China, Shenyan: Autos von Tesla stehen an den Elektro-Ladestationen in der nordostchinesischen Provinz Liaoning. (Foto: Yan Bo/SIPA Asia via ZUMA Wire/dpa-Bildfunk)

Keine Tesla-Fabrik im Saarland

  13.11.2019 | 15:16 Uhr

Der amerikanische Elektroautobauer Tesla will bei Berlin einen riesigen Produktionsstandort bauen, in der Nähe des neuen Berliner Flughafens. Das hat Tesla-Chef Elon Musk am Dienstag angekündigt. Zuvor war auch das Saarland als möglicher Standort genannt worden.

Tesla-Absage: "Wir wollen das Auto der Zukunft bauen"
Audio [SR 2, Peter Weitzmann, 13.11.2019, Länge: 03:17 Min.]
Tesla-Absage: "Wir wollen das Auto der Zukunft bauen"

In der neuen „Gigafactory“, die erste ihrer Art in Europa und die vierte weltweit, sollen Elektroautos, Batterien und Antriebe unter einem Dach produziert werden. Für den Start ist die Produktion des künftigen Kompakt-SUV Model Y vorgesehen. Auch ein Design- und Entwicklungszentrum sollen nach Berlin kommen. Wie groß das Gelände genau sein wird und wie viele Arbeitsplätze dort entstehen sollen, ist noch unklar.

Rehlinger: Saarland ist Industriestandort mit Zukunft

Im saarländischen Wirtschaftsministerium bedauerte man die Entscheidung von Tesla. Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) sagte, das Ministerium sei in den vergangenen Tagen durch den Autobauer informiert worden. Das Saarland habe im Wettbewerb aber zeigen können, „dass wir ein attraktiver Industriestandort mit Zukunft sind“. Das werde auch anderswo gesehen.

Seit Monaten habe das Ministerium „intensive und gute Gespräche“ mit dem Autobauer geführt. „Unser Angebot ist von Tesla immer sehr honoriert worden“, sagte Ministeriumssprecher Julian Lange. Die nun geplante Fläche für das Werk in Brandenburg sei deutlich größer als ursprünglich geplant. Ein solches Gelände hätte das Saarland aufgrund seiner Siedlungsstruktur nicht bieten können. Auch hätten „die anfänglichen Ideen eines Standortes mit deutsch-französischem Bezug keine wesentliche Rolle mehr gespielt“, sagte Lange.

Hans: Tesla nicht mehr "der einzige Player"

Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) verwies darauf, dass sich das Saarland überhaupt erst beworben habe, weil Tesla-Chef Elon Musk Interesse am deutsch-französischen Grenzraum gezeigt habe. Dass er sich jetzt für einen anderen Standort entschieden habe, sei zwar schade, "allerdings ist die Firma Tesla heute längst nicht mehr der einzige Player auf dem Gebiet." Als Autoland biete sich das Saarland weiter als Standort für "bestehende und neue Akteure" an.

Luksic: Kein gutes Zeugnis für Landesregierung

Der saarländische FDP-Bundestagsabgeordnete Oliver Luksic sagte, die Ankündigung sei kein gutes Zeugnis für die Landesregierung. Diese müsse offensiver an die Entscheider herantreten und den Standort Saarland attraktiver gestalten und vermarkten. „Das Saarland hängt besonders stark am Verbrennungsmotor und schaut dem sich weiter verschärfenden Arbeitsplatzabbau bisher nur zu.“ Luksic verwies mit Blick auf zukunftsfähige Antriebsformen auf synthetische Kraftstoffe und vor allem die Wasserstofftechnologie, wie sie im Hydro-Hub in Fenne produziert werden soll. Hier müsse das Saarland zur Modellregion werden.

Der Bundestagsabgeordnete Markus Tressel (Grüne) forderte, die Gründe für die Tesla-Entscheidung gegen das Saarland kritisch zu hinterfragen. „Tesla wäre für das Saarland ein echter Quantensprung bei der Standortsicherheit gewesen.“ Das Land müsse seine Ansiedlungsstrategie jetzt auf den Prüfstand stellen und sich endlich darum bemühen, die Batteriezellenproduktion an die Saar zu holen. Bislang, so Tressel weiter, sehe man abseits des CISPA bei der Landesregierung keine Strategie und keine Dynamik, mittelständische Unternehmen anzusiedeln.

Über dieses Thema wurde auch in den SR-Hörfunknachrichten vom 13.11.2019 berichtet.

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