Eine Frau steht neben einen Mann im Rollstuhl. (Foto: dpa)

Teilhabeberatung im Saarland ausgeweitet

Kasia Hummel   04.08.2018 | 11:38 Uhr

Seit Mitte Juli gibt es auch im Saarland die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB). Das Angebot richtet sich an Menschen mit Behinderung. Aber auch das gesamte soziale Umfeld Betroffener bekommt dort Hilfe. Das Ziel: „Wir wollen Menschen bestärken und befähigen, ihre Dinge selbst in die Hand zu nehmen", so Annette Pauli von der Landesvereinigung Selbsthilfe.

Die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) ist offen für alle Ratsuchenden und richtet sich an Menschen mit Beeinträchtigung und chronisch Kranke. „Aber auch Angehörige, Partner, Freunde, Bekannte und somit das gesamte soziale Umfeld des Betroffenen kann sich an unsere Beratungsstellen wenden“, so Annette Pauli von der Landesvereinigung Selbsthilfe. Grundlage für die EUTB ist dabei das Bundesteilhabegesetz, das die Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen stärken soll.

Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB)

Das Angebot der EUTB ist offen für alle Menschen mit Behinderung, deren Angehörige oder Personen, die mit Menschen mit Behinderung zusammenarbeiten. Das Beratungsangebot ist kostenlos und die Räume aller Standorte sind barrierefrei. Bei Bedarf kann die Beratung mit Unterstützung eines Gebärdendolmetschers und in leichter Sprache durchgeführt werden.

Im Saarland wird die EUTB flächendeckend von insgesamt drei Trägern umgesetzt: Die Landesvereinigung Selbsthilfe betreut den Stadtverband Saarbrücken sowie die Landkreise Merzig-Wadern und Saarlouis. Der Verein „passgenau“ ist im Stadtverband Saarbrücken aktiv. Der Landesverband Lebenshilfe Saar betreut die Landkreise St. Wendel, Neunkirchen und den Saarpfalz-Kreis. Da die Beratungsstellen eng miteinander kooperieren, kann jeder wählen, an welche Stelle er sich wenden möchte. Das Angebot besteht unabhängig davon, ob eine Behinderung anerkannt ist oder nicht.

"Stärkung der Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen und von Behinderung bedrohter Menschen“ – so formuliert das Gesetz das Ziel der EUTB. Für Annette Pauli bedeutet das vor allem, dass die Ratsuchenden informiert sein müssen. „Sie müssen wissen, wo sie welche Anträge und Ansprüche einreichen können. Sie müssen aber auch erstmal für sich entdecken und wissen, wie sie sich ihre Teilhabe selbst vorstellen, das heißt wie sie leben möchten.“

Verständnis einer inklusiven Gesellschaft

Bei vielen Menschen der Zielgruppe sei das überhaupt nicht möglich gewesen. Im Versorgungssystem habe es bestimmte Vorschläge gegeben und die seien dann genommen worden, so Pauli. Mit dem Wunsch- und Wahlrecht, das Betroffenen mehr Entscheidungsfreieheit einräumen soll, habe sich das aber geändert.

Pauli betont, dass auch derjenige, der auf Hilfe und Unterstützung angewiesen ist, selbstbestimmt leben kann, solange er den Leistungsträgern Vorgaben machen kann, wie er sich das vorstellt. „Und das ist ein neues Verständnis einer inklusiven Gesellschaft, die mit diesem Beratungsangebot ein bisschen ihren Anfang nimmt."  

Seit der Auftaktveranstaltung Mitte Juli, die gleichzeitig der Startschuss für die Aufnahme der Zusammenarbeit auf Landesebene war, wird das Angebot nach Einschätzung von Annette Pauli sehr regelmäßig genutzt. Durch künftige Öffentlichkeitsmaßnahmen erhofft sich die Teamleiterin aber weiteren Aufschwung. Der Sinn der Einführung sei es gewesen, ein Angebot zu machen, das es jedem erlaubt, zu kommen, ohne sich Gedanken darüber machen zu müssen, wie und was man sagen kann. "Und dieses Angebot wollen wir bekanntmachen."

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