Das Sparkassen-Logo spiegelt sich verzerrt in einer Fensterfassade (Foto: picture alliance/dpa | Andreas Arnold)

Mehr Sparkassen im Saarland erheben Verwahrentgelt

  10.10.2021 | 08:24 Uhr

Immer mehr Kreditinstitute nehmen Geld dafür, dass Kunden ihr Geld auf einem Konto liegen haben. Das sogenannte Verwahrentgelt erheben inzwischen auch alle Sparkassen im Saarland. Scharfe Kritik daran äußert die Verbraucherzentrale.

Vor allem Neukundinnen und -kunden müssen immer häufiger Geld dafür zahlen, dass Kreditinstitute ihr Geld verwalten - so ebenfalls bei der Sparkasse. Mittlerweile ist oft auch die Bestandskundschaft vom sogenannten Verwahrentgelt betroffen. Dabei gelten je nach Kreditinstitut verschiedene Regelungen.

Keine Ausnahmen mehr im Saarland

Noch vor einem Jahr haben nur drei der sechs Sparkassen im Saarland das sogenannte Verwahrentgelt erhoben. Mittlerweile steigen sie alle um. Die Argumente ähneln sich: Durch die Konditionen der Europäischen Zentralbank (EZB) sähen sich die Sparkassen zu diesem Schritt gezwungen, um nicht selbst Verlustgeschäfte zu machen.

Für das Geld, das Kreditinstitute bei der EZB parken, verlangt die Zentralbank derzeit einen negativen Zinssatz von 0,5 Prozent. Dies gilt für Summen, die einen bestimmten Freibetrag übersteigen.


Zu welchen Bedingungen die Sparkassen der Region Verwahrentgelte erheben, ist verschieden. Hier finden Sie einen Überblick.


Kreissparkasse Saarpfalz

Die Kreissparkasse Saarpfalz erhebt seit vergangenem Jahr Verwahrentgelte. Angefangen haben Regelungen mit gewerblichen Kunden, anschließend seien Vereinbarungen mit privaten Neukundinnen und -kunden getroffen worden; seit Anfang März dieses Jahres werden auch mit der privaten Bestandskundschaft Vereinbarungen zum Verwahrentgelt getroffen.

Laut einem Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) muss die Kundschaft jeder vertraglichen Änderung zustimmen. Daher werden für die Einführung des Verwahrentgeltes oftmals individuelle Absprachen getroffen und gleichzeitig alternative Anlagemöglichkeiten gesucht.

Denn nicht auf jede Art der Geldeinlage wird das Verwahrentgelt erhoben. Laut Angaben der Kreissparkasse bleiben so 98 Prozent der privaten Kundschaft von den Zahlungen verschont.

Der Negativzins mache sich nur bei Sichteinlagen, also kurzfristigen Einlagen, von denen jederzeit Geld abgehoben werden kann (dazu zählen zum Beispiel Girokonten), und Kündigungsgeldern bemerkbar. Mittel- und langfristige Geldeinlagen seien davon bei der Kreissparkasse Saarpfalz nicht betroffen. Außerdem blieben Freibeträge von bis zu 50.000 Euro unangetastet. Auf höhere Summen entfällt derzeit ein Verwahrentgelt in Höhe von 0,5 Prozent.

Sparkasse Neunkirchen

Bei der Sparkasse Neunkirchen sei Neukundschaft "auf jeden Fall betroffen" - mit der Bestandskundschaft führen Beraterinnen und Berater im Falle einer weiteren Kontoeröffnung individuelle Gespräche. Diese Regelungen gelten im Bereich der privaten Kundinnen und Kunden seit September dieses Jahres.

Betroffen seien nur Sichteinlagen, hier liege der Freibetrag grundsätzlich bei 50.000 Euro, der Zinssatz aktuell bei minus 0,5 Prozent.

Sparkasse Merzig-Wadern

Regelungen zum Verwahrentgelt gibt es bei der Sparkasse Merzig-Wadern im privaten Bereich seit Juni 2021 vorrangig für Neukundinnen und -kunden.

Für die Neukundschaft lege die Sparkasse Merzig-Wadern einen Freibetrag von 100.000 Euro fest, für Eheleute liege der Betrag bei 400.000 Euro. Verwahrentgelte werden auf Sichteinlagen und Tagesgeldkonten bei höheren Einlagen zu minus 0,5 Prozent verzinst.

Sparkasse Saarbrücken

Die Sparkasse Saarbrücken erhebe Verwahrentgelte vorrangig auf geschäftliche Konten - bei privaten Kundinnen und Kunden seien allein Sichteinlagen und Tagesgelder ab einem Betrag von 100.000 Euro zu einem Zinssatz von ebenfalls minus 0,5 Prozent betroffen. Gültig sind diese Regelungen seit Juni 2020.

Mit der Bestandskundschaft werden gegebenenfalls ebenfalls schriftliche Vereinbarungen getroffen, jedoch sei auch hier das Ziel, Verwahrentgelte zu vermeiden. Dementsprechend führt die Sparkasse Vermögensberatungen durch.

Kreissparkasse St. Wendel

Auf Sichteinlagen und ab einer Summe von 100.000 Euro erhebt die Kreissparkasse St. Wendel Verwahrentgelt von 0,5 Prozent bei privaten Neukundinnen und -kunden. Dies gilt erst seit Anfang Oktober 2021. Die private Bestandskundschaft sei derzeit noch nicht betroffen.

Kreissparkasse Saarlouis

Die Kreissparkasse Saarlouis sei derzeit dabei, Verwahrentgelte bei Privatkundinnen- und -kunden einzuführen - sowohl für neue als auch für Bestandskonten. "Jede Sparkasse lehnt Verwahrentgelte auf Einlagen aus tiefster Überzeugung ab", erklärt Michael Wolff, Vorstandsreferent der Kreissparkasse Saarlouis. Jedoch könne die Sparkasse andernfalls keine positiven Erträge mehr erzielen.

Seit immer mehr andere Kreditinstitute Verwahrentgelte eingeführt haben, seien mehr Kunden zur Sparkasse Saarlouis gewechselt. "Diese Entwicklung ist zwar zunächst ein Vertrauensbeweis, stellt aber betriebswirtschaftlich zunehmend ein Problem dar", erklärt Vorstandsreferent Wolff.

"Aus diesem Grund können auch wir uns leider nicht länger einem – moderaten – Verwahrentgelt verschließen." Bei minus 0,5 Prozent liegt der Zinssatz der Sparkasse Saarlouis, der Freibetrag bei Privatpersonen bei 100.000 Euro.

Negativzinsen unzulässig?

Die Verbraucherzentrale bewertet diese Entwicklung kritisch, hält sie sogar für unzulässig, erläutert Konrad Diwo, Berater im Bereich Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale des Saarlandes. Aus seiner Sicht wird die Kundschaft dadurch unter Druck gesetzt, ihr Geld in andere, gegebenenfalls provisionsreichere Produkte, zu stecken.

Die Begründung der Sparkassen, dass sie aufgrund der Zinspolitik der EZB gezwungen seien, Verwahrentgelte von den privaten Kundinnen und Kunden zu erheben, ist aus seiner Sicht hinfällig. Denn die Kreditinstitute profitierten von großen Freibeträgen bei der EZB. "Es ist daher nicht ausgeschlossen, dass Banken mit dem Verwahrentgelt sogar Gewinn erzielen", folgert Diwo.

Sparkassenkundinnen und -kunden müssten dem Verwahrentgelt nicht zustimmen, sagt Diwo. Allerdings riskieren sie dann, dass ihr Konto durch das jeweilige Kreditinstitut gekündigt wird.

Sparkassen sehen sich im Nachteil

Die Sparkassen halten dagegen: Bei ihnen hätten besonders viele Kundinnen und Kunden Einlagen. Sie seien daher gegenüber Kreditinstituten, die sich am Kapitalmarkt weitgehend zu negativen Zinssätzen refinanzieren, bisher stärker von der EZB-Politik betroffen.

Höchstrichterlich noch nicht geklärt

Eine höchstrichterliche Entscheidung, ob Verwahrentgelte überhaupt rechtmäßig sind, steht laut Verbraucherzentrale noch aus. Auch der Bund prüfe derzeit, ob die Einführung der Verwahrentgelte bei den Kreditinstituten gegebenenfalls verboten oder beschränkt werden kann.


Verwahrentgelt für Einlagen
Sparen? Kostet Zinsen
Die Negativ-Zinspolitik der Europäischen Zentralbank hat auch für Privatkunden Auswirkungen. Immer mehr Banken erheben Gebühren auf höhere Einlagen. Meistens trifft es Neukunden, aber nicht mehr ausschließlich.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 10.10.2021 berichtet.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja