Gewalt gegen Kinder (Foto: dpa)

Jeder Sechste hält Ohrfeigen in Erziehung für angebracht

  20.11.2020 | 10:18 Uhr

Viele Menschen befürworten noch immer Schläge bei der Erziehung von Kindern und sehen Ohrfeigen oder den "Klaps auf den Hintern" als angemessenes Mittel. Das zeigt eine Studie des Deutschen Kinderschutzbundes und Unicef. Der Saarländische Landesverband warnt außerdem vor den langfristigen Folgen psychischer Gewalt.

Gewalt gegen Kinder wird laut saarländischem Kinderschutzbund zwar insgesamt weniger, stellt aber weiterhin ein tief verankertes Problem dar. Das zeigt eine repräsentative Studie des Universitätsklinikums Ulm im Auftrag von Kinderschutzbund und Unicef, die anlässlich des Internationalen Tags der Kinderrechte am 20. November veröffentlicht wurde. Jeder zweite Deutsche ist demnach noch immer der Auffassung, dass ein "Klaps auf den Hintern" noch keinem Kind geschadet habe. Jeder Sechste hält es sogar für angebracht, ein Kind zu ohrfeigen.

Die Studie kam außerdem zu dem Schluss, dass Männer körperlichen Strafen in der Erziehung häufiger zustimmen als Frauen. Auch ältere Menschen lehnen Gewalt gegen Kinder demnach seltener ab. Eine eigene Gewalterfahrung führe außerdem nicht unbedingt dazu, diese selbst abzulehnen. Im Gegenteil: Unter den Betroffenen von Gewalt fiel die Akzeptanz bei den 2500 Befragten sogar höher aus.

Zahlen stagnieren seit 2016

Insgesamt sei die Unterstützung der Gewaltanwendung seit der Jahrtausendwende zwar gesunken, in den letzten vier Jahren stagnierten die Zahlen allerdings auf einem "inakzeptablen Niveau", so der saarländische Kinderschutzbund.

Und auch das Ausmaß und die negativen Folgen psychischer Gewalt gegen Kinder würden bis heute unterschätzt. "Das Recht jedes Kindes auf gewaltfreie Erziehung geht weit über den Verzicht auf körperliche Bestrafungen hinaus", sagte Stefan Behr, Vorsitzender des Landesverbands. Auch Strafen durch Nicht-Achtung, Liebesentzug oder die Herabsetzung von Kindern seien Formen der Gewalt.

Mit der Studie solle - 20 Jahre nachdem das Recht auf gewaltfreie Erziehung in Deutschland verankert wurde - unter anderem auf die mangelnde Aufklärung über die Folgen von Gewalt aufmerksam gemacht werden, teilten die Auftraggeber der Befragung mit. Außerdem müsse die Datenlage zu Gewalt gegen Kindern verbessert werden und die Kinderrechte im Grundgesetz verankert werden.

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