zu lassen. In Neunkirchen gibt es beispielsweise zusätzlich einen Corona-Testbus, der auch die weißen Flecken der Stadt erreichen soll. Und auch zahlreiche private Teststationen wurden in den vergangenen Wochen geschaffen. Seit Montag sind im Saarland außerdem Schnelltests in drei dm-Drogeriemarktfilialen möglich.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums befinden sich zusätzlich zu den bisherigen Testangeboten noch weitere Testzentren insbesondere in den Städten und Gemeinden in der Planung beziehungsweise Umsetzung.

Über Ostern fahren die Testzentren laut Ministerium ihren üblichen Betrieb weiter. Bei vielen der angebotenenen Testmöglichkeiten können noch Termine gebucht werden.

Wie zuverlässig sind die Schnelltests?

Im Zuge der geplanten Öffnungen wird auch diskutiert, ob Schnelltests überhaupt geeignet sind, um Coronainfektionen zu erkennen. Ihre Zuverlässigeit hängt Experten zufolge unter anderem davon ab, wie sie durchgeführt werden - also, ob beispielsweise die korrekte Lagertemperatur der Tests eingehalten wird.

Außerdem werden eher Infektionen entdeckt, wenn die jeweilige Person Krankheitssymptome zeigt. Bei asymptomatischen Infizierten sind die Tests fehleranfälliger, wie Studien aus dem vergangenen Jahr zeigen.

72 Prozent der Personen, die Covid-19 hatten und Symptome zeigten, wurden demnach korrekt als infiziert erkannt. Bei Menschen, die die Symptome seit einer Woche haben, waren es sogar 78 Prozent - bei Symptomlosen dagegen nur 58 Prozent. Positive Schnelltest-Ergebnisse müssen zusätzlich durch einen PCR-Test bestätigt werden.

WHO-Standards häufig nicht eingehalten

Korrekt negativ getestet wurden 99,5 Prozent der nicht infizierten Personen mit Covid-19-ähnlichen Symptomen und 98,9 Prozent der nicht infizierten, völlig symptomfreien Personen. Die Zuverlässigkeit variiert allerdings je nach Hersteller, wie die Studien zeigen.

Nach den Standards der Weltgesundheitsorganisation WHO muss ein Schnelltest eine Sensitivität von über 80 Prozent aufweisen. Das heißt, er muss zu über 80 Prozent diejenigen herausfiltern, die tatsächlich infiziert sind. Gleichzeitig muss er zu über 97 Prozent ausschließen, wer nicht infiziert ist. Viele der Schnelltests im Umlauf erfüllen diese Anforderungen nicht, wie eine Auswertung des Cochrane-Netzwerk, einem Zusammenschluss von Medizinern, gezeigt hat.

Rissland: Schnelltests sind essentiell

Nach Angaben von Dr. Jürgen Rissland, Virologe an der Uniklinik in Homburg, sind die Tests als Momentaufnahme aber grundsätzlich geeignet, um mögliche Öffnungsschritte zu begleiten - und zwar als Ergänzung zu den PCR-Tests.

Denn durch die Schnelltests könnten in einem akuten Infektionsfall schnell Entscheidungen getroffen werden, was dann weitere Ansteckungen verhindert. "Vor diesem Hintergrund ist ihr Einsatz als begleitendes Element für die geplanten Öffnungsschritte nicht nur zu begrüßen, sondern essenziell", betont Rissland.


Überblick
Hier werden im Saarland Schnelltests angeboten
Für die Corona-Strategie des Saarlandes spielen Schnelltests eine wichtige Rolle. Neben den Testzentren bieten auch inzwischen viele Ärzte, Apotheken und private Zentren die Tests an. Einen Überblick über die Standorte gibt es hier.

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