Passanten mit einer Einkaufstüte von Galeria Karstadt Kaufhof (Foto: IMAGO/Nikita)

Staatshilfen für Galeria Karstadt Kaufhof

  28.01.2021 | 18:15 Uhr

Die Bundesregierung will laut Medienberichten den angeschlagenen Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof mit einem Darlehen in Höhe von bis zu 460 Millionen Euro stützen. Die Führung der angeschlagenen Warenhauskette hat erleichtert auf die in Aussicht gestellten Staatshilfen reagiert.

Die Bundesregierung will dem letzten großen deutschen Warenhauskonzern mit einem Darlehen von bis zu 460 Millionen Euro unter die Arme greifen. Der Ausschuss des staatlichen Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) gab am Mittwoch grünes Licht für ein sogenanntes Nachrangdarlehen. Der Hintergrund der Hilfsaktion: Die 131 Warenhäuser des von der Corona-Krise hart getroffenen Konzerns gelten als unverzichtbare Publikumsmagneten in vielen Fußgängerzonen.

Mit der Unterstützung leiste die Bundesregierung einen wichtigen Beitrag, um Arbeitsplätze zu sichern und die aktuell schwierige Lage für das Unternehmen zu überbrücken, hieß es in Berlin. Konzernchef-Chef Miguel Müllenbach zeigte sich nach der Entscheidung erleichtert.

Konzern will Darlehen zurückzahlen

In einem Mitarbeiterbrief schrieb er, der Überbrückungskredit werde dem Konzern die nötige Liquidität in den nächsten Wochen und Monaten der Pandemie sichern. Der Konzern könne dank der Hilfen die geplanten Investitionen in die Zukunft von Galeria weiter voll umsetzen. Galeria Karstadt Kaufhof werde das Darlehen mit Zinsen zurückzahlen. "Der Steuerzahler hat durch diesen Kredit weder ein Risiko noch einen Nachteil."

Der Eigentümer Signa stelle ebenfalls frische finanzielle Mittel zur Verfügung und habe das Unternehmen in den letzten zwölf Monaten bereits mit insgesamt 550 Millionen Euro unterstützt. Die Hilfsmaßnahmen sind an umfangreiche Auflagen und rechtliche Vorgaben geknüpft, außerdem muss der Konzern eine angemessene Verzinsung zahlen.

Verdi fordert Arbeitsplatzzusage

Die Gewerkschaft Verdi begrüßt die Entscheidung über Hilfsangebot als "richtig und wichtig". Mit dem Millionen-Darlehen müsste allerdings nun die gesamte Gesellschaft für die Warenhäuser geradestehe, sagte Alex Sauer von Verdi Saar. Deshalb müsse es zum Beispiel klare Zusagen geben, dass die Arbeitsplätze erhalten bleiben. Die beiden Filialen von Galeria Karstadt/Kaufhof in Saarbrücken haben zusammen über 200 Mitarbeiter.

Auch der Handelsverband Saarland begrüßt den Staatskredit als faire Lösung. Beide Filialen zählten für den Saarbrücker Handel zu den stärksten Publikumsmagneten, sagte dessen Leiter Michael Genth. Nur mit den Warenhäusern und ihrem großen Angebot bleibe die Innenstadt für Kunden attraktiv.

Noch rund 17.800 Mitarbeiter

Zuvor hatten bereits die Lufthansa, der Reisekonzern Tui und weitere Unternehmen staatliche Hilfen erhalten. Die Bundesregierung hatte den Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) im März 2020 gegründet, um in der Corona-Krise große Unternehmen mit Garantien und Kapitalhilfen zu unterstützen und Arbeitsplätze zu erhalten.

Galeria Karstadt Kaufhof ist der zweitgrößte Warenhauskonzern Europas und Marktführer in Deutschland, beschäftigt rund 17.800 Mitarbeiter und betreibt 131 Warenhäuser – davon zwei in Saarbrücken. Die Corona-Krise hatte das ohnehin angeschlagene Unternehmen massiv getroffen.

Bereits während des ersten Lockdowns im April vergangenen Jahres hatte der Konzern Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen müssen. Erst Ende September hatte er das Insolvenzverfahren abgeschlossen. Der Warenhauskonzern hat im vergangenen Jahr mehr als 40 Filialen geschlossen, darunter auch die Kaufhof-Filiale in Neunkirchen, und insgesamt rund 4000 Stellen abgebaut.

Über dieses Thema hat auch die SR3-Rundschau vom 28.01.2021 berichtet.

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