Ein Logo der Kreissparkasse. (Foto: picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt)

Ende der negativen Sparzinsen bei Sparkassen in Sicht

Peter Sauer   03.06.2022 | 17:43 Uhr

Die Sparkassen-Finanzgruppe blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2021 zurück. Zuwächse gab es sowohl im Kredit- als auch im Anlagengeschäft. Positive Aussichten gibt es für Sparer: Strafzinsen könnten bald der Vergangenheit angehören.

Es ist eine historisch einmalige Situation, die seit sechs Jahren andauert. Im März 2016 hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins erstmals auf null Prozent gesetzt. Durch das „billige“ Geld sollte die Konjunktur angekurbelt und verschuldeten europäischen Staaten unter die Arme gegriffen werden.

Für das Geld, das Banken und Sparkassen bei der EZB parken können, müssen die Kreditinstitute deshalb schon seit acht Jahren Strafzinsen zahlen – aktuell 0,5 Prozent. Mittlerweile geben fast alle Institute diese negativen Zinsen an ihre Privatkunden weiter – wenn auch zumeist erst ab einer bestimmten Summe.

Aus für Negativzinsen schon im Herbst?

Bisher wollte die EZB den Leitzins aus Rücksicht auf überschuldete Staaten nicht erhöhen. Im Mai betrug die Inflationsrate im Euroraum jedoch 8,1 Prozent (in Deutschland voraussichtlich 7,9 Prozent), so dass die meisten Experten eine sukzessive Anhebung des Leitzinses ab Sommer erwarten.

„Dann ist das Thema Verwahrentgelt vom Tisch“, sagt Frank Saar, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Saarbrücken im SR-Interview. Denn die Verträge mit den Kunden seien an den Einlagezins der EZB gekoppelt. „Wenn die EZB die Zinsen erhöht, werden wir dann sofort auch unsere Kunden von diesem Negativzins befreien“, sagt Saar. Wann genau, das hänge von den Zinsschritten der EZB ab. 

Saar-Sparkassen steigern Bilanzsumme

Mehr Kundeneinlagen und ein erneuter Anstieg des Kreditgeschäfts sorgen dafür, dass im vergangenen Geschäftsjahr die Gesamteinlagen der Kunden der saarländischen Sparkassen-Finanzgruppe um knapp fünf Prozent auf insgesamt 15,3 Milliarden Euro gestiegen sind. Zu der Gruppe gehören Sparkassen, SaarLB, LBS und Saarland Versicherungen.

Die Darlehenszusagen lagen über dem Rekordniveau aus dem Vorjahr. Das Firmenkundenkreditgeschäft wuchs um gut fünf Prozent und übersprang in der Summe erstmals die Marke von einer Milliarde Euro.

Haupttreiber seien Wohnungsbaukredite gewesen, erläutert Sparkassenverbands-Präsidentin Cornelia Hoffmann-Bethscheider im SR-Interview: „Wir haben insbesondere beim Wohnimmobilienkreditbereich gesehen, dass es eine sehr hohe Nachfrage gibt und diese Nachfrage auch in diesem Jahr noch weiter hoch ist, höher als das Angebot.“ 

Befürchtete Insolvenzwelle bleibt aus

Die Corona-Pandemie hatte großen Einfluss auf die Kunden der Sparkassen. Der von einigen Experten befürchtete Anstieg von Insolvenzen ist aber ausgeblieben. „Unsere Firmenkunden sind von Insolvenzen verschont geblieben und relativ gut durch die Pandemie gekommen“, sagt Frank Saar, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Saarbrücken und Obmann der saarländischen Sparkassen.

Die staatlichen Hilfen hätten bei Firmen, die coronabedingte Probleme hatten, Wirkung gezeigt und viele hätten diese Unterstützung bereits zurückgezahlt. Die Pandemie habe aber auch das Verhalten der Kunden verändert. Immer mehr Kunden wickeln ihre Bankgeschäfte nach Angaben von Saar digital ab.

Im vergangenen Jahr wurden landesweit neun Sparkassen-Geschäftsstellen geschlossen. Aktuell haben die sechs saarländischen Sparkassen insgesamt noch 211 Filialen mit rund 3300 Beschäftigten. Die gesamte Sparkassen Finanzgruppe insgesamt hat rund 4400 Mitarbeiter.

Über dieses Thema hat auch die SR 3-Rundschau vom 03.06.2022 berichtet.

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