Demo der Stahlarbeiter in Dillingen (Foto: SR/Linda Grothold)

Dillinger vor harten Einschnitten

mit Informationen von Karin Mayer und Lars Ohlinger   17.02.2020 | 21:40 Uhr

Die Sparmaßnahmen beim Stahl-Unternehmen Dillinger werden fast alle Bereiche betreffen. Darüber hat der Vorstand am Montag die Beschäftigten in einer außerordentlichen Betriebsversammlung informiert. Die Auftragslage in der saarländischen Stahlindustrie hat sich in den vergangenen Monaten weiter verschlechtert.

Es sind bittere Nachrichten für die Beschäftigten von Dillinger: Im Herbst, als der Vorstand die Sparpläne verkündet hat, war die Lage schwierig. Jetzt ist sie deutlich schlechter. Die Preise für Stahlprodukte sind noch weiter gesunken. Die Auftragslage hat sich weiter verschlechtert. Die Unternehmen kündigen schon jetzt hohe Millionenverluste für Saarstahl und für Dillinger für das Geschäftsjahr 2019 an.

Video [aktueller bericht, 17.02.2020, Länge: 5:49 Min.]
Stahlarbeiter demonstrieren in Dillingen gegen Sparpolitik

Die Botschaft an die Belegschaft: Die Sparmaßnahmen sind nötig, um die Zukunft der Unternehmen zu sichern. Über 700 Maßnahmen wurden inzwischen erarbeitet. In fast allen Bereichen soll Personal abgebaut und Arbeiten an Dienstleister ausgelagert werden. Welche Jobs genau betroffen sind, sei aber noch nicht klar. Insgesamt könnten 1500 Stellen abgebaut und 1000 weitere ausgelagert werden.

Betriebsrat will eigenen Sparvorschlag vorlegen

Außerordentliche Betriebsversammlung bei Dillinger
Audio [SR 3, Karin Mayer, 17.02.2020, Länge: 02:44 Min.]
Außerordentliche Betriebsversammlung bei Dillinger

Dieses Outsourcing ist umstritten in der Belegschaft und bei den Betriebsräten. Der Konzernbetriebsratsvorsitzende Michael Fischer sagte dem SR, es seien bereits 500 Arbeitsplätze abgebaut worden. Dadurch seien hohe Millionenbeträge eingespart worden. Nun sei der Vorstand in der Verantwortung, dass mit weniger Leuten produziert werden könne. Der Betriebsrat werde zudem eine Potentialanalyse durchführen und einen eigenen Sparvorschlag vorlegen, so der Betriebsratsvorsitzende. 

Fischer forderte außerdem die Politik in Berlin und Brüssel auf, ihre Zusagen wahr zu machen. Die Stahlindustrie brauche Schutz vor Billigimporten und Investitionshilfen bei der Umstellung auf Wasserstofftechnologie. Ralf Cavelius von der IG Metall Völklingen sagte bei einer Kundgebung vor dem Lokschuppen, die Stahlindustrie brauche stabile Rahmenbedingungen, nur dann könnten die Unternehmen richtige Entscheidungen treffen.

Stahlarbeiter auf dem Weg zum Lokschuppen
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 17.02.2020, Länge: 00:31 Min.]
Stahlarbeiter auf dem Weg zum Lokschuppen

Vor der Betriebsversammlung hatten rund 1500 Beschäftigte in der Dillinger Innenstadt für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze demonstriert. Sie trugen unter anderem einen Sarg zum Lokschuppen. Symbolisch für die Betriebe, die in Tochtergesellschaften oder zu Dienstleistern ausgelagert werden sollen.

Stahlarbeiter protestieren gegen Sparpläne

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 17.02.2020 berichtet.

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