Schülerinnen und Schüler einer sechsten Klasse einer Schule warten in ihrem Klassenzimmer auf den Unterrichtsbeginn.  (Foto: picture alliance/dpa | Gregor Fischer)

Kontroverse über Schulöffnungspläne

  10.03.2021 | 15:48 Uhr

Die Ankündigung von Bildungsministerin Streichert-Clivot, nach Ostern die Schulen möglichst komplett zu öffen, hat kontroverse Reaktionen hervorgerufen. Während SLLV, GEW und Philologenverband das "Vorpreschen" kritisieren, kommt grundsätzliche Zustimmung von der Arbeitskammer und der Landeselterninitiative.

Der Saarländische Lehrerinnen- und Lehrerverband (SLLV) hat die Pläne von Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD), die Schulen schon nach Ostern möglicherweise komplett zu öffnen, scharf kritisiert. Erneut seien alle Beteiligte von der Ankündigung "überrumpelt" worden. Streichert-Clivot hatte am Dienstag in der Landespressekonferenz gesagt, dass sie nach den Osterferien einen Regelbetrieb statt Wechselunterricht an den Schulen anstrebe - sofern es das Pandemiegeschehen zulasse.

SLLV: Vermessen und unfair den Schulleitungen und Lehrkräften gegenüber

Aus Sicht des SLLV würden damit Erwartungen bei Schülern und Eltern geweckt - die dann in Frustration umschlagen, wenn die Ankündigungen nicht umgesetzt werden könnten. Bereits vergangene Woche habe die Ministerin zurückrudern und den angekündigten Wechselunterricht für alle Klassenstufen revidieren müssen, so Brausch.

Jetzt erneut "den zweiten Schritt vor dem ersten" zu machen, hält der SLLV für "vermessen und unfair den Schulleitungen und Lehrkräften gegenüber". Es seien noch nicht einmal alle Klassen zumindest im Wechselunterricht, zudem seien die Auswirkungen der bisherigen Öffnungsschritte auf die Fallzahlen noch nicht evaluiert.

GEW will verlässliche Angaben

Ähnlich äußerte sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Auch für sie kommt die Ankündigung zu früh - zudem sei die Aussage "in Abhängigkeit vom Infektionsgeschehen" zu vage. Die Gewerkschaft fordert stattdessen klare und verlässliche Angaben, was unter welchen Bedingungen möglich wird - etwa orientiert an bestimmten Inzidenzgrenzwerten.

Kritik kommt auch vom Philologenverband. Der Vorstoß der Ministerin werfe mehr Fragen auf, als er beantworte. "Kryptische Hinweise" auf das Infektionsgeschehen und der Verweis auf Studien aus anderen Ländern reiche nicht als Grundlage für eine "vertrauenswürdige Politik".

Auf Kritik bei allen stößt, dass es vorerst kein Impfangebot für Lehrkräfte an weiterführenden Schule gibt. Die sind weiterhin in der dritten Priorisierungsgruppe, während Lehrkräfte an Grundschulen und Erziehungspersonal in Kitas in die zweite Gruppe hochgestuft wurden.

Arbeitskammer und Landeselterninitiative begrüßen Pläne

Die Arbeitskammer begrüßte die Öffnungsperspektive - der Präsenzunterricht sei auf so lange Zeit nicht durch einen Fernunterricht zu ersetzen. Allerdings dürfe das Infektionsgeschehen natürlich nicht aus den Augen gelassen werden. Deshalb müsse an den Schulen alles dafür getan werden, um das Infektionsrisiko im Präsenzbetrieb weitgehend zu reduzieren.

Auch die Landeselterninitiative für Bildung bewertet die Ankündigung positiv. Es sei richtig, bereits jetzt mit der Arbeit an den Plänen für eine Rückkehr zum Präzenzunterricht nach den Osterferien zu beginnen und so verschiedene Optionen haben, um auf die heute noch nicht absehbaren Infektionszahlen vorbereitet zu sein.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 10.03.2021 berichtet.

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