Der Pingusson-Bau in Saarbrücken aus der Luft (Foto: IMAGO / Becker&Bredel)

Kein klares SPD-Bekenntnis zum Pingusson-Bau

mit Informationen von Janek Böffel   02.05.2022 | 17:04 Uhr

Der Pingusson-Bau ist ein architektonisches Aushängeschild der Landeshauptstadt. Doch zu einer Entscheidung für eine millionenschwere Sanierung des Gebäudes konnte sich die Groko jahrelang nicht durchringen. Auch die SPD in Alleinverantwortung tut sich schwer mit dem Thema.

Seit Jahren verfällt das Pingusson-Gebäude an der Saarbrücker Westspange zusehends. Und seit Jahren wird innerhalb der Landesregierung darüber diskutiert, ob und wie das Gebäude saniert werden soll. Lange hatte die SPD immer wieder auf den damaligen Bau-Minister Klaus Bouillon verwiesen, der sich wiederholt kritisch zu einer Sanierung geäußert hatte.

Doch auch mit der SPD in einer Alleinregierung gibt es kein klares Bekenntnis zu einer Sanierung der Immobilie. Selbst Fraktionschef Ulrich Commerçon, unzweifelhaft einer der unerschütterlichen Anhänger einer Instandsetzung, weiß, dass es sich um ein "hochumstrittenes" Thema handelt. Auch in seiner Partei gibt es nämlich nicht nur Anhänger des millionenschweren Projektes.

Video [aktueller bericht, 02.05.2022, Länge: 3:11 Min.]
Zukunft des Pingusson-Baus in SPD-Hand

Dabei hatten sich bereits mehrere Kabinette 2011 und 2016 für die Sanierung und Renovierung des 1954 als französische Botschaft erbauten Gebäudes in zumindest optisch prominentester Lage in Saarbrücken ausgesprochen. Passiert ist seitdem nichts.

Über 50 Millionen Euro Kosten

Nur die Kosten sind gestiegen. Auf mehr als 50 Millionen Euro hatte ein vom ehemaligen Bauminister Klaus Bouillon in Auftrag gegebenes Gutachten die Sanierung geschätzt: viel für ein Land wie das Saarland.

Stefan Thielen, Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion und Sprecher für Finanzen und Haushaltsfragen, verweist denn auch darauf, dass man bei der angespannten Finanzlage Prioritäten setzen müsse. Andere Projekte seien dringender gewesen.

Allerdings gehörte Bau-Minister Bouillon nie zu den großen Fans des Gebäudes. Ihm wird sogar nachgesagt, er habe mal verlauten lassen, das Gebäude am liebsten persönlich in die Luft zu jagen.

Wie geht es weiter mit dem Pingusson-Bau?
Audio [SR 3, Janek Böffel, 02.05.2022, Länge: 03:10 Min.]
Wie geht es weiter mit dem Pingusson-Bau?

Rechnungshof überlässt Entscheidung der Politik

Vergangenes Jahr hatte Bouillon angekündigt, dass der Rechnungshof die mögliche Sanierung prüfe. Seitdem war über das Thema nichts mehr zu hören gewesen. Dabei war die Prüfinstanz schnell zu einer Einschätzung gekommen, die man dem Bauministerium auch mitgeteilt habe: Die Entscheidung, was mit dem Gebäude passiere, sei angesichts der historischen Rolle des Gebäudes eine politische und keine rein wirtschaftliche.

Der Rechnungshof mahnte die Politik jedoch, möglichst schnell zu handeln, denn kleiner würden die Kosten nicht. Damit liegt der Ball bei der SPD und Neu-Bauminister Reinhold Jost. Aber auch der neue Finanzminister Jakob von Weizsäcker wird ein Wörtchen mitzureden haben. Zumindest die Parteizugehörigkeit dürfte damit aber nicht als Ausrede herhalten, die Entscheidung weiter zu verzögern.

Über dieses Thema hat auch die SR 3-Sendung "Region am Nachmittag" am 02.05.2022 berichtet.

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