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Wohlfahrtspflege lobt Teilhabechancengesetz

Mit Informationen von Lisa Betzholz   13.02.2020 | 20:13 Uhr

Die Liga der Wohlfahrtspflege Saar zieht bislang eine positive Bilanz des Teilhabechancengesetzes, das seit gut einem Jahr in Kraft ist. Für viele Betroffene sei das Gesetz die letzte Chance, den Weg in den Arbeitsmarkt zu finden. Es brauche jedoch Nachbesserungen

Thomas Barthen, 44 Jahre alt, hat durch das Teilhabechancengesetz wieder einen Arbeitsplatz. Normalerweise ist er im Sozialkaufhaus der Diakonie in Völklingen für die Außenanlage zuständig. Er packt aber auch so überall mit an, fast 40 Stunden pro Woche, bezahlt nach Tarif.

Video [aktueller bericht, 13.02.2020, Länge: 3:25 Min.]
Wohlfahrtsverbände wollen Nachbesserung beim Teilhabechancengesetz

Endlich Arbeit zu haben, bedeutet für ihn in erster Linie Unabhängigkeit. „Ich bin mal nicht vom Arbeitsamt abhängig und muss mir dann irgendwelchen Blödsinn wie diese Bewerbertrainings andrehen lassen“, sagt er.

Anreiz für beide Seiten

Barthen ist zwar gelernter Konstruktionsmechaniker, hat aber nie in dem Job gearbeitet. Nach der Ausbildung kam die Wehrpflicht, anschließend verhinderten private und gesundheitliche Schicksalsschläge seinen Berufseinstieg. Barthen zählt zur den Langzeitarbeitslosen, wodurch er für die Förderung infrage kam.

Das Teilhabechancengesetz schafft einen Anreiz für beide Seiten. Auch Unternehmen und Wohlfahrtsverbände profitieren, wenn sie Langzeitarbeitslose einstellen: Sie bekommen vom Jobcenter einen Lohnzuschuss von mindestens 50 Prozent, und das maximal fünf Jahre lang.

900 Langzeitarbeitslose wieder in Arbeit

Nach Einschätzung der Liga der Wohlfahrtspflege Saar ist das Gesetz im Saarland gut angelaufen. Über 900 Langzeitarbeitslose hätten bereits wieder Arbeit gefunden. Allerdings sieht die Wohlfahrtspflege auch Nachbesserungsbedarf, vor allem bei der Finanzierung.

„Die Mittel, die für diese Arbeitsverhältnisse eingeplant sind, sind auch über die nächsten Jahre gebunden“, sagte der Liga-Vorsitzende Udo Blank dem SR. „Es können im Rahmen der Laufzeit des Gesetzes keine weiteren Arbeitsverhältnisse geschaffen werden.“

Wirtschaftsministerium will Zukunft sichern

Aus dem Wirtschaftsministerium heißt es dazu, das Problem sei bereits bekannt. Man stehe mit dem Bundesarbeitsminister in Kontakt. Auch bei der finanziellen Ausstattung der Jobcenter wolle man nachbessern.

Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) sagte, auch die Laufzeit des Gesetzes sei ein Problem, denn 2024 soll Schluss sein. Ob es eine Verlängerung gibt, ist noch unklar, genauso wie die Zukunft der bis dahin geförderten Beschäftigten.

Über dieses Thema hat auch der „aktuelle bericht“ vom 13.02.2020 berichtet.

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