Jeanne Dillschneider (Grüne) (Foto: Klaus Pliet/SR)

Jeanne Dillschneider ist Spitzenkandidatin der Saar-Grünen

Roswitha Böhm   17.07.2021 | 21:33 Uhr

Die Sprecherin der Grünen Jugend Saar, Jeanne Dillschneider, ist neue Spitzenkandidatin der Saar-Grünen für die Bundestagswahl. Sie wurde mit 65 Prozent der Stimmen auf Listenplatz Eins gewählt.

Dillschneider wurde beim Parteitag der Saar-Grünen in der Saarlandhalle am Samstag mit 56 von 86 der Stimmen auf Listenplatz Eins gewählt. Nach den heftigen Auseinandersetzungen der vergangenen Wochen erklärte sie, sie wolle ihr Mandat nutzen, um die Saar-Grünen wieder zu vereinen.

Interview mit Spitzenkandidatin Jeanne Dillschneider
Video [SR.de, (c) SR, 17.07.2021, Länge: 02:40 Min.]
Interview mit Spitzenkandidatin Jeanne Dillschneider

Dillschneider will versöhnen

In ihrer Bewerbungsrede plädierte die 25-Jährige für Versöhnung. Sie wolle dazu beitragen, die Grabenkämpfe innerhalb der Partei zu beenden. „Wir können zeigen, dass wir diese Krise nicht nur überleben, sondern daran wachsen“, so Dillschneider.

Sie habe damit gehadert, sich noch einmal zur Wahl stellen zu lassen, sagte sie weiter. „Ich will nur kandidieren, wenn wir nicht nur den Status Quo erhalten“. Noch vor wenigen Tagen hatte Dillschneider über die Sozialen Netzwerke erklärt, weder für die Bundestagsliste noch für den Landesvorstand kandidieren zu wollen.

Listenplätze vergeben

Reaktion von Jeanne Dillschneider zu ihrer Wahl
Video [SR.de, (c) SR, 17.07.2021, Länge: 00:36 Min.]
Reaktion von Jeanne Dillschneider zu ihrer Wahl

Bei der vorangegangenen Landeslistenaufstellung am 20. Juni war Dillschneider in einer Kampfabstimmung um Listenplatz Eins gegen Ex-Parteichef Hubert Ulrich angetreten und unterlegen.

Auf Listenplatz Zwei wurde heute Adriano Pitillo, Leiter des Wahlkreisbüros vom derzeitigen grünen Bundestagsabgeordneten Markus Tressel, gewählt. Auf den weiteren Listenplätzen folgen Petra Port, Santino Klos, Andrea Konter und Hendrik von Carlowitz.

Aufforderung an den Landesvorstand

Um dafür zu sorgen, dass die heute gewählte Liste auch eingereicht wird, hat Andrea Schrickel, Fraktionsvorsitzende in der Regionalversammlung, einen Antrag gestellt, der den Landesvorstand dazu auffordert, die Landesliste bis Mitternacht zu unterschreiben und bis spätestens 10 Uhr am kommenden Montag bei der Landeswahlleiterin einzureichen.

Dieser Antrag wurde mit einer großen Mehrheit und bei vier Gegenstimmen und drei Enthaltungen angenommen. Damit die Grünen im Saarland bei der Bundestagswahl per Zweitstimme gewählt werden können, muss die Liste bis zum 19. Juli bei der Landeswahlleitung eingegangen sein, die diese dann prüft.

Erste parteiinterne Stimmen wurden bereits während der Sitzung laut, dass die Listenwahl angefochten werden soll.

Lange in der Schwebe, ob Liste aufgestellt wird

Ob die Listenaufstellung stattfinden soll oder nicht, darüber hatte bis kurz vor Beginn der Wahl Uneinigkeit geherrscht. Während die Delegierten ihre Plätze einnahmen, verteilte Grünen-Mitglied Sebastian Pini ein Flugblatt mit der Aussage: „Die Landesvertreterversammlung wird NICHT stattfinden“, begleitet von Rufen, das seien Fake News.

Pini bezweifelt Rechtmäßigkeit

Noch während der Begrüßung stellte Pini einen Geschäftsordnungsantrag und widersprach – begleitet von etwas Beifall und vielen Buhrufen – der Durchführung der Versammlung. Seine Begründung: Ein einmal abgesagter Parteitag könne rechtlich gesehen nicht noch einmal einberufen werden. „Diese Versammlung ist rechtlich gesehen eine Totgeburt“, so Pini. Er forderte die Delegierten auf, eine Pause einzulegen, um zu klären, ob die Listenaufstellung rechtmäßig sei. Der überwiegende Teil der Delegierten lehnte diese Pause ab.

In einer Gegenrede betonte Stephan Körner, die von Pini angeführten Argumente seien aus seiner Sicht „absolut nicht zutreffend“. Die Veranstaltung sei nicht wirksam abgesagt worden. „Ich halte es für politisch unerhört, den Wählern versagen zu wollen, die Partei, die sie wählen möchten, wählen zu dürfen und zu können“, so Körner.

Bei der Listenaufstellung waren die Delegierten aus Saarlouis ausgeschlossen. Das Bundesschiedsgericht der Grünen hatte geurteilt, dass diese nicht teilnehmen dürfen, da es Unregelmäßigkeiten bei der Delegiertenwahl gegeben habe. Der Ortsverband Saarlouis, dessen Vorsitzender Ex-Parteichef Hubert Ulrich ist, macht rund ein Drittel der Delegierten aus.

Wahl der Direktkandidaten

Am Samstagvormittag wurden in der Saarlandhalle bereits die Direktkandidaten der einzelnen Wahlkreise gewählt. Für den Wahlkreis Saarbrücken wurde Prof. Gerhard Wenz, für Saarlouis Ute Lessel, für St. Wendel Uta Sullenberger und für Homburg Maria-Louise Herber aufgestellt.

Bundesvorstand griff ein

Nachdem der amtierende Landesvorstand der Saar-Grünen die Listenwahl am Freitag mit Verweis auf ein Eilurteil des saarländischen Landesschiedsgerichtes abgesagt hatte, hatte sich der Bundesvorstand eingeschaltet.

"Totales Chaos bei den Saar-Grünen ist noch ein Euphemismus"
Audio [SR 3, Michael Friemel / Janek Böffel, 17.07.2021, Länge: 04:01 Min.]
"Totales Chaos bei den Saar-Grünen ist noch ein Euphemismus"
Für die Saar-Grünen endet am Montag die Frist zu Einreichung der Kandidatenliste. Derzeit blickt niemand mehr durch, ob es noch eine neue Liste geben wird, ob vielleicht die alte Liste doch noch kommt oder ob die Grünen es bis Montag gar nicht mehr schaffen und somit im Saarland mit der Zweitstimme nicht mehr gewählt werden können.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 17.07.2021 berichtet.

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