Michael Schneider mit Ulrich Heintz (NABU) im SR-Sommerinterview (Foto: SR)

Beim Klima in die Pötte kommen

Michael Schneider / Onlinefassung: Anne Staut   19.07.2019 | 06:00 Uhr

Die Naturschutzverbände im Saarland drängen auf schnellere Maßnahmen zum Klimaschutz. Der Vorsitzende des Nabu Saarland Heintz forderte im SR-Sommerinterview Politik und Wirtschaft zum Handeln auf.

Das Waldstück bei Stennweiler sieht aus, als wäre es nicht mehr zu retten: Kahle, abgestorbene Bäume, zerfressen vom Borkenkäfer. "Wahrscheinlich war der letzte Sommer verantwortlich dafür", erklärt Ulrich Heintz vom Naturschutzbund Saarland. Die Hitze hätte den Bäumen geschadet und die schnelle Ausbreitung der Borkenkäfer gefördert.

Beim Klima in die Pötte kommen
Video [SR.de, (c) SR, 19.07.2019, Länge: 13:55 Min.]
Beim Klima in die Pötte kommen

Für Heintz ist das eine indirekte Folge des Klimawandels: Wenn es wärmer und trockener werde, dann machten sich eben neue Arten breit. Aus ökologischer Sicht sei das ein natürlicher Prozess, Sorgen mache nur das Tempo. "Es gibt Arten, denen genügt die Zeitspanne eben nicht, sich daran anzupassen und darauf zu reagieren." An Klimadaten aus dem Saarland lasse sich klar ablesen, dass sich der Prozess stark beschleunigt habe.

Heintz sieht Handlungsbedarf

Deshalb müsse sich auch der Mensch anpassen – vor allem in seinem Nutzungsverhalten. Die Forstwirtschaft etwa müsse sich langfristig umstellen. Hier sind für Heintz auch Politik und Wirtschaft in der Verantwortung, neue Rahmenbedingungen zu schaffen.

Gut sei, dass das Thema mittlerweile so breite Aufmerksamkeit erfährt. Ausdrücklich lobt Heintz dabei auch die Rolle der Freitagsdemonstrationen: "Großartige Geschichte", findet er. Vor allem die Art und Weise, wie die jungen Leute konkrete Antworten von der Politik fordern. "Sie haben sich ein Handwerkszeug zurecht gelegt, dass sie sagen: Erzähl mir nicht, was du großartig alles vorhast, sondern sag mir, was du tun willst."

Video [aktueller bericht, 19.07.2019, Länge: 4:03 Min.]
SR-Sommerinterview mit NABU-Chef Ulrich Heintz

Vorsichtig optimistisch

Der Nabu selbst habe es allerdings noch nicht geschafft, daraus Profit zu schlagen und die jungen Klimademonstranten in seine Strukturen einzubinden. Hier bestehe Nachholbedarf. Die Jugendabteilung des Nabu Saar arbeite dabei gerade an Konzepten. Eine Aufgabe, vor der auch die Naturschutzverbände in den kommenden Jahren stehen werden. Das Umdenken habe begonnen, so Heintz.

Was die Natur im Saarland angeht, ist seine Zukunftsprognose vorsichtig optimistisch: Es werde wärmer werden, und auch mit Starkregenereignissen müsse häufiger gerechnet werden. Noch bleibe aber Zeit, sich darauf einzustellen. "Wir tun gut daran, schnell in die Pötte zu kommen mit verschiedenen Handlungssträngen, die zu erarbeiten sind!"


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Über dieses Thema wurde auch in den SR-Hörfunknachrichten vom 19.07.2019 berichtet.