Schweine im Stall (Foto: Imago/Mochet M/Andia.fr)

Schweinehaltung im Saarland ist stark rückläufig

Daniel Dresen   03.04.2021 | 08:28 Uhr

Die Zahl der Betriebe, die im Saarland Schweine halten, hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als halbiert. Als Gründe nennt die Landwirtschaftskammer die schwierigen Standortbedingungen und hohe Kosten im Saarland.

Im Land, wo Schwenkbraten und Lyoner Kultstatus genießen, ist die Zahl der Betriebe, die Schweine halten, im Zeitraum von 2010 bis 2020 um rund 51 Prozent gesunken. Statt 140 Betrieben sind laut Landwirtschaftszählung im Saarland nur noch 68 in der Schweinehaltung tätig.

Rund zwölf davon können nach Auskunft des Präsidenten der Landwirtschaftskammer, Franz-Josef Eberl, von der Schweinehaltung leben. Eberl ist einer von ihnen. Der Präsident hält 600 Mastschweine im St. Ingberter Stadtteil Hassel.

Eberl und die Kammer kennen die Hintergründe für diese in ihren Augen "dramatische" Entwicklung in der Schweinehaltung. "Das Saarland hat keine Infrastruktur mehr für die Schweineproduktion. Es fehlen Schlachthöfe, Tierärzte, Berater und Firmen. Alle sind wegen Kostenvorteilen in den Schweinhochburgen in Nordwestdeutschland konzentriert", sagt Robert Zimmer, Direktor der Landwirtschaftskammer Saarland.

Deutlich weniger Schweine im Saarland

Die meisten Betriebe hätten im Zuge des Generationswechsels die Schweinehaltung aufgegeben, so Zimmer. Ein Wechsel in andere Tierhaltungen sei sehr selten. Die Mehrzahl der ehemaligen Schweinehalter im Saarland würde heute viehlos wirtschaften – oft im Nebenerwerb. Andere hätten die Landwirtschaft ganz aufgegeben.

Die Zahl der gehaltenen Schweine ist zwischen 2010 und 2020 sogar um rund 75 Prozent gesunken. Dabei gehörte das Saarland von 1970 bis 2000 zu den Hochburgen der Ferkelerzeugung. "Vor allem spezialisierte Schweinehalter mit größeren Beständen geben auf. Kleinsthalter bleiben übrig, bei denen die Wirtschaftlichkeit nicht im Vordergrund steht", erklärt Zimmer den Schweine-Schwund.

Weniger als 3000 Tiere werden derzeit noch im Saarland gehalten. Um den Bedarf an Schweinefleisch im Saarland zu decken, muss laut Kammer 99 Prozent des hierzulande konsumierten Schweinefleischs aus anderen Bundesländern und dem Ausland eingeführt werden.

Wichtiges deutsches Exportgut

Nach der Milcherzeugung gilt die Schweinehaltung als der zweitwichtigste Betriebszweig der Landwirtschaft in Deutschland. Doch auch im Bund hält der Negativtrend an: Bundesweit ging die Zahl der Schweinehalter nach Angaben des Statistischen Bundesamts zwischen 2010 und 2020 um 39 Prozent zurück. Die Zahl der Schweine im Bund sank jedoch vergleichsweise nur leicht um 3,9 Prozent – ein Beleg, dass sich der Großteil der Schweinehaltung bundesweit auf einige wenige Großbetriebe immer stärker konzentriert.

Weltweit zählt die Bundesrepublik zu den wichtigsten Exporteuren von Schweinefleisch. Insgesamt wurden in den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres 870.700 Tonnen Schweinefleisch im Wert von 2,4 Milliarden Euro exportiert. China war dabei der größte Abnehmer. Die Corona-Pandemie und die Afrikanische Schweinepest hielten die deutschen Schweinehalter allerdings in Atem.

Standortnachteile im Südwesten

Das Saarland verlassen hingegen nur wenige Schweine. Sie werden laut Landwirtschaftskammer überwiegend vor Ort bei den wenigen selbstschlachtenden Metzgern und bei Direktvermarktern verarbeitet. Nur relativ wenige Tiere würden in rheinland-pfälzischen Schlachtbetrieben landen.

Seit 2017 haben die Metzgereien im Saarland und in Rheinland-Pfalz zudem mit "exorbitant" hohen Entsorgungskosten für Schlachtabfall zu kämpfen, klagt Kammerpräsident Eberl. Das sei ein Standortnachteil gegenüber anderen Bundesländern.

Ebenso würden erhöhte Fleischbeschaugebühren, die bei der Schlachtung anfallen, den Landwirten und Metzgern auf den Magen schlagen. Daher wünscht sich Eberl von der Landespolitik im Südwesten Kostensenkungen.

Weniger Fleisch, aber am meisten Schwein

Auch die Entwicklung des Fleischkonsums in Deutschland bereitet den Haltern Sorgen. Der Pro-Kopf-Verzehr von Fleisch ist laut dem Bundesinformationszentrum Landwirtschaft im vergangenen Jahr mit 57,3 Kilogramm auf ein Rekord-Tief gesunken.

Allein der Konsum von Schweinefleisch ging laut vorläufiger Angaben um 940 Gramm pro Kopf zurück. Dennoch machte der Verzehr von Schweinefleisch mehr als die Hälfte des gesamten Fleischkonsums aus. So aß statistisch jeder Deutsche im vergangenen Jahr fast 33 Kilogramm Schweinefleisch.

Nach Eberls Ansicht haben sich Debatten über die Auswirkungen des Fleischkonsums auf den Klimawandel, Tierwohl und die Arbeitsbedingungen in Schlachtbetrieben negativ auf den Verzehr von Schweinefleisch ausgewirkt.

Talsohle im Saarland wohl erreicht

Weil die Haltungsbedingungen von Mastschweinen umstritten sind, suchen manche Landwirte ihr Glück in der Bio-Schweinehaltung. Nach Auskunft der Landwirtschaftskammer sind derzeit acht saarländische Schweine-Produzenten in der Bio-Landwirtschaft tätig. "Doch die Haltung von Bio-Schweinen ist relativ teuer, weil Bio-Futter erzeugt oder besorgt werden muss. Außerdem muss der Stall entsprechend ausgestaltet werden", sagt Eberl.

Ob Bio- oder Masthaltung, der Präsident der Landwirtschaftskammer, vermutet, dass nach dem langjährigen Negativkurs die Talsohle in der saarländischen Schweinehaltung erreicht ist. "Die Direktvermarkter und Metzgereien, die sich um Qualität und Herkunft Gedanken machen, werden sich halten. Als im Prinzip Feinkostproduzenten haben wir eine Chance im Segment", so Eberl.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 03.04.2021 berichtet.

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