Ein junge Frau liegt in einer Sonnenbank (Foto: dpa/Felix Kästle)

Behörden verteidigen "Recht auf Selbstschädigung"

  05.02.2020 | 13:05 Uhr

Künstliches Sonnenlicht steigert das Hautkrebs-Risiko enorm, sagt die Deutsche Krebshilfe - und fordert ein bundesweites Solarienverbot. Der saarländische Vertreter des Dermatologenverbandes hält das für unrealistisch. Er mahnt stattdessen schärfere Kontrollen an.

Ein brauner Teint gilt vielen als erstrebenswert. Für die Deutsche Krebshilfe handelt es sich dabei jedoch nicht um ein Attraktivitätsmerkmal, sondern um einen „Hilfeschrei der Haut“. Die Hautbräune sei lediglich eine Schutzreaktion – auch gegen die künstliche UV-Strahlung, der sich Besucher von Sonnenstudios freiwillig aussetzen.

Weil diese ein hohes Krebsrisiko darstelle, fordert die Organisation ein bundesweites Verbot von Solarien. Seit 2009 gibt es in Deutschland bereits ein Nutzungsverbot für Minderjährige. Doch dieses werde bisher völlig unzureichend eingehalten, beklagt die Krebshilfe. Auch darum müsse das Verbot ausgeweitet werden.

Fürsorgepflicht nur gegenüber Minderjährigen

Dem zuständigen Bundesumweltministerium geht diese Forderung zu weit. Ein vollständiges Verbot von Solarien verstoße gegen das im Grundgesetz verankerte Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit - das auch ein Recht auf Selbstschädigung beinhalte. Die staatliche Fürsorgepflicht gehe nur gegenüber Minderjährigen so weit, dass sie mit einem Verbot vor den Gesundheitsgefahren künstlicher UV-Strahlung geschützt werden müssen.

So sieht das auch Dr. Micha Meeth, der saarländische Landesvorsitzende des Dermatologenverbandes BVDD. „Einem Erwachsenen lässt sich das nicht verbieten. Es kann auch nicht das Anliegen sein, eine ganze Branche zu verbieten.“ Wichtiger sei es, die bestehenden Gesetze konsequent anzuwenden. Die Kontrollen zum Schutz der Minderjährigen etwa würden zu lasch durchgeführt.

Ministerium setzt auf Information

Im Saarland überwacht das Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz (LUA), ob die Sonnenstudios die gesetzlichen Vorgaben einhalten. Es konnte bislang keine Verstöße gegen das Nutzungsverbot von Minderjährigen feststellen. Die Überprüfungen beschränkten sich laut den Angaben allerdings darauf, ob in den Studios der vorgeschriebene Aushang: „Benutzung von Solarien für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren verboten!“ vorhanden war.

Eine hundertprozentige behördliche Überwachung aller Solarien sei ohnehin nicht möglich, räumt das Amt ein. Das Verbraucherschutzministerium setzt darum auf Information. Im Internet hat es eine Broschüre mit „Hinweisen für Solariennutzer“ veröffentlicht.

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