Sofie Dawo war eine saarländische Textilkünstlerin. (Foto: Jonathan Janoschka/SR)

Nur wenige Straßen im Saarland nach Frauen benannt

Jonathan Janoschka / Onlinefassung: Axel Wagner   06.08.2019 | 21:09 Uhr

In den größten saarländischen Städten gibt es kaum Straßen oder Plätze, die nach Frauen benannt sind. Das geht aus einer Umfrage des Saarländischen Rundfunks hervor.

Obwohl die Städte jeweils mehrere hundert Straßen haben, tragen meist nicht mal ein Dutzend von ihnen den Namen einer Frau. In St. Ingbert sind zwölf Straßen nach Frauen benannt, in St. Wendel und Merzig neun, in Saarlouis sieben, in Neunkirchen zwei. Und das bei jeweils 450 bis 600 Straßen pro Stadt.

Video [aktueller bericht, 06.08.2019, Länge: 2:25 Min.]
Kaum Straßen im Saarland nach Frauen benannt.

Zwischen null und vier Prozent

Der Frauenanteil im Straßenbild liegt damit bei unter zweieinhalb Prozent. In Völklingen ist er gar nicht erst vorhanden: Hier ist nach Angaben der Stadt nicht eine einzige Straße nach einer Frau benannt. In Saarbrücken ist der Anteil der Frauen auf den Straßenschildern zwar höher, liegt aber dennoch bei nur rund vier Prozent.

Warum gibt es so wenig weibliche Straßennamen?
Audio [SR 3, Jonathan Janoschka, 06.08.2019, Länge: 01:56 Min.]
Warum gibt es so wenig weibliche Straßennamen?

Die Saarbrücker Frauenbeauftragte Katharina Kunze sieht hier noch „Luft nach oben“.  Wenn Straßen nach Frauen benannt sind, dann oft nach Heilligen: Beispiele sind die Marien-, Anna- oder Barbarastraßen, die sich im Saarland häufiger finden und meist in Kirchennähe liegen. Aus Sicht von Kunze half das ihren Vorgängerinnen, mehr Frauen ins Stadtbild zu bekommen, „zu sagen, da ist eine Kirche, da nehmen wir doch eine Heilige und keinen Heiligen. Aber ich denke, das modernisiert sich auch und wandelt sich auch, genauso wie unser Verständnis, warum wir Straßen überhaupt nach Menschen benennen, sich ändert.“

Privilegien lange in Männerhand

Wenn Straßen den Namen von Persönlichkeiten tragen, sei das oft ein Zeichen von Ehre für ihre historischen Verdienste, so Kunze. Wobei das immer von einer bestimmten Perspektive abhänge. Deswegen würden Straßen auch umbenannt, weil Kriegstreiber, Rassisten, Sexisten, Antidemokraten und Machthaber geehrt wurden, obwohl die durchaus nach heutiger Sicht moralisch zweifelhaft sind.

Über Jahrhunderte waren Privilegien, Macht und Nachruhm fast ausschließlich in Männerhand. Das wirkte sich auch auf die Straßennamen aus. Um dem entgegenzuwirken, erstellten das Saarbrücker Frauenbüro und die FrauenGenderBibliothek eine Liste mit verdienten Frauen, nach denen bereits Straßen benannt wurden oder in Zukunft benannt werden sollen.

Keine Marie-Curie-Straße in Homburg

Vor allem in den Neubaugebieten wird auf einen höheren Frauenanteil geachtet. Auf der Saarbrücker Bellevue erinnert mittlerweile die Elly-Beinhorn-Straße an die Flugpionierin. Auf dem Lisdorfer Berg in Saarlouis wurde die Else-Schmidt-Straße nach der ehemaligen Chefin der Donner-Brauerei benannt.

Ein Schritt auch, diese kaum beachteten Frauen wieder ins Bewusstsein zu rücken, sagt die Saarbrücker Frauenbeauftragte Kunze: „Das ist eben auch eine Hoffnung. Wenn Leute in dieser Straße wohnen oder dran vorbei gehen, sich doch mal schlau machen wollen, warum denn diese Person historisch wichtig ist und welchen Einfluss sie auch heute noch auf unsere Gesellschaft hat.“

Allerdings klappt das nicht immer. Als in Homburg der Technologiepark entstand, sollte die Marie-Curie-Straße dort hinführen und an die Nobelpreisträgerin erinnern. Der Stadtrat entschied sich dagegen. Die Zufahrt heißt heute – nicht gerade kreativ – einfach nur Technologiepark.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 06.08.2019 berichtet.

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