Eine ältere Frau wird in einer Hausarztpraxis gegen das Coronavirus geimpft. (Foto: picture alliance/dpa | Wolfgang Kumm)

Neue Impfempfehlung für mehr als 200.000 Saarländer

Thomas Braun   08.10.2021 | 12:36 Uhr

Die Stiko hat ihre Empfehlungen für Corona-Auffrischimpfungen stark erweitert. Der Rat zu einer weiteren Impfung richtet sich nun an alle Senioren ab 70, Pflege- und medizinisches Personal. Zudem sollten Menschen, die den Impfstoff von Johnson & Johnson bekommen hatten, eine zweite Impfung erhalten.

Bisher galt die Empfehlung für eine Auffrischimpfung allein für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat sie nun deutlich erweitert. Sie rät folgenden Personen zu einer Boosterimpfung:

  • Allen Personen, die 70 Jahre und älter sind
  • Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflegeheimen. Aufgrund des erhöhten Ausbruchsrisikos gilt das hier auch für Personen unter 70 Jahren.
  • Pflegepersonal und anderen Beschäftigten mit direktem Kontakt zu Bewohnern in Pflegeeinrichtungen
  • medizinischem Personal mit direktem Patientenkontakt

Impfwirkung bei Senioren schwächer

Die Stiko begründet die neue Impfempfehlung damit, dass bei Senioren ab 70 Jahren die Immunantwort nach Impfungen geringer ausfalle und Impfdurchbrüche häufiger zu einem schweren Verlauf führen.

Das Saarland hat bereits Anfang September mit Auffrischungsimpfungen in Pflegeeinrichtungen begonnen. Kurz zuvor hatte die Gesundheitsministerkonferenz (GMK) beschlossen, unter anderem Pflegebedürftigen und Hochbetagten über 80 Jahen eine Auffrischungsimpfung anzubieten. Nach Angaben des RKI haben bisher rund 10.000 Personen im Saarland eine Drittimpfung erhalten.

Auch Praxen starten jetzt wohl mit Auffrischimpfung

Schon mit dem ursprünglichen GMK-Beschluss wären nach Schätzungen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) rund 120.000 Menschen im Saarland für eine Drittimpfung in Frage gekommen. Durch die Stiko-Empfehlung erhöht sich der Kreis - alleine aufgrund des Alters - auf mehr als 170.000 Saarländerinnen und Saarländer.

Die KV ging nach dem GMK-Beschluss davon aus, dass die meisten Ärzte auf die offizielle Empfehlung der Stiko warten. Diese Empfehlung liegt nun vor. Es ist zwar zunächst nur ein Beschlussentwurf, der noch für eine Stellungnahme an die Fachgremien und Bundesländer geht. Aus Sicht der KV reicht diese Empfehlung aber dennoch aus. Die Praxen seien diesbezüglich bereits informiert worden, teilte die KV auf SR-Anfrage mit.

Biontech oder Moderna für 43.000 Johnson & Johnson-Geimpfte

Ebenfalls geändert hat die Stiko ihre Empfehlung für Impfungen mit dem Vakzin von Johnson & Johnson. Bislang war bei diesem Impfstoff nur eine einmalige Dosis vorgesehen. Man sehe in den aktuellen Daten aber einen deutlich höheren Anteil von Durchbruchinfektionen bei den Jüngeren, die nur einmal damit geimpft worden seien, sagte Stiko-Leiter Thomas Mertens am Mittwoch in Berlin.

Daher empfiehlt die Stiko ab vier Wochen nach der Einmalimpfung eine zusätzliche Gabe eines mRNA-Impfstoffs. Im Saarland betrifft das knapp 43.000 Personen. Gegenüber des Beschlusses der Gesundheitsminister von Bund und Ländern bedeutet das keine Änderungen. Auch sie hatten sich bereits dafür ausgesprochen, Menschen die bislang nur mit den Impfstoffen von AstraZeneca oder Johnson & Johnson geimpft wurden, eine mRNA-Impfung anzubieten.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 08.10.2021 berichtet.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja