Streik bei Neue Halberg Guss (Foto: Karin Mayer)

Streik bei Halberg Guss

Karin Mayer   14.06.2018 | 18:12 Uhr

Beim Automobilzulieferer Neue Halberg Guss in Saarbrücken hat am Donnerstagmorgen ein unbefristeter Streik begonnen. Die Geschäftsführung kritisiert die Gewerkschaft scharf und wirft ihr vor, das gesamte Unternehmen zu gefährden. IG Metall Bezirksleiter Jörg Köhlinger sieht das anders. Die Gewerkschaft hat aber beschlossen, den Streik am Wochenende auszusetzen, am Montag soll er weitergehen.

In einer Urabstimmung an den Standorten Saarbrücken und Leipzig hatten sich 93 Prozent der wahlberechtigten Gewerkschaftsmitglieder für einen unbefristeten Streik ausgesprochen. Nach dem Scheitern der Sozialtarifverhandlungen fordert die Gewerkschaft ein verbessertes Angebot vom Arbeitgeber.

Die IG Metall verlangt, dass der Sozialtarifvertrag für beide Standorte abgeschlossen wird. Die Unternehmensgewinne sollen demnach in einen treuhänderisch verwalteten Fonds fließen, um Abfindungen und Qualifizierungen zu finanzieren.

Lediglich Teilangebot vorgelegt 

Das Unternehmen hatte am vergangenen Mittwoch ein Teilangebot vorgelegt. Geschäftsführer Alexander Gerstung sagte, er sei davon ausgegangen, dass der Sozialtarifvertrag nur für das Werk Leipzig geschlossen werden solle. Die Gewerkschaft verlangt dagegen eine umfassende Lösung.

Scharfe Kritik der Arbeigeberseite

Die Geschäftsführung der Neue Halberg Guss kritisierte das Verhalten der IG Metall als "eklatanten Vertrauensbruch" und warf der Gewerkschaft vor, den Streik bereits vor Beginn der Verhandlungen fest geplant zu haben. Schließlich seien bereits am Vortag Vorbereitungen für die Urabstimmung getroffen worden. Sollten durch den Arbeitskampf noch weitere Kunden vom Unternehmen abrücken, sei auch das Werk in Saarbrücken in ernsthafter Gefahr.

Für Gewerkschaft "Streik aus Notwehr"

IG Metall Bezirksleiter Jörg Köhlinger empfindet den Streik als unausweichlich: "Ich sehe die Auseinandersetzungen der Beschäftigten bei Halberg Guss hier und in Leipzig als eine Auseinandersetzung, die aus purer Notwehr geführt wird." Das Geschäftsmodell der Prevent-Gruppe sei stark profitorientiert, sie versuchten höhere Preise durchzusetzen, was ihnen auch im Augenblick gelinge. Das sei aber, so Köhlinger, kein nachhaltiges Geschäftsmodell: "Volkswagen und andere Automobilhersteller werden sich nicht erpressen lassen. Sie suchen nach Alternativen und damit wird das Unternehmen über kurz oder lang in die Grütze fahren." Deswegen sei es richtig und wichtig, dass die Beschäftigten sich wehren und das täten sie mit der Forderung nach einem Sozialtarif.

Trotz des für die Mitarbeiter notwendigen Streiks, seien die Kunden den Beschäftigten und der Gewerkschaft trotzdem wichtig. Daher sollem am Wochenende wichtige Aufträge abgearbeitet werden. Das hat die Gewerkschaft beschlossen. Ab Montag wird aber wieder weiter gestreikt. An der Forderung nach einem Sozialtarifvertrag für Saarbrücken und Leipzig hält die Gewerkschaft fest.

Unerfüllbare Forderungen

Neben der Kritik am Streik selbst, beanstandet die Geschäftsführung auch das Forderungspaket der IG Metall. So heißt es, für die Neue Halberg Guss würde die Umsetzung dieser Forderungen ein Volumen von mehr als 700 Millionen Euro haben. Dies entspreche einem Vielfachen des Jahresumsatzes und würde unweigerlich das Ende der Geschäftstätigkeit des gesamten Unternehmens nach sich ziehen.

Video [aktueller bericht, 14.06.2018, Länge 2:51 Min.]
Unbefristeter Streik bei Halberg Guss

Über dieses Thema wurde auch schon in den Hörfunknachrichten vom 14.06.2018 berichtet.

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