Dieter Müller, AfD (Foto: AfD/Pressefoto)

Saar-AfD will Dieter Müller ausschließen

Thomas Gerber   13.01.2021 | 15:53 Uhr

Auch unter der neuen Parteispitze um Landeschef Christian Wirth gehen die parteiinternen Auseinandersetzungen bei der Saar-AfD weiter. Der Landesvorstand hat nach SR-Informationen beschlossen, den Geschäftsführer der Landtagsfraktion, Dieter Müller, aus der Partei auszuschließen. Gegen den 65-Jährigen soll zudem Strafanzeige erstattet werden.

Müller bestätigte dem SR, dass er ein Schreiben des AfD-Landesvorstands erhalten habe, in dem ihm der Parteiausschluss angekündigt werde. In dem Schreiben werde ihm als ehemaliger stellvertretender Landesvorsitzenden Unterschlagung vorgeworfen. Nach SR-Informationen hat der Landesvorstand am Montagabend zudem beschlossen, gegen Müller eine Strafanzeige zu erstatten. Er soll Gelder der Partei veruntreut haben.

Flugtickets für Kalbitz-Auftritt

Untreuevorwürfe gegen Fraktionsgeschäftsführer Dieter Müller
Audio [SR 3, (c) SR, 13.01.2021, Länge: 01:09 Min.]
Untreuevorwürfe gegen Fraktionsgeschäftsführer Dieter Müller

Dabei soll es um rund 8000 Euro gehen, darunter ein durchaus prominenter Fall. Bei dem spielt der brandenburgische Ex-AfD-Fraktionschef und "Flügel"-Mann Andreas Kalbitz eine entscheidende Rolle: Kalbitz war 2020 Gastredner beim Aschermittwochstreffen der Saar-AfD in einer Sulzbacher Kneipe.

Der Rechtsaußen war mit einem Personenschützer angereist. Die 606 Euro für die beiden Flugtickets stellte er der Saar-AfD später in Rechnung. Eine ähnliche Summe aber, nämlich 660 Euro, hatte Müller vom AfD-Konto abgehoben. Auf SR-Anfrage sagte Müller, er habe Kalbitz damit in bar bezahlt und sich dies auch quittieren lassen.

Die entsprechende Quittung, heißt es aus dem Landesvorstand, sei jedoch nicht auffindbar. Der Saar-AfD sollen Kalbitz und sein Bodyguard versichert haben, kein Bargeld erhalten zu haben.

Viele Unregelmäßigkeiten

Vergleichbare finanzielle Unregelmäßigkeiten des alten Landesvorstands unter anderem beim Kauf eines Pkw und eines Fernsehers soll es zuhauf geben. Müller, der als Vertrauter von Ex-Parteichef Josef Dörr gilt, bestritt gegenüber dem SR die Vorwürfe. Er habe in seiner Zeit als stellvertretender Landesvorsitzender zwar über eine Kreditkarte der Partei verfügt, Bargeld habe er aber immer nur auf Anweisung des Landesvorstands abgehoben und in dessen Auftrag auch verwendet. In die Parteikasse gegriffen habe er nie und nimmer.

Müller sieht sich als Opfer. Bei dem beantragten Parteiausschluss und der geplanten Strafanzeige handele es sich ganz offenbar um eine Kampagne gegen ihn und den ehemaligen Landesvorsitzenden Josef Dörr. Müller kündigte an, seinerseits Strafanzeige zu erstatten.

Vorstand will Vorgänge aufarbeiten

Der stellvertretende Landesvorsitzende Lutz Hecker erklärte, dass man bemüht sei, die Vorkommnisse aus der Zeit des ehemaligen Landesvorstands um Josef Dörr aufzuarbeiten. Parteiordnungsmaßnahmen seien dabei nicht auszuschließen.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 12.01.2021 berichtet.

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