Religion als Heimat: Burhan Yagci

Heimat und Religion

SR-Sommerinterview mit Burhan Yagci, Muslimische Gemeinde Saarland e.V.

  27.07.2018 | 07:00 Uhr

Was ist Heimat? Diese Frage ist im Sommer 2018 so aktuell, wie selten zuvor. Längst ist eigene Identität nicht mehr nur ein privates Gefühl, sondern auch eine politische Dimension geworden. In Berlin kümmert sich ein eigenes Ministerium darum, was Heimat ausmacht und wie sie zu schützen ist – und auch Populisten benutzen das Schlagwort als Kampfbegriff. In dieser Situation fragen die SR-Sommerinterviews: Was macht Heimat wirklich aus? Wie definieren Menschen im Saarland ihre Identität? Und kann man sich abgrenzen, ohne andere auszugrenzen?

Burhan Yagci  (Foto: Pasquale D'Angiolillo)
Burhan Yagci

Im zweiten Teil der SR-Interviewreihe spricht Michael Schneider mit Burhan Yagci von der Muslimischen Gemeinde Saarland e.V. in Sulzbach, einer von mehreren muslimischen Vereinigungen im Saarland. Für den streng konservativen Muslim ist die eigene Identität ganz untrennbar auch mit der eigenen Religion, dem Islam, verbunden. Sie definiere auch sein Leben und seine Wirklichkeit, so Burhan Yagci. „Dass ich meinen Schöpfer kenne, ihn auch anbete und die Riten praktiziere, ist ein großer Bestandteil in meinen Leben.“

Eine neue Moschee als neue Heimat?

Die Gemeinde von Burhan Yagci baut in Sulzbach gerade die Alte Post zu einer Moschee um. Bis zum Jahresende wolle man fertig sein. In den vergangen Monaten hat der Bau viel Widerstand hervorgerufen, es gab Demonstrationen und den Versuch, den Bau zu verhindern. Burhan Yagci stammt selber aus Sulzbach, der Ort ist für ihn seine Heimat. Mit dem Moscheeneubau wolle man der ständig wachsenden Gemeinde eine neue größere Heimat bieten. Die Gemeinde wird dem Salafismus zu geordnet, einer besonders konservativen Strömung des Islams. Der saarländische Verfassungsschutz hat die Gemeinde beobachtet, jedoch zuletzt immer wieder auch öffentlich erklärt, dass von der Gemeinde keine Gefahr ausgehe, da sie den Gewaltweg komplett ablehne.

Video [aktueller bericht, 27.07.2018, Länge: 5:26 Min.]
SR Sommerinterview „Heimat“ 2

"Protest aus Unwissenheit"

Ganz grundsätzlich kann Burhan Yagci verstehen, dass einige Sulzbacher den Bau der Moschee kritisch sehen. Vielleicht auch weil für sie hier etwas Fremdes in der eigenen Heimat entsteht. Entscheidend, so Yagci, sei daher Aufklärung: „Ich denke die Hauptursache für die Kritik an den Muslimen und an der neuen Moschee ist die Unkenntnis. Vom Islam und auch von uns. Dass man einfach Angst vor dem Fremden hat.“ Der streng konservative Muslim respektiert das, ist aber auch davon überzeugt, dass sich zum Teil der Protest und die Diskussion um die neue Moschee in der Alten Post inzwischen gelegt hätten.

Burhan Yagci zum Thema Heimat
Audio [SR 2, Michael Schneider, 28.07.2018, Länge: 11:11 Min.]
Burhan Yagci zum Thema Heimat

Eigene Identität und Lebensweise nicht ändern

Burhan Yagci und seine Gemeinde stehen für eine besonders konservative Ausprägung des Islam. Frauen sind demnach in der Öffentlichkeit kaum präsent und sollen sich bedeckt halten. Die Regeln des Islam werden streng eingehalten. Dass das etwa von Nicht-Religiösen-Mitmenschen kritisiert werde, kann Yagic akzeptieren. Anpassen oder seine eigene Identität und Lebensweise ändern wolle er aber nicht. Schließlich gelte in Deutschland Meinungs- und Religionsfreiheit, so der Gemeindevorsitzende. Man sei nicht bereit, die eigene Persönlichkeit zu verändern, nur weil es anderen nicht passt. Ziel für den Sulzbacher ist ein gleichberechtigtes Nebeneinander aller Religionen im Ort. Heimat für alle – das sei möglich. 

Die SR-Sommerinterviews 2018
Die SR-Sommerinterviews: Was ist Heimat?
Was ist Heimat? Eine auf den ersten Blick ganz simple Frage, die doch gar nicht so einfach zu beantworten ist. In anderen Sprachen gibt es nicht einmal ein Wort dafür. Ist Heimat ein Ort, eine Region oder ein Land? Oder ist Heimat einfach nur ein sehr persönliches Gefühl ohne eine konkrete Ortsangabe? In Berlin kümmert sich seit vergangenem Jahr sogar ein eigenes Ministerium darum, was Heimat ausmacht und wie sie zu schützen ist.

Sendetermine

Freitag, 3. August: Francois Villeroy de Galhau, französischer Notenbankchef

Freitag, 10. August: Tobias Hans (CDU), Ministerpräsident

Ausschnitte der Interviews sehen Sie im SR Fernsehen, auf SR.de erscheint das komplette Interview als Video. SR2 Kulturradio sendet die Sommerinterviews samstags im Interview der Woche, außerdem auszugsweise in Hörfunkbeiträgen.


Der Interviewer


Michael Schneider (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Michael Schneider

studierte Medienwissenschaft und Niederlandistik in Marburg und Journalismus in Mainz. Sein journalistisches Volontariat absolvierte er beim SR. Heute arbeitet er in der Programmgruppe Aktuelle Landesinformation des SR Fernsehens. Er produziert Beiträge für den aktuellen bericht, vor allem über die Themen Landespolitik, Europa und Frankreich.