Schüler sitzen mit Maske im Unterricht (Foto: dpa/Matthias Balk)

Wechselunterricht startet nicht für alle Klassen

mit Informationen von Janek Böffel   04.03.2021 | 16:58 Uhr

Die weiterführenden Schulen im Saarland werden am kommenden Montag doch nur mit den fünften und sechsten Klassen in den Wechselunterricht starten. Für die übrigen Schüler werde es eine Woche später losgehen, sagte Bildungsministerin Streichert-Clivot (SPD) dem SR.

Der eigentliche und bereits angekündigte Plan von Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) war es, am Montag alle Klassen wieder in den Unterricht zu schicken. Das kommt nun anders. "Wir haben festgelegt, dass wir mit den Fünfern und Sechsern an den Start gehen und dann, wie es Rheinland-Pfalz macht, am 15. März mit allen anderen in den Wechselunterricht starten", sagte die Ministerin dem SR.

Kritik an Streit um Wechselunterricht
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 05.03.2021, Länge: 02:18 Min.]
Kritik an Streit um Wechselunterricht

Zudem sehe sie das Saarland mit Blick auf die Teststrategie gut aufgestellt. Es seien schon über 100.000 Tests an die Schulen verteilt worden, eine weitere Bestellung sei unterwegs.

"Einige Aussagen waren verfrüht"

Dass es nun anders kommt, als ursprünglich von Streichert-Clivot geplant, hat offenbar auch damit zu tun, weil das der CDU zu schnell ging. "Einige Aussagen der vergangenen Woche waren verfrüht", sagte Frank Wagner, bildungspolitscher Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag.

Schulstart nur für die 5. und 6. Klassen
Audio [SR 3, Janek Böffel, 04.03.2021, Länge: 00:46 Min.]
Schulstart nur für die 5. und 6. Klassen

Es sei wichtig, sich an den Regeln in Rheinland-Pfalz zu orientieren und an der stufenweisen Rückkehr zum Wechselunterricht und dem Zeitplan festhalten. Das Bildungsministerium müsse nun die Kommunikation zwischen Lehrkräften, Eltern und Schülern wieder "geraderücken", so Wagner.

Streit zwischen CDU und SPD

In den vergangenen Wochen hatte es teils unverhohlenen Streit zwischen CDU und SPD über das Themen gegeben, nachdem es vergangene Woche keinen Beschluss des Ministerrats zum konkreten Termin gegeben hatte.

Der Fahrplan

Nach aktuellem Stand werden am Montag, 8. März, also erst einmal die fünften und sechsten Klassen sowie die entsprechenden Altersgruppen an den Förderschulen in den Wechselbetrieb starten. Die Schülerinnen und Schüler, die 2022 Abitur machen, werden komplett in der Schule unterrichtet.

Streichert-Clivot: "Wir verschieben den Start in den Wechselunterricht für alle um eine Woche"
Audio [SR 3, Interview: Renate Wanninger, 04.03.2021, Länge: 03:22 Min.]
Streichert-Clivot: "Wir verschieben den Start in den Wechselunterricht für alle um eine Woche"

Gleiches gilt für den Abiturjahrgang 2021, der bis zum Ende des Halbjahres am 12. März die Schule besucht, und für Schülerinnen und Schüler der Gemeinschafts- und Förderschulen, die in diesem Jahr ihren Hauptschul- oder Mittleren Bildungsabschluss anstreben. Sonderregelungen sind für die Oberstufengymnasien und Förderschulen in Abstimmung mit der Schulaufsicht möglich.

Das gilt an Berufsschulen

Für die Berufsschulen gilt, dass die Abschlussklassen der Fachoberschulen und Fachschulen ab dem 8. März in den Wechselunterricht starten. Schülerinnen und Schüler des Abiturjahrgangs bleiben analog zu den Gemeinschaftsschulen und Gymnasien in Vollpräsenz.

Für den Abiturjahrgang 2022 soll es je nach räumlicher Kapazität und in Abstimmung mit der Schulaufsicht Vollpräsenz- oder Wechselunterricht geben. Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen an den Berufsfachschulen (Klasse 11), den Höheren Berufsfachschulen und den Berufsschulen nehmen den Wechselunterricht auf.

Ab 15. März

Eine Woche später sollen dann die restlichen Jahrgangsstufen in den Wechselunterricht einsteigen, auch an den beruflichen Schulen. Die Abschlussklassen für den Hauptschul- und den Mittleren Bildungsabschluss gehen dann laut Ministerium mit den übrigen Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe, die keine Prüfung ablegen, in den Wechselunterricht.

Kritik von Philologenverband und GEW

Philologenverband: "Wir brauchen besonnenes und gut abgestimmtes Handeln in der Bildungspolitik"
Audio [SR 3, Interview: Renate Wanninger, 04.03.2021, Länge: 03:52 Min.]
Philologenverband: "Wir brauchen besonnenes und gut abgestimmtes Handeln in der Bildungspolitik"

Der Saarländische Philologenverband (SPhV) sprach von "verspieltem Vertrauen in die Bildungspolitik". Es sei der Eindruck entstanden, dass man sich auf keine Anordnung wirklich verlassen könne, erklärte Marcus Hahn, Vorsitzender des SPhV. Von einem planvollen Handeln sei man momentan "meilenweit entfernt", so Hahn weiter.

Katja Oltmanns, die Vorsitzende der Landeselternvertretung der Gymnasien, spricht von einem „Kasperletheater“. Dass die Vorbereitungen nun durch die Union einkassiert werden, sei „ein Desaster“.

Auch die Landeselterninitiative für Bildung und der Landesverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sind über die kurzfristige Änderung des Öffnungsplans für die Schulen enttäuscht. „Es darf nicht sein, dass der aktuelle Streit in der Landesregierung um den Wiedereinstieg in den Präsenzunterricht auf dem Rücken der Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler und deren Eltern ausgetragen wird“, sagte die GEW-andesvorsitzende Birgit Jenni. Es seien bereits viele Arbeitsstunden in den jetzt nicht mehr gültigen Plan investiert worden. Die GEW fordert ein umfassendes und verbindliches Gesamtpaket für den Arbeits- und Gesundheitschutz in den Schulen.

Grüne und Linke fordern Strategie

Grünen-Landeschef Markus Tressel warf der Großen Koalition im Saarland einen Machtkampf auf dem Rücken von Schülern, Lehrern und Eltern vor. Es brauche jetzt eine verlässliche Strategie.

Die bildungspolitische Sprecherin der Linken, Barbara Spaniol, sagte dem SR, das sei schon ein peinliches Schul-Chaos. Man erwarte nun ein klares Unterrichtskonzept mit einer funktionierenden Teststrategie.

Über dieses Thema berichteten die SR-Hörfunknachrichten am 04.03.2021.

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