Eine Frau hält an einer Tankstelle an einer Zapfsäule eine Zapfpistole in der Hand und betankt ein Auto. (Foto: dpa/Sven Hoppe)

Tankrabatt zeigt Wirkung im Saarland

  01.06.2022 | 16:35 Uhr

Infolge der gesenkten Energiesteuer sind die Spritpreise an den Tankstellen im Saarland am Mittwoch teilweise deutlich gesunken. Generell kritisiert der Verband der Tankstellenpächter, dass die zuvor hohen Preise nichts mehr mit den tatsächlichen Herstellungskosten zu tun hätten.

Seit Mittwoch 00.00 Uhr gilt auch in Deutschland der Tankrabatt. Er ist Teil des das Entlastungspaket der Bundesregierung und gilt drei Monate. Benzin soll so um 30 Cent je Liter und Diesel um 14 Cent pro Liter günstiger werden.

Und die gesenkte Energiesteuer zeigte gleich Wirkung an den Tankstellen im Saarland: So kostete laut ADAC-Internetportal am Mittwoch gegen 11.00 Uhr ein Liter Super im Umkreis von zehn Kilometern um Saarbrücken zwischen 1,79 und 2,16 Euro, wobei nur zwei Tankstellen die Zwei-Euro-Grenze überschritten.

Der Liter E 10 kostete im Vergleichszeitraum zwischen 1,71 und 2,16 Euro und der Liter Diesel zwischen 1,82 und 2,17 Euro.

Video [aktueller bericht, 01.06.2022, Länge: 3:04 Min.]
Tankrabatt zeigt Wirkung im Saarland

Erst alten Sprit verkaufen?

Zuletzt war vermutet worden, dass einige Tankstellen den Rabatt erst später weitergeben, da zunächst der alte Sprit in den Tanklagern, für den beim Einkauf noch kein Rabatt galt, abverkauft werde.

Dass nun doch so viele Tankstellen die Preise deutlich gesenkt haben, erklärt Herbert W. Rabl vom Verband der Tankstellenpächter mit einem Vorpreschen des Marktführers in der vergangenen Nacht. "Der Marktführer Aral hat gesagt: Wir geben den Tankrabatt voll durch. Dann haben die großen Gesellschaften sehr schnell nachgezogen", so Rabl.

"Und dann haben die kleineren Gesellschaften, die eigentlich den Sprit noch teurer verkaufen wollten, gemerkt, dass die Markentankstellen billiger sind. Und sie haben auch den Preis gesenkt", so Rabl weiter. Und schließlich hätten auch die Freien Tankstellen den Preis gesenkt.

Lohnt Tanktourismus?

Zu möglichem Tanktourismus in der Grenzregion könne man derzeit hingegen nur spekulieren. In Luxemburg, wo der Höchstpreis staatlich festgelegt ist, liegt der Preis für einen Liter Diesel laut Angaben der Regierung bei 1,79 Euro und der für Benzin (Super 95) bei 1,91 Euro. Wer in Frankreich tankt, bezahlt bereits seit dem 1. April 18 Cent weniger. Der Rabatt gilt noch bis zum 31. Juli 2022.

"Preis hat nichts mehr zu tun mit den Gestehungskosten"
Audio [SR 3, Interview: Nadine Thielen / Herbert Rabl, 01.06.2022, Länge: 05:40 Min.]
"Preis hat nichts mehr zu tun mit den Gestehungskosten"

Pächterverband kritisiert überteuerte Preise

Dass die Preise im Saarland und Deutschland ohne den Tankrabatt zuvor deutlich über den Preisen etwa in Luxemburg lagen, erklärt Rabl vom Tankstellenpächterverband auch mit der großen Marktmacht von nur wenigen Konzernen. "Die kennen sich alle gegenseitig, die beobachten sich alle gegenseitig. Die besitzen die Raffinerien. Die haben die Tanklager. Das sind ganz wenige Konzerne", so Rabl.

Und diese Konzerne würden den Preis bestimmen, der zumindest seit dem Kriegsbeginn in der Ukraine nichts mehr mit den tatsächlichen Produktions- und Entstehungskosten zu tun habe. "Die Konzerne sehen: Der Verbraucher ist bereit, für sein liebstes Kind, das Auto, zwei Euro und mehr zu bezahlen. Dann machen sie den Preis nicht nach den Gestehungskosten, sondern danach, was sie erreichen und rausholen können", so Rabl.

Die kleinen Tankstellenpächer hingegen bekämen von dem Riesengewinn, der gerade eingefahren werde, keinen Cent ab.

Über dieses Thema hat auch die SR 3-Rundschau am 01.06.2022 berichtet.

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