Fahrzeuge fahren am frühen Morgen an einem Strommast vorbei. (Foto: picture alliance/dpa | Moritz Frankenberg)

Welchen Effekt die Gas- und Strompreisbremse im Saarland hat

Thomas Braun   01.03.2023 | 19:15 Uhr

Zahlreiche Haushalte im Saarland profitieren von der nun in Kraft getretenen Preisbremse für Strom und Gas. Die Einsparungen dürften sich aber in Grenzen halten, zumal erste Versorger die Preise wieder senken. Mehrere Anbieter liegen sogar unter der Preisgrenze. Bei einem Vertragswechsel gibt es aber einiges zu beachten.

Seit Mittwoch gilt bundesweit die staatliche Strom- und Gaspreisbremse. Für 80 Prozent des Vorjahresverbrauchs wird dadurch der Preis gedeckelt - und zwar auf 40 Cent pro Kilowattstunde bei Strom, 12 Cent bei Erdgas und 9,5 Cent bei Fernwärme.

Zehntausende saarländische Haushalte profitieren

Auch wenn es bei einigen Energieunternehmen derzeit noch zu Verzögerungen kommt, dürften im Saarland mehrere Zehntausend Haushalte von dieser Preisbremse profitieren - alleine beim größten saarländischen Versorger, Energis, sind nach Unternehmensangaben 175.000 Strom- und 30.000 Gaskunden betroffen. Der überwiegende Teil der Kunden liege aber mit seinem Tarif aber nur knapp über der aktuellen Preisgrenze. Und auch in der vergleichsweise teuren Grundversorgung sollen die Preise zum 1. April gesenkt werden.

Ähnlich sieht es auch bei anderen Versorgern aus. "Die Kunden der saarländischen Energieversorgungsunternehmen liegen auf einem vergleichbaren Niveau", teilte der Verband der Energie- und Wasserwirtschaft des Saarland (VEW Saar) mit.

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Insgesamt dürften sich die Einsparungen durch die Preisbremse also in Grenzen halten, wie eine Beispielrechnung zeigt: Eine durchschnittliche Familie mit einem Stromverbrauch von 4000 Kilowattstunden pro Jahr spart bei einem Preis von 44 Cent pro Kilowattstunde (KWh) aufs Jahr gerechnet 128 Euro - also etwas mehr als zehn Euro pro Monat.

Mehrere Anbieter bereits unter der Preisgrenze

Erste regionale Anbieter bieten ihren Kundinnen und Kunden laut VEW Saar auch schon Sonderverträge an, die unter der Preisbremse liegen. Hinzu kommen mehrere regionale Anbieter mit Tarifen unter dieser Preisgrenze.

Nach Angaben des Vergleichsportals Verivox könnte ein Durchschnittshaushalt im Saarland mit einem Stromverbrauch von 4000 KWh und einem Gasverbrauch von 20.000 KWh im Vergleich zum Grundversorgungstarif bis zu 355 Euro beim Gas und 403 Euro beim Strom sparen - zusätzlich zur staatlichen Preisbremse.

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Was es bei einem Wechsel zu beachten gilt

Ein Wechsel zu einem neuen Anbieter könnte also durchaus sinnvoll sein, rät die Energiemarktexpertin der Stiftung Warentest, Marion Weitemeier - insbesondere, wenn man mehr als 40 Cent beim Strom und 12 oder 13 Cent beim Gas bezahle, sollte man seine bestehenden Verträge prüfen. Entscheidend sind dabei auch die Kündigungsfristen.

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Wer sich nach einem neuen Anbieter umschaue, sollte aber einiges beachten. Im vergangenen Winter gab es große Kündigungswellen bei Billiganbietern, innerhalb kürzester Zeit wurden Lieferungen eingestellt. Zwar habe der Gesetzgeber nachgebessert - trotzdem sollte man sich vor Abschluss eines neuen Vertrages über den Anbieter informieren, rät Weitemeier.

Verbraucherzentrale: "Preis allein ist nicht entscheidend"

Auch die Verbraucherzentrale des Saarlandes rät, genau hinzuschauen. "Der Preis allein ist nicht entscheidend; wichtig sind weitere Vertragskonditionen", sagt Elke Nicolay von der Verbraucherzentrale.

Dazu zählen zum Beispiel die Vertragslaufzeit, beiderseitige Kündigungsmöglichkeiten und etwaige Preisgarantien - und was genau diese umfassen. "Sollten die Preise im Laufe der nächsten Monate sinken, sollte der Wechsel nicht dazu führen, langfristig vertraglich gebunden zu bleiben", so Nicolay.

Weitere Preisentwicklung unklar

Die Preisentwicklung sei weiterhin nicht voraussehbar, so Nicolay weiter. Das betont auch der VEW Saar. Auch wenn die Preise auf dem Weltmarkt derzeit gefallen seien, könnten schon geringste Einflüsse wieder zu vergleichsweise hohen Preisaufschlägen führen. Deshalb sei auch die staatliche Preisbremse weiterhin wichtig.

Anders als einige Billiganbieter, die relativ kurzfristig Strom und Gas am Markt einkaufen und damit auch stark von etwaigen Preisausschlägen betroffen sind, beschaffen sich die regionalen Versorger ihre benötigten Mengen langfristig. "Ziel war und ist eine sichere, verlässliche Energieversorgung", betont der VEW Saar. Aufgrund der langfristigen Einkaufsstrategie seien die Preise möglicherweise nicht immer die absolut günstigsten - über die gesamte Laufzeit komme man aber ohne extreme Preisspitzen für Kundinnen und Kunden aus.

Für die regionalen Versorger spricht aus Sicht der Verbraucherzentrale zudem, dass man die Möglichkeit habe, sich vor Ort beraten zu lassen und Ansprechpartner zu haben. Bei überregionalen Versorgern sei das nicht selten ein Problem.

Über dieses Thema berichtet der aktuelle bericht am 01.03.2023


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