Klaus Meiser (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Meiser-Prozess startet im Februar

Thomas Gerber   16.11.2018 | 13:36 Uhr

Im Finanzskandal des LSVS beginnt im Februar ein erster Strafprozess. Wie aus Justizkreisen verlautet, hat das Landgericht jetzt die Anklagen gegen Ex-LSVS Präsident Klaus Meiser und dessen damaligen Stellvertreter, den St. Wendeler Ex-Landrat Franz-Josef Schumann wegen der Geburtstagsfeier von Innenminister Klaus Bouillon zugelassen. Meisers Anwalt bestätigte, dass bereits Termine für zehn Verhandlungstage abgesprochen worden sind.

Studiogespräch: "So richtig Ruhe wird so schnell nicht einkehren"
Audio [SR 3, Studiogespräch: Nadine Thielen/Thomas Gerber, 16.11.2018, Länge: 03:10 Min.]
Studiogespräch: "So richtig Ruhe wird so schnell nicht einkehren"

Es geht um Vorteilsgewährung und Untreue, wobei gegen Meiser zwei Anklagen zugelassen wurden. Außer wegen der Ministerfeier, für die das LSVS-Präsidium einen Teil der Kosten übernehmen wollte, muss sich Meiser auch noch wegen des Nebenjobs seiner Lebensgefährtin verantworten. Die St. Ingberter CDU Kommunalpolitikerin war nicht nur Meisers rechte Hand im Landtag, sondern zwei Jahre lang auch seine Assistentin beim LSVS. Für die Staatsanwaltschaft ein überflüssiger Posten. Der Schaden für den Saar-Sport beträgt rund 30.000 Euro.

In Sachen Bouillons Geburtstag wird vermutlich noch ein drittes Ex-Präsidiumsmitglied auf der Anklagebank Platz nehmen. Die Vertreterin des Judobunds hatte ihren Strafbefehl dann doch nicht akzeptiert. Im Landgericht wird es jedenfalls einen regelrechten Aufmarsch insbesondere von CDU-Politprominenz geben: Meiser und Schumann als Beschuldigte, Innenminister Bouillon und Landtagsdirektor Zeyer als Zeugen. All das ab Ende Februar - also mitten im Kommunal- und Europawahlkampf.

Weitere Anklagen gegen Meiser

Video [aktueller bericht, 16.11.2018, Länge: ab Min. 14:38]
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Meiser muss zudem befürchten, dass das Verfahren gegen ihn ausgeweitet wird. Weitere Untreueanklagen gegen ihn liegen bereits vor. Dabei geht es zum einen um ein Trainingslager der Kicker seines Heimatvereins, der Sportvereinigung Quierschied. Ein Zeuge soll das als "regelrechtes Saufgelage" auf Kosten des LSVS bezeichnet haben. Zudem hatte der Oberwürzbacher CDU-Ortsverband seiner Lebensgefährtin die Sportschule besichtigen dürfen und wurde dabei kostenlos beköstigt. Dass das Landgericht auch diese beiden Anklagen zulässt, ist noch nicht entschieden, gilt aber als wahrscheinlich.

Aber auch damit noch nicht genug: Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Meiser dauern an. Nach SR-Informationen gibt es dabei derzeit zwei Schwerpunkte: Der sogenannte Verstärkungsfonds von Saartoto gibt offenbar Rätsel auf - insbesondere geht es um die 81 Schecks, die im Umfeld der letzten Landtagswahl an Vereine verteilt worden waren. Auch da spielt CDU-Politprominenz wieder eine Rolle. Innenminister Bouillon hatte acht, der damalige CDU-Fraktionschef Tobias Hans sechs Schecks übergeben.

Außerdem interessiert sich die Staatsanwaltschaft angeblich intensiver für Restaurantbesuche von Meiser auf Kosten des Sportverbands. Ob es sich dabei immer um "Arbeitsessen" gehandelt hat? Für die Korruptionsermittler besteht Klärungsbedarf.


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Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 16.11.2018 berichtet.

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