Saskia Esken, Kandidatin für den Parteivorsitz der SPD, und Norbert Walter-Borjans, Kandidat für den Parteivorsitz der SPD (Foto: Kay Nietfeld, dpa/bildfunk)

Die SPD hat zwei neue Chefs

Mit Informationen von Florian Mayer   06.12.2019 | 16:45 Uhr

Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans sind neue Vorsitzende der SPD. Der Parteitag wählte die beiden Kritiker der Großen Koalition am Freitag in Berlin und bestätigte damit das Ergebnis des Mitgliederentscheids.

Die 58-jährige Esken erhielt 75,9 Prozent, der 67 Jahre alte Walter-Borjans 89,2 Prozent der Stimmen. Damit wird die Partei erstmals von einer Frau und einem Mann gemeinsam geführt. Das neue Führungsduo will die SPD auf einen klaren Linkskurs führen und dafür notfalls die Große Koalition mittelfristig verlassen, wie sie in ihren Bewerbungsreden deutlich machten.

Aufbrauch in "eine neue Zeit"

Kollegengespräch: "Bisher keine Raus-aus-der-GroKo-Stimmung hier"
Audio [SR 3, Kollegengespräch: Simin Sadeghi / Florian Mayer, 06.12.2019, Länge: 02:55 Min.]
Kollegengespräch: "Bisher keine Raus-aus-der-GroKo-Stimmung hier"

Vor rund 600 Delegierten kündigten die beiden neuen Vorsitzenden an, dass sie die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich schließen und mehr Klimaschutz durchsetzen wollen. Beide zweifelten daran, ob das mit der Union in der Großen Koalition möglich ist. Es gebe mit ihnen als standhafte SPD-Chefs einen Aufbruch in eine "neue Zeit", sagten die beiden unisono.

Die große Mehrheit der Delegierten erhob sich jeweils zum Ende der Reden von den Plätzen und applaudierte. "Ich war und ich bin skeptisch, was die Zukunft dieser Großen Koalition angeht", sagte Esken. "Viel zu lange war die SPD in den letzten Jahren in ihrer eigenen Denke mehr Große Koalition als eigenständige Kraft." Die SPD gebe der Großen Koalition eine "realistische Chance auf eine Fortsetzung - nicht mehr, aber auch nicht weniger".

"Gutes Ergebnis"

Es ist ein gutes Ergebnis für Walter-Borjans und Esken. Darin sind sich die saarländischen Delegierten auf dem SPD-Bundesparteitag in Berlin einig. Walter-Borjans und Esken seien diejenigen, mit denen die SPD nun tatsächlich in eine neue Zeit aufbrechen könne, sagte die 33-jährige Bundestagsabgeordnete Josephine Ortleb.

Ulrich Commerçon, Chef der SPD-Fraktion im saarländischen Landtag, sprach von einem klaren Ergebnis für beide Teile der neuen SPD-Doppelspitze. Er forderte mit der Wahl des Duos auch gleichzeitig ein Ende der Personaldebatten innerhalb der Partei. Es müsse nun darum gehen, mit der Arbeit in der Bundesregierung jeden Tag eine "sozialdemokratische Handschrift erkennbar zu machen".

Der saarländische Landtagsabgeordnete Magnus Jung sieht mit Blick auf diese Aufgabe nicht nur die neue Parteispitze in der Pflicht, sondern jedes Mitglied in der SPD.


Weitere Informationen:

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 06.12.2019 berichtet.

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