leere Geldbeutel (Foto: (c) dpa)

Sozialverbände fürchten weitere Armutswelle

Michael Schneider / Onlinefassung: Rebecca Wehrmann   06.04.2022 | 21:29 Uhr

Sozialverbände im Saarland warnen aufgrund der steigenden Preise für Energie, Benzin und Lebensmittel vor einer drohenden Armutswelle im Saarland. Laut der saarländischen Armutskonferenz könnten weitere rund 7500 Haushalte in die Armut abrutschen. Gefragt seien nun politische Lösungen.

Steigende Preise für Heizung, Strom, Benzin und Lebensmittel: Die Auswirkungen der Krise durch den Krieg in der bekommen wohl alle in irgendeiner Form zu spüren. Besonders betroffen sind aber diejenigen, die ohnehin keine finanziellen Reserven mehr haben.

Video [aktueller bericht, 06.04.2022, Länge: 3:04 Min.]
Sozialverbände im Saarland warnen vor Armutswelle

Tafeln reduzieren Angebot

Auch die Tafeln im Saarland erwarten einen immer stärkeren Anstieg an Bedürftigen. Einige, wie die Homburger Tafeln, haben bereits die Abgabe auf einen Tag in der Woche reduziert. Die Illinger Tafel fürchtet, dass die Räumlichkeiten demnächst nicht mehr ausreichen könnten. Um das zu verhindern, brauche es Unterstützung seitens der Politik.

Anne Fennel von der Diakonie Saarland sieht die Politik ebenfalls in der Pflicht. Sie müsse Existenzleistungen oder auch Unterstützungsleistungen für Betroffene anbieten, „auch weil der Bedarf über die Tafeln nicht auffangbar ist“. Das sei ihrer Meinung nach zudem nicht das Ziel der Tafeln.

7500 Haushalte könnten in Armut abrutschen

Nach Berechnungen von Michael Leinenbach von der Saarländischen Armutskonferenz könnten weitere 7500 Haushalte in die Armut abrutschen. Um das zu verhindern müsse die Politik die bereits angekündigten Entlastungsmaßnahmen weiter anpassen.

„Die politischen Vertretungen, die wir haben, sind gefordert, im Bundesrat und im Bundestag für die Menschen einzutreten und dort auch die Interessen des Saarlandes beziehungsweise der betroffenen Menschen zu vertreten“, so Leinenbach.

Video [aktueller bericht, 06.04.2022, Länge: 3:04 Min.]
Sozialverbände im Saarland warnen vor Armutswelle

Armutsbericht wird überarbeitet 

Um die Armut in den Griff zu bekommen, hat das Land bereits politische Instrumente. So gibt es unter anderem den Armutsbericht und einen speziellen Beirat. Dieser hat auch diese Woche wieder im Sozialministerium getagt.

Vorgelegt wurde der Armutsbericht jedoch noch nicht. Er werde zunächst erneut überarbeitet und dann zeitnah vorgelegt, sagte Sozialministerin Monika Bachmann (CDU).

Für Leinenbach greifen die derzeitigen Werkzeuge zur Armutsbekämpfung nicht weit genug. „Klar ist, ist dass die die Kosten immer höher und die Anzahl der Betroffenen steigen werden.“ Daher müsse man müsse die Menschen im Auge behalten, die momentan an der Grenze zur Armut lebten, sogenannte Aufstocker, und ihnen Alternativen anbieten.

Über dieses Thema hat auch der "aktuell bericht" am 06.04.2022 berichtet.

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