Stahlbeschäftigte demonstrieren in Völklingen (Foto: Karin Mayer)

Saarstahl-Betriebsrat will um Jobs kämpfen

Karin Mayer    01.10.2019 | 15:30 Uhr

Rund 5500 Beschäftigte in der Stahlindustrie haben am Dienstag in Völklingen gegen den geplanten Jobabbau demonstriert. Der Betriebsratsvorsitzende von Saarstahl, Stephan Ahr, will weiter um die Jobs kämpfen.

Bei der Belegschaftsversammlung am Dienstag sagte Ahr, er werde nicht zulassen, dass qualifizierte Mitarbeiter vor die Tür gesetzt würden. Den Vorstand forderte er auf, einen Dialog mit der Arbeitnehmervertretung zu führen und eine Lösung für die befristet Beschäftigten zu finden. Der Strategieprozess habe ohne Beteiligung der Betriebsräte stattgefunden. Das sei ein Angriff auf die Mitbestimmung in der Stahlindustrie.

Video [aktueller bericht, 01.10.2019, Länge: 2:51 Min.]
Demonstration bei Saarstahl

Schwere Zeiten für Stahlindustrie

Interview: "Wären wir eine Bank, hätten wir schon längst geholfen bekommen"
Audio [SR 3, Interview: Dorothee Scharner, 01.10.2019, Länge: 03:48 Min.]
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Die Lage bei Saarstahl ist ernst, das wissen die Stahlkocher. Das Unternehmen leidet unter der schwächeren Autokonjunktur und immer mehr Billigimporten aus Asien. Gleichzeitig müssen die Betriebe immer strengere CO2-Auflagen erfüllen. Lars Desgranges von der IG Metall Völklingen sagte dem SR, die Stahlindustrie könne im Moment in Europa nicht überleben. Die Politik müsse die Rahmenbedingungen etwa von CO2-Kosten oder mit Handelsschranken wieder ändern, damit die Stahlunternehmen wieder eine Zukunft hätten.

Rehlinger sieht Bundesregierung in der Pflicht

Die Beschäftigten zeigen richtig Kante
Audio [SR 3, Karin Mayer, 01.10.2019, Länge: 03:18 Min.]
Die Beschäftigten zeigen richtig Kante

Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) forderte unterdessen erneut ein milliardenschweres Investitionsprogramm der Bundesregierung, um Klimaschutz und Stahlindustrie wieder miteinander vereinbar zu machen. Dem SR sagte Rehlinger, wenn alle eine ökologische Wende in der Industriepolitik forderten, müsse die Politik auch handeln.

Das Saarland und die Stahlindustrie seien dafür der erste ernstzunehmende Anwendungsfall. Es wäre klug aus Sicht der Bundesregierung, der Stahlindustrie jetzt zum Erfolg zu verhelfen. Das würde auch anderen Branchen Mut machen. Sollte die Stahlindustrie scheitern, wäre das für die Saar-Wirtschaft eine Katastrophe.

Zuvor hatten rund 5500 Beschäftigte in Völklingen gegen den geplanten Stellenabbau demonstriert. Am Freitag hatte der Vorstand der Stahlholding Saar (SHS) Tim Hartmann harte Einschnitte bei Dillinger, Saarstahl und weiteren Stahl-Töchtern angekündigt. In den kommenden drei Jahren sollen 1500 Stellen abgebaut sowie 1000 Stellen ausgelagert werden.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 01.10.2019 berichtet.

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