Ein Neubau steht kurz der Fertigstellung (Foto: picture alliance / dpa | Fredrik Von Erichsen)

Welche Folgen steigende Bauzinsen haben

Yvonne Schleinhege   26.05.2022 | 13:37 Uhr

Den Traum von den eigenen vier Wänden haben sich in den vergangenen Jahren immer mehr Saarländer erfüllt. Wohnungen, Häuser und Grundstücke waren extrem begehrt, auch weil die Zinsen niedrig waren. Die sind seit Jahresbeginn aber kräftig gestiegen. Welche Konsequenzen hat das?

Sigrid Müller ist seit über 30 Jahren Maklerin im Saarland. Dass die Bauzinsen vor allem seit Jahresbeginn deutlich gestiegen sind, merkt sie durchaus. "Natürlich ist das ein Thema in den Gesprächen", berichtet die Maklerin aus Heusweiler.

"Jemand der mit seiner Finanzierung beschäftigt ist, und noch vor etlichen Wochen mit einer Belastung von 1000 Euro im Monat gerechnet hat, und jetzt tatsächlich 1400 Euro bezahlen muss, kann das möglicherweise nicht mehr tun", sagt Müller. Das trifft natürlich besonders die, die gerade auf Immobiliensuche sind und sich einen bestimmten finanziellen Rahmen gesetzt haben – sie müssen nun umdisponieren, vielleicht auch Abstriche machen.

Mehrere hundert Euro im Monat

Das Rechenbeispiel der Maklerin ist durchaus realistisch. Seit dem Jahresbeginn sind die Zinsen für einen Immobilienkredit mit einer Laufzeit von zehn Jahren von rund einem Prozent auf 2,6 Prozent gestiegen.

Bei einem Kredit über 300.000 Euro kann die monatliche Belastung so durchaus um ein paar hundert Euro steigen, rechnete der Kreditvermittler Interhyp jüngst vor. Bei einer Tilgung von zwei Prozent steigt die monatliche Belastung von 1000 auf 1400 Euro. Das wären nach zehn Jahren zusätzliche Zinskosten von 48.000 Euro.

Nachfrage im Saarland aber stabil

Dass der Zinsanstieg die Nachfrage nach Immobilien im Saarland stark einbremst, sieht Sigrid Müller, die sich auch beim Makelverband IVD im Saarland engagiert, allerdings nicht. "Die Frage ist: Wer fragt nach, wer interessiert sich, wer kann sich das noch leisten? Aber die Nachfrage selber sehe ich nicht in Gefahr."

Wer kann sich welche Immobilie zukünftig noch leisten? Diese Frage beschäftigt auch die Präsidentin des saarländischen Sparkassenverbandes, Cornelia Hoffmann-Bethscheider. Einen Einbruch im Immobilienkreditneugeschäft erlebt man auch hier nicht. "Wir glauben, dass es nicht mehr so rasant steigen wird, wie in den letzten Jahren. Aber es ist immer noch sehr stark." Dies liege auch daran, dass die Nachfrage nach Immobilen nach wie vor das Angebot übersteige.

Interesse an längerer Zinsbindung

Auch Probleme mit der Finanzierung oder gar Kreditausfälle aufgrund steigender Zinsen habe es bei den Sparkassen im Saarland bisher noch nicht gegeben. Zumindest würden das die Zahlen nicht wiedergeben. Doch die Banken spüren die steigenden Zinsen, vor allem bei der Beratung. Viele Kunden wollten sich das aktuelle Zinsniveau möglichst lange sichern.

"Wir sehen, dass die Menschen schon davon ausgehen, dass die Zinsen weiter steigen können und sie deshalb dahingehend die Entscheidung treffen, dieses langfristig abzusichern." Der Trend geht daher auch zu längeren Laufzeiten. In der Branche geht man zudem davon aus, dass das Thema "Anschlussfinanzierung" weiter wichtiger werde.

Zinswende: Weiter steigende Zinsen?

Dass die Zeit der super-niedrig Zinsen vorbei ist, ist klar. Die sogenannte Zinswende ist eingeleitet. Und so gibt es auch mehrere Gründe für den starken Anstieg der Zinsen: Die Inflation hat deutlich angezogen, auch eine Folge des Ukraine-Krieges. Ein klassisches Mittel, die Inflation zu bekämpfen, ist, den Leitzins zu erhöhen. Damit verstärkt sich der Trend zu steigenden Zinsen.

Wie sich die Bauzinsen aber entwickeln, das ist schwierig abzuschätzen. Auch Hoffmann-Bethscheider hält sich da zurück. Nur so viel: "In der Tendenz gehen wir allerdings in der nächsten Zeit davon aus, dass die Zinsen doch noch leicht steigen werden." Viele Experten gehen davon aus, dass sich das Zinsniveau um die drei Prozent stabilisieren könnte. Doch auch das sind nur Prognosen.

Steigende Zinsen, sinkende Preise?

Die Zinswende könnte aber bewirken, dass die Immobilienpreise im Durchschnitt nicht mehr so stark steigen wie zuletzt. Auch wenn die Preise im Saarland in den vergangenen Jahren - mit sehr wenigen Ausnahmen - nicht so sprunghaft gestiegen sind wie in den Boomregionen in Deutschland, auch hier in der Region sind sie doch kontinuierlich und durchaus deutlich hoch gegangen.

"Ich denke, dass der Buckel der Preisgestaltung erreicht ist", sagt Sigrid Müller vom Maklerverband IVD. "Die Preise werden sich schon moderater entwickeln in der Zukunft. Aber es wird auch immer leicht steigende Preise geben." Aber die Maklerin betont vor allem eines: Der Immobilienmarkt im Saarland sei sehr heterogen. Die angespannte Situation etwa rund um Saarbrücken oder Saarlouis lasse sich eben nicht vergleichen mit den ländlichen Regionen etwa im nördlichen Saarland.

Steigende Zinsen treffen auf steigende Baukosten

Und am Ende muss eines festgehalten werden: Die Zinsen sind nur ein Faktor. Hinzu kommen die immer weiter steigenden Baukosten. Beides zusammen trifft besonders die, die gerade bauen oder einen Neubau planen.

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