Guiseppe Ferraro (Foto: SR)

Möglicher Gusswerke-Investor zu Geldstrafe verurteilt

Thomas Gerber   05.12.2019 | 13:20 Uhr

Der Chef des gleichnamigen Neunkircher Abrissunternehmens Guiseppe Ferraro ist wegen Untreue zu einer Geldstrafe von 13.500 Euro verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft bestätigte jetzt entsprechende SR-Informationen. Ein Strafbefehl des Amtsgerichts Saarbrücken über 90 Tagessätze à 150 Euro sei bereits Ende Juli rechtskräftig geworden.

Kollegengespräch: "Ferraro hat sich nicht bereichert, sondern Geld in den Verein gesteckt"
Audio [SR 3, Kollegengespräch: Simin Sadeghi/Thomas Gerber, 05.12.2019, Länge: 03:47 Min.]
Kollegengespräch: "Ferraro hat sich nicht bereichert, sondern Geld in den Verein gesteckt"

Insgesamt gehe es um vier Fälle der Untreue aus Ferraros Zeit beim Fußballverein Borussia Neunkirchen, dessen Vorsitzender Ferraro bis 2015 war. Dem 45-Jährigen war vorgeworfen worden, eine schwarze Kasse geführt zu haben. Über vier Konten, die auf Veranlassung Ferraros eingerichtet worden waren, seien trotz Zahlungsunfähigkeit der Borussia „am offiziellen Vereinskonto vorbei“ Zahlungen abgewickelt worden. Über die Konten sollen unter anderem Spielergehälter bezahlt worden sein.

Nicht selbst bereichert

Anhaltspunkte dafür, dass sich Ferraro selbst bereichert haben könnte, hatten die Ermittlungen nicht ergeben. Dies bestätigte auch der damalige Insolvenzverwalter des Vereins Marc Herbert. Im Gegenteil: Ferraro habe vielmehr Geld zugeschossen. Herbert waren die „schwarzen Kassen“ aufgefallen. Insgesamt seien über die Konten gut 100.000 Euro geflossen.

In diesem Zusammenhang war auch gegen zwei Rechtsanwälte ermittelt worden. Das Verfahren gegen einen inzwischen 80 Jahre alten Anwalt wurde gegen Zahlung einer Geldauflage in Höhe von 6000 Euro eingestellt. Der zweite Rechtsanwalt hatte laut Staatsanwaltschaft der Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflage nicht zugestimmt. Gegen ihn wurde Anklage wegen Beihilfe zur Untreue erhoben. Wann der Prozess gegen den 57-Jährigen vor dem Amtsgericht Saarbrücken beginnt, ist noch unklar.

Wirtschaftsministerium war „nichts bekannt“

Ferraro hatte zuletzt im Zusammenhang mit den Massenentlassungen bei den Gusswerken Saarbrücken (früher: Halberg Guss) für Schlagzeilen gesorgt. Er hatte angeboten, den Betrieb zu übernehmen. Dem Wirtschaftsministerium war von dem Untreueverfahren gegen Ferraro nach eigenen Angaben „nichts bekannt“. Staatssekretär Jürgen Barke sagte dem SR, man werde die Verurteilung Ferraros „in Würdigung der Gesamtumstände bei der Entscheidung über einen möglichen Verkauf von Halberg Guss miteinbeziehen“. Ferraro selbst war zunächst für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 05.12.2019 berichtet.

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