Schwangere hält eine Bierflasche in der Hand (Foto: Imago/Ute Grabowsky/photothek.net)

Lebenslange Schäden durch Alkohol in der Schwangerschaft

  09.09.2022 | 06:17 Uhr

Noch immer konsumieren viele Frauen während der Schwangerschaft Alkohol. Die Folge: Pro Jahr kommen in Deutschland mehr als 10.000 Kinder mit schweren Beeinträchtigungen zur Welt. Im Saarland sind es jährlich mehr als 140.

Alkohol und Schwangerschaft – dass das nicht zusammengehört, sollte eigentlich allgemein bekannt sein. Und trotzdem greifen immer noch zu viele werdende Mütter während der Schwangerschaft unbekümmert zu einem Glas Sekt oder Wein. Doch kann bereits ein Glas zu viel sein.

„Alkohol ist ein Zellgift, das schon in kleinen Mengen die Entwicklung von Ungeborenen erheblich schädigen kann", mahnt Martin Dietrich, Kommissarischer Direktor des Bundesamts für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Jährlich 10.000 Kinder betroffen

Laut dem BZgA werden in Deutschland jährlich rund 10.000 Kinder mit sogenannten Fetalen Alkoholspektrum-Störungen (FASD) geboren. Sie leiden an Verhaltensauffälligkeiten wie Ruhelosigkeit, Reizbarkeit, Lern- und Sprachprobleme.

3000 von ihnen sind von der schwersten Form, dem Fetalen Alkoholsyndrom (FAS), betroffen. Dabei können Fehlbildungen des Skeletts, der Extremitäten und des Gesichts sowie Nierenschäden oder Herzfehler hinzukommen.

Im Saarland kommen laut Gesundheitsminister Magnus Jung (SPD) schätzungsweise 145 Kinder pro Jahr mit verschiedenen körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen auf die Welt, die auf den Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft zurückgehen. Darauf hat das Gesundheitsministerium anlässlich des Tags des alkoholgeschädigten Kindes hingewiesen.

Gefahr in jeder Schwangerschaftsphase

Als Zellgift kann Alkohol Organe und Nerven des ungeborenen Kindes zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft angreifen und ist laut BZgA damit in allen Entwicklungsstadien ein hohes Risiko für die Entwicklung des Embryos und Fötus.

Eine Ausnahme stellen die ersten zwei Wochen nach der Befruchtung dar. Dann gelte das "Alles-oder-Nichts-Prinzip": Bei einer starken Schädigung der Eizelle in den ersten zehn bis 14 Tagen nach der Befruchtung nistet diese sich in der Regel nicht in der Gebärmutter ein. Meist wird die befruchtete Eizelle dann durch eine Blutung vom Körper wieder abgestoßen.

Ist die befruchtete Eizelle aber gesund und nistet sich in dem oben genannten Zeitraum ein, wird der Embryo ab dann auch über den Blutkreislauf der Mutter mit Nährstoffen versorgt.

Alkohol auch in der Stillzeit tabu

„Alkohol ist ein starkes Zellgift, das über die Nabelschnur direkt zum ungeborenen Kind gelangt“, so Saar-Gesundheitsminister Jung. Daraus hervorgehende Schäden habe das Kind unverschuldet zu tragen – und zwar ein Leben lang.

Daher sei es unbedingt notwendig, vollständig auf den Konsum von Alkohol während der Schwangerschaft und auch in der Stillzeit zu verzichten. Denn bei Müttern, die in der Stillzeit Alkohol trinken, steigt nicht nur der Blutalkoholspiegel, sondern auch der Alkoholgehalt in der Muttermilch.


Schwangere, die Probleme haben, auf Alkohol oder Zigaretten zu verzichten, finden bei der Onlineberatung der BZgA "IRIS" kostenlos und anonym Hilfe.

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