Symbolbild: Angriff mit Messer (Foto: imago/imagebroker)

Bouillon präsentiert Strategie gegen Messerattacken

  20.09.2018 | 15:13 Uhr

Gibt es immer mehr Messerattacken im öffentlichen Raum? Um das zu ermitteln, hat das Innenministerium ein „Lagebild Stichwaffen- und Messervorfälle“ erstellt. Am Donnerstag präsentierte Innenminister Klaus Bouillon die Ergebnisse.

Studiogespräch: "Es gibt ein klares Stadt-Land-Gefälle"
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Zwischen dem 1. Januar 2016 und dem 30. April 2018 gab es im Saarland insgesamt 1141 Strafanzeigen wegen des "aktiven Einsatzes oder griffbereiten Mitführens von Messern und Stichwaffen". Zudem sind 349 sonstige relevante Fälle registriert worden. Dabei wurde bis 2018 eine steigende Tendenz festgestellt. Laut der Auswertung handelt es sich nicht um ein landesweites, sondern eher um ein lokales Problem. Besonders in der Saarbrücker Innenstadt konzentrierten sich die Fälle.

Am auffälligsten ist der Stadtteil St. Johann. Mit fast 300 Fällen verzeichnet die Statistik dort eine Steigerung um knapp 32 Prozent innerhalb des untersuchten Zeitraumes. Auch im Gesamtvergleich der Kommunen nimmt Saarbrücken mit 581 Fällen den Spitzenplatz ein. Es folgen Neunkirchen mit 142 und Saarlouis mit 101 Fällen. Für Saarbrücken und Neunkirchen rechnet Minister Bouillon mit einer weiteren Steigerung der Fallzahlen.

Video [aktueller bericht, 20.09.2018, Länge: 3:12 Min.]
Innenminister Bouillon stellt Maßnahmen gegen Messerattacken vor

Eckpunkte der Sicherheitsstrategie

"Durcheinander von Zahlen, die nicht zusammenpassen"
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"Durcheinander von Zahlen, die nicht zusammenpassen"
SR 3-Moderator Frank Hofmann hat mit dem Kriminologen Christian Pfeiffer über die Statistik gesprochen.

Um dem Problem Herr zu werden, hat das Innenministerium eine Sicherheitsstrategie entwickelt, deren Eckpunkte Minister Bouillon jetzt vorstellte. Zu den Maßnahmen gehört die geplante Videoüberwachung an ausgemachten Brennpunkten wie der Johanneskirche und dem Bahnhofsvorplatz sowie der Einsatz der Ende Juli eingerichteten Fahndungs- und Aufklärungseinheit Straßenkriminalität. Außerdem werde geprüft, ob eine dauerhafte Waffenverbotszone in der Stadt eingerichtet werden kann. Eine engere Zusammenarbeit von Ministerium und Kommunen soll dafür sorgen, dass Gefahren für die Öffentlichkeit gar nicht erst entstehen.

Landsleute angegriffen

Die offizielle Statistik spricht eine deutliche Sprache: 70 Prozent der Straftaten bei den ein Messer mitgeführt oder auch benutzt wurde, gehen auf deutsche Täter zurück. Deutsche Opfer wurden überwiegend von deutschen Tatverdächtigen angegriffen. Grundsätzlich gilt: Am häufigsten werden Personen der gleichen Nationalität angegriffen. Das heißt afghanische oder syrische Flüchtlinge haben überwiegend eigene Landsleute angegriffen. Die Polizei hat sich explizit im 28-monatigen Untersuchungszeitraum auch explizit Fälle in Asylbewerberunterkünften angeschaut. Hier hat es keine Auffälligkeiten gegeben. So ist nach Angaben von Innenminister Boullion in Lebach trotz Landesaufnahmestelle die Zahl der Messer-Vorfälle halb so hoch wie in Saarlouis.

Für den CDU-Politiker wird deutlich, dass es sehr viele Vorurteile gegenüber Flüchtlingen gibt, die Zahlen dies aber nicht belegen.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 20.09.2018 berichtet.

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