EinTraktor auf einem Feld (Foto: SR)

Saar-Landwirte testen selbstfahrende Traktoren

Herbert Mangold / Onlinefassung: Axel Wagner   17.10.2018 | 19:56 Uhr

Selbstfahrende Fahrzeuge sind ein Zukunftsthema, und das nicht nur auf der Straße. Auch in der Landwirtschaft wird damit experimentiert. Am Mittwoch wurde in Perl-Borg ein Pilotprojekt gestartet, das prüfen soll, wie selbstfahrende Traktoren im Saarland in der Praxis eingesetzt werden können.

Mit über zehn Stundenkilometern fährt das 240 PS-Gefährt über das Feld von Stephan Rauen in Perl-Borg. Der saarländische Satelittenpositionierungsdienst SAPOS sorgt für zentimetergenaues Fahren. Das spart 15 Prozent Wegstrecke ein. "Ich habe mehr Effizienz und mehr Effektivität in der ganzen Sache", sagt Landwirt Rauen. "Ich habe Betriebsmitteleinsparungen und brauche weniger Dünger und Pflanzenschutz."

Im Prinzip funktioniert die Steuerung beim Traktor ähnlich wie bei einem Autonavigationsgerät. Aber die sind viel zu ungenau. Das rund 10.000 Euro teure Cockpit greift deshalb auf die Empfangsdaten des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation zurück. Die sind zehn- bis einhundertmal präziser als das, was der Autofahrer bekommt.

Video [aktueller bericht, 17.10.2018, Länge: 3:24 Min.]
Selbstfahrende Traktoren auf saarländischen Feldern

SAPOS verbessert Navigationsdaten

"Um diese Genauigkeit zu steigern und auch die Verfügbarkeit zu haben, benutzen wir mehrere Satellitensysteme wie das amerikanische GPS, das russische System Glonass oder das europäische Galileo", erklärt Michael Müller vom Landesamt für Vermessung und Geoinformation. "Durch unseren Dienst SAPOS erreichen wir höhere Genauigkeiten in der Positionierung. So bekommen wir auch ein bis zwei Zentimeter hin."

Insgesamt gibt es im Saarland sechs Stationen, die die ungenauen Daten der Satelittensysteme korrigieren und an die Bauern verschicken. Diese Empfangsanlagen sind Teil eines deutschen und eines europäischen Netzwerkes.

Nichts für die Straße

Zwar gebe es schon andere Bundesländer, die ein solches System testen, so Agrarminister Reinhold Jost (SPD), das seien aber weniger als die Hälfte. "Das hängt auch mit der Weiterentwicklung, dem technischen Fortschritt und Standards zusammen. Wir haben im Saarland halt keine großen Schläge wie im Osten Deutschlands. Hier ist es die kleinteilige Landwirtschaft, und je genauer die digitalen Hilfsmittel sind, umso mehr hilft es auch unseren Landwirten hier im Saarland."

Das zweijährige Pilotprojekt ist nur der Anfang der Landwirtschaft 4.0. Die Arbeit auf Feld werde sich stark verändern, ist sich Landwirt Rauen sicher. "Die Zukunft wird so sein, dass man sein Programm für die Feldbearbeitung zuhause am Rechner komplett herstellt, und der Traktor fährt ohne jede Person." Allerdings wird es die autonomen Traktoren nach Einschätzung des Landwirtes nicht so schnell auf der Straße geben. "Da funktioniert dieses System auch nicht." Es brauche fest vorgegebene Flächen, die man dann abfahren könne, auf öffentlichen Straßen gehe so etwas gar nicht.

Über dieses Thema wurde auch im "aktuellen bericht" vom 17.10.2018 berichtet.

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