Äpfel für Schüler (Foto: imago/Pressefoto Kraufmann&Kraufmann)

Saarland bringt Kinder auf den Geschmack von Obst und Gemüse

Katja Sponholz / dpa   08.01.2019 | 11:04 Uhr

Die EU hat die Förderung für das saarländische Schulobstprogramm in den vergangenen Jahren drastisch gesenkt. Kinder kommen trotzdem in den Genuss der kostenlosen Obst- und Gemüselieferung.

Am Morgen hat es zu Hause noch eine süße Milchschnitte zum Frühstück gegeben, doch jetzt knabbert die achtjährige Ella (Name geändert) genüsslich an einem Apfel. „Lecker! Ist auch viel gesünder!“, sagt sie - und ihre Mitschüler aus der dritten Klasse der Grundschule Reinheim nicken eifrig. Immer wieder greifen sie in die Dose mit klein geschnittenem Obst, die ihnen Rektorin Susanne Albrecht hinhält. Noch bleiben Bananenstücke und Mandarinen erst einmal übrig, doch bis zum Mittag, so ist die 53-Jährige optimistisch, wird wohl alles vertilgt sein. Das ist jedenfalls das Ziel.

Schließlich hat sich die Schule schon seit Langem auf die Fahnen geschrieben, die Kinder zu einer gesunden Lebensweise zu motivieren. Und für dieses Vorhaben gibt es viel Unterstützung: Nicht nur von den Ehrenamtlichen, die morgens das Obst und Gemüse klein schneiden und für die acht Klassen verteilen, sondern auch vom Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz. Mehr als eine halbe Million Euro stellt das Saarland allein in diesem Schuljahr für das Schulobst- und Gemüseprogramm zur Verfügung. Und damit rund 480.000 Euro mehr als noch zum Start vor neun Jahren. Knapp 27.000 Kinder und Jugendliche kommen in diesem Schuljahr in den Genuss des kostenlosen Angebotes.

Jost erhofft sich positive Auswirkungen

Gerade vor dem Hintergrund, dass die Europäische Union ihre finanzielle Förderung in den vergangenen vier Jahren nahezu halbiert hat, freut sich Verbraucherschutzminister Reinhold Jost (SPD), dass es dennoch gelungen sei, das Programm für 250 saarländische Schulen und Kitas anzubieten. „Ernährungsbildung ist uns wichtig. Und es ist bekannt, dass Essgewohnheiten im Kindesalter geprägt werden.“ Deshalb sei das Land zu diesem „finanziellen Kraftakt“ bereit. „Unabhängig davon, wie viel Geld die EU künftig dazugeben wird: Wir werden das jetzt erreichte hohe Förderniveau beibehalten“, sagte Jost der Deutschen Presse-Agentur.

Bei dem Bemühen, Kinder auf den Geschmack von frischem Obst und Gemüse zu bringen, ist das Saarland nach eigenen Angaben führend. 2009 habe es als erstes Bundesland das EU-Programm flächendeckend eingeführt und seitdem kontinuierlich die Zahl der teilnehmenden Schulen gesteigert. Ergänzt wird das Programm durch vorgeschriebene begleitende Maßnahmen wie Informationsmaterialien, Unterrichtseinheiten, Besuche auf dem Bauernhof und bei Obstanbaubetrieben.

Die Grundschule Reinheim ist von Beginn an dabei. „Wenn man so etwas hört, muss man nicht lange überlegen“, blickt die Rektorin zurück. „Da greift man einfach zu!“ Im wahrsten Sinne des Wortes. Jede Woche werde die Schule von einem regionalen Anbieter aus St. Ingbert mit Kisten voll Obst und Gemüse beliefert - mit einem Angebot, das „kunterbunt gemischt“ sei. Laut Ministerium zählen Äpfel und Bananen ebenso wie Kiwis und Stachelbeeren, Karotten, Paprika und Radieschen zum Speiseplan.

Qualität, Vielfalt, Saisonalität und Regionalität

Besonderer Wert werde hierbei auf Qualität, Vielfalt, Saisonalität und Regionalität der Produkte gelegt. Mindestens 20 Prozent der Ware stammt aus ökologischem Landbau, und die Äpfel sind - soweit lieferbar - aus saarländischer Erzeugung. Doch nicht alles stößt sofort auf Begeisterung bei den Kindern. „Einige wussten vorher zum Beispiel gar nicht, dass man Gemüse auch roh essen kann“, berichtet Albrecht. Doch nur ein einziges Mal in der neunjährigen Geschichte habe es einen Jungen gegeben, der sich partout geweigert habe, frisches Obst oder Gemüse zu essen.

Manchmal bleibt der Rektorin auch nur ein Kopfschütteln, wenn sie sieht, was Eltern den Kindern als „Pausenbrot“ in die Schultasche stecken: „Das Ungewöhnlichste war mal eine Dose Mais“, erinnert sie sich. Kalter Döner werde öfter mitgegeben, und häufig käme es inzwischen auch vor, dass Kinder in die Schule kommen, ohne überhaupt gefrühstückt zu haben. „Das ist schon erschreckend“, sagt sie. „Und wenn Sie mit unterzuckerten Kindern arbeiten sollen, dann ist es einfach schwierig.“ Wenn Kinder Hunger hätten, fehle ihnen auch die Konzentration.

Umso mehr ist die Rektorin dankbar für die Unterstützung des Landes. „Das ist auf jeden Fall sinnvoll investiertes Geld!“, sagt sie. Denn es sei viel leichter, Kinder von Beginn an zu einer gesunden Ernährung anzuhalten, als ihnen später schlechte Gewohnheiten wieder abzugewöhnen. Zudem hätten Studien gezeigt, dass Kinder dadurch später weniger suchtgefährdet seien. Auch ihre Schule hoffe deshalb, mit diesem Programm nachhaltige Wirkung erreichen zu können. Beweise dafür gebe es bei den eigenen Schülern zwar nicht, räumt die Rektorin ein. „Aber wir können zumindest sagen, wir haben es versucht.“

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