Uniklinik Homburg (Foto: SR)

Sonderermittler wirft Klinikleitung "pflichtwidriges Verhalten" vor

Thomas Gerber   27.10.2020 | 16:45 Uhr

Der von der Staatskanzlei eingesetzte Sonderermittler Harald Schnur hat die im Zusammenhang mit dem mutmaßlichen Missbrauchsskandal an der Uniklinik in Homburg (UKS) erhobenen Vorwürfe weitgehend bestätigt. Der ehemalige Kripochef ist am Dienstag im Untersuchungsausschuss des Landtags vernommen worden und warf der Klinikleitung teilweise pflichtwidriges Verhalten vor.

Schnur bestätigte, dass sowohl die Leitung der Kinder- und Jugendpsychiatrie als auch der UKS-Vorstand sehr viel früher hätten reagieren müssen - nicht erst Ende 2014, als sie Strafanzeige gegen den inzwischen verstorbenen Assistenzarzt Matthias S. erstattet hatten. Lange zuvor habe es Hinweise gegeben, denen kaum nachgegangen worden sei. Spätestens 2011, als ein anonymes Schreiben vermutlich eines Insiders eingegangen sei, hätte das aber konsequent geschehen müssen.

Video [aktueller bericht, 27.10.2020, Länge: 2:54 Min.]
Sonderermittler stellt seine Ergebnisse zu den Missbrauchsvorwürfen vor

Alleinbehandlungsverbot ohne Kontrollen verhängt

In dem Schreiben war der Verdacht geäußert worden, dass S. pädophil sei und dass er medizinisch nicht notwendige körperliche Untersuchungen im Genitalbereich seiner Patienten durch geführt habe. Zudem soll er Jungen mit nachhause und sie dort betreut haben.

Statt Mitarbeiter zu befragen oder die Staatsanwaltschaft einzuschalten, hätten UKS-Vorstand und Klinikleitung lediglich oberflächlich reagiert. So sei ein Alleinbehandlungsverbot verhängt worden, das dann nicht kontrolliert worden sei. Dass der Vorstand weder den Aufsichtsrat noch das Ministerium über die Vorwürfe gegen den Assistenzarzt informiert hatte, hält der Sonderermittler für pflichtwidrig.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 27.10.2020 berichtet.

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