Das "SVOLT" Logo als 3D-Druck auf einem Ausstellungstisch (Foto: SR / Niklas Resch)

SVolt-Produktion in Überherrn um Jahre verschoben

Niklas Resch und Peter Sauer   09.09.2022 | 18:33 Uhr

Die Pläne des Batterieherstellers SVolt im Saarland verzögern sich massiv. Das Unternehmen rechnet damit, dass in Überherrn erst ab Ende 2027 eine Vorserienproduktion und ab 2028 die Batterie-Serienproduktion für Elektroautos starten wird. In Brandenburg will SVolt außerdem einen zusätzlichen Produktionsstandort aufbauen.

Die Pläne waren ziemlich optimistisch und ambitioniert, die der chinesische Batteriehersteller SVolt und die Landesregierung im November 2020 verkündeten: Bereits ab Ende 2023 sollten auf dem Linslerfeld in Überherrn Batterien für E-Autos produziert werden.

Video [aktueller bericht, 09.09.2022, Länge: 4:04 Min.]
SVolt-Produktion in Überherrn um Jahre verschoben

Schon seit Längerem zeichnet sich ab, dass dieser Zeitplan nicht zu halten sein wird. Denn das Bauleitplanverfahren für die Fabrikansiedlung in Überherrn steht noch ganz am Anfang, außerdem gibt es Widerstand von zwei Bürgerinitiativen. Ob die Fabrik überhaupt gebaut werden kann, ist bisher unklar.

SVolt-Ansiedlung im Saarland verzögert sich um mehrere Jahre
Audio [SR 3, Peter Sauer, 09.09.2022, Länge: 03:11 Min.]
SVolt-Ansiedlung im Saarland verzögert sich um mehrere Jahre

Überraschend deutliche Verzögerung

Dass sich der anvisierte Produktionsstart verschiebt, war also klar. Dass es jetzt fast fünf Jahre später werden soll, bis in Überherrn serienmäßig Batterien produziert werden, lässt aber aufhorchen. Der Vize-Präsident von SVolt Europe, Maxim Hantsch-Kramskoj, begründet das unter anderem mit dem langwierigen Ansiedlungsverfahren und den „hochkomplexen Planungen" für eine solche Fabrik, von denen es bisher kaum welche in Europa gebe.

Im SR-Interview lässt Hantsch-Kramskoj durchblicken, dass er die Dauer des Bauleitplanverfahrens zwar für berechtigt hält. Dennoch habe SVolt aufgrund der Marktsituation eine Ausweichmöglichkeit suchen müssen. Will heißen: Die Auftragslage ist gut, und um die Verträge mit den Autobauern wie Stellantis erfüllen zu können, muss ein Werk in Europa her, in dem möglichst früh produziert werden kann.

Serienproduktion in Brandenburg ab 2025?

In Überherrn ist dieser Zeitplan nach Angaben von Hantsch-Kramskoj nicht mehr zu halten. Deshalb hat man sich nach schneller verfügbaren Alternativen umgeschaut und ist in Lauchhammer in Brandenburg, zwischen Berlin und Dresden, fündig geworden. Heute haben SVolt und die Landesregierung von Brandenburg offiziell verkündet, dass dort der ehemalige Standort des Windradherstellers Vestas in ein Batteriewerk umgebaut wird. SVolt hat den Standort gekauft, über den Preis wurde nichts bekannt.

Der Vorteil von Lauchhammer: Es handelt sich bereits um ein sogenanntes Brownfield-Areal, also eine bereits bestehende Industriefläche, anders als das Linslerfeld in Überherrn, das im Landesentwicklungsplan noch als landwirtschaftliche Vorrangfläche geführt ist.

SVolt geht deshalb davon aus, dass in Lauchhammer nach diversen Umbauten und einer Testphase dann Anfang 2025 die Serienproduktion für E-Auto-Batterien starten kann. Insgesamt soll die Kapazität dieses Werks laut Unternehmen mit rund 16 Gigawattstunden pro Jahr geringer sein als die der geplanten Fabrik in Überherrn, die in der Endausbaustufe zwischen 24 und 32 Gigawattstunden im Jahr produzieren soll.

Leitwerk Lauchhammer statt Überherrn

In Brandenburg sollen, so Hantsch-Kramskoj im SR-Interview, auch Batterie-Modelle gebaut werden, die eigentlich für Überherrn geplant gewesen seien. Damit könnte Lauchhammer auch zum europäischen Leitwerk werden, diese Funktion war ursprünglich für Überherrn angedacht. „Wir hatten das anders geplant, und das ist für Überherrn womöglich ein kleiner Rückschritt. Aber dennoch halten wir an Überherrn als Standort fest“, betont Hantsch-Kramskoj. Welche Auswirkungen es im konzerninternen Wettkampf der Standorte konkret für Überherrn haben könnte, ist zurzeit noch nicht absehbar.

SVolt bekennt sich klar und deutlich zu den beiden Standorten Überherrn und Heusweiler – auch weil die Produktionskapazitäten in Europa benötigt werden, denn das Unternehmen rechnet mit einer Versechsfachung des Marktvolumens in den kommenden Jahren. Um weiter wachsen zu können, plant SVolt, Ende dieses Jahres an die Börse zu gehen.

Verzögerungen in Überherrn

Dass die Planungen in Überherrn nur langsamer voranschreiten als zu Beginn angekündigt, liegt auch an SVolt selbst. Der notwendige nächste Schritt im Ansiedlungsverfahren ist nämlich, dass das Unternehmen konkrete Planungen für die Fabrik vorlegt – für Gebäude, Anlagen, Stoffströme, Energieverbräuche und die dort verwendeten Chemikalien.

Mitglieder des Gemeinderats sowie die Bürgerinitiativen hatten zuletzt kritisiert, dass es ohne diese Angaben nicht möglich sei, über die Ansiedlung zu entscheiden. Darauf angesprochen, sagte Hantsch-Kramskoj, man habe einen Generalplaner damit beauftragt, die Vorgaben aus den im April vorgestellten Gutachten in die Pläne miteinfließen zu lassen. Dies sei eine „hochkomplexe Angelegenheit“. Wann die aktualisierte Planung der Gemeinde vorgelegt wird, ist, so Hantsch-Kramskoj, „nicht genau zu sagen. Es soll aber in den kommenden Monaten passieren.“

Ford-Werk in Saarlouis keine Alternative

Da der Autobauer Ford seine Produktion in Saarlouis ab 2025 einstellt, wird dort eine Industriefläche frei. „Wir haben uns damit auseinandergesetzt, aber das Ford-Werk ist für uns keine Option“, erläuterte Hantsch-Kramskoj. Hierbei sei nicht die Fläche das Problem, sondern vielmehr sei unklar, wann genau Ford in welchem Umfang das Areal räumen würde.

„Wir müssen heute die Entscheidungen treffen und wir sehen mittelfristig keine Möglichkeit, den Ford-Standort so auszustatten, dass wir dort Lithium-Ionen-Batterien in dem vorgesehen Zeitraum für unsere Kunden herstellen können.“

Das Gelände von "SVOLT" am Standort Heusweiler-Eiweiler (Foto: SR / Niklas Resch)
Das Gelände von "SVOLT" am Standort Heusweiler-Eiweiler

Auch in Heusweiler Verzögerungen

Doch nicht nur am Standort Überherrn geht es langsamer voran als ursprünglich angekündigt. Auch in Heusweiler, im ehemaligen Laminatepark, wo die Batteriezellen zu Modulen „zusammengebaut“ werden sollen, ist der Zeitplan mittlerweile nach hinten verschoben. Auf der Fläche, die SVolt für 15 Jahre gemietet hat, laufen die Umbauarbeiten.

Ursprünglich war die Rede davon, dass dort bereits ab Mitte 2022 Module aus anderen Werken, etwa in China, zusammengebaut werden könnten. Daraus wird nach den Worten von Vizepräsident Hantsch-Kramskoj aber nichts. Nach derzeitigem Stand werde es jetzt anderthalb Jahre später – nämlich Anfang 2024.

Geplant sei nach wie vor, dass zunächst Module aus einem der derzeit acht Werke in Asien nach Heusweiler gebracht werden. Für eine Übergangszeit ab 2025 sollen dann Module aus dem brandenburgischen Lauchhammer in Heusweiler endmontiert werden. Später sollen dort nur noch Module aus Überherrn verarbeitet werden.

Lauchhammer soll dann eine eigene Endfertigung erhalten. SVolt hat sich dort nach eigenen Angaben das Vorkaufsrecht für eine Erweiterungsfläche gesichert.

Minister Barke reagiert gelassen

Der saarländische Wirtschaftsminister Jürgen Barke hat gelassen auf die angekündigte Verschiebung reagiert. Der SPD-Politiker sagte, es handele sich um eine große Baumaßnahme. Man gewinne jetzt Zeit für die weiteren Verfahren. Dies biete die Möglichkeit, die Menschen vor Ort bei der Umsetzung des Projekts mitzunehmen.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 09.09.2022 berichtet.

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