Schüler mit Mundschutz im Unterricht (Foto: picture alliance/Sven Hoppe/dpa)

Schüler und Lehrer müssen mit Einschränkungen leben

Daniel Dresen   12.05.2020 | 16:23 Uhr

Für die Gewerkschaften SLLV und GEW kann mit der teilweisen Rückkehr in den Präsenzunterricht von Schulalltag im Saarland keine Rede sein. Die Gesamtlandeselternvertretung äußert Bedenken bezüglich der Hygienemaßnahmen in den Schulen und fürchtet eine zweite Coronavirus-Infektionswelle.

Die coronabedingte Schulsituation ist für Schüler und Lehrer nicht einfach. Da sind sich der Saarländische Lehrerinnen- und Lehrerverband (SLLV), die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und die Gesamtlandeselternvertretung (GLEV) einig.

Klassenverbund aufgehoben

Seit Montag besucht fast ein Drittel der Schülerschaft im Saarland wieder die Schule. "Zunächst kann man sagen, dass alle Schüler froh waren, wieder in die Schule zu dürfen. Aber gerade bei den Jüngeren konnte man auch eine Verunsicherung feststellen", sagt SLLV-Landesvorsitzende Lisa Brausch. Beispielsweise würden aufgrund der coronabedingten Klassenteilungen, derzeit Schüler nicht von ihrem eigentlichen Klassenlehrer unterrichtet. Die Motivation der Schüler sei ähnlich wie im Homeschooling. "Die Fleißigen waren es auch daheim beim Lernen, andere sind auch jetzt weniger motiviert", so die SLLV-Landesvorsitzende.

Insgesamt seien die Schüler sehr bemüht, die Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten, was ihnen in den Pausen allerdings nicht immer gelinge. Schwierig sei das Abstandhalten auch für die Lehrer. "Die Lehrkraft darf sich den Schülern nicht nähern, um etwas genauer zu erklären", so Brausch. Auch gewohnte Arbeitsformen wie Gruppen- oder Partnerarbeit seien derzeit nicht möglich. Die älteren Schüler störe zudem die ständige, verschärfte Aufsicht auf dem Schulgelände.

Streitpunkt Maskenpflicht

"Unseres Erachtens verlief die Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts weitgehend unproblematisch", sagt Carsten Kohlberger, GEW-Fachgruppenvorsitzender der Beruflichen Schulen im Saarland. Auffällig sei, dass besonders die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln während der Pausenzeiten die Lehrkräfte vor Herausforderungen stellt. Die strikte Auslegung der Maskenpflicht im Freien stoße oft auf Unverständnis bei den Lernenden. Viele Schüler müssten mental aufgebaut und für die anstehenden Prüfungen motiviert werden.

Im Homeschooling seien viele Schüler quasi untergetaucht und für Lehrer nicht oder nur sehr schwer erreichbar gewesen, kritisiert der Saar-GEW-Geschäftsführer Willi Schirra. Vielen Eltern fehle zudem das nötige Know-how, um ihre Kinder sachgerecht zu unterstützen. Wer in Zeiten von Homeschooling zuhause nicht über die notwendige technische Ausstattung oder ein lernförderliches häusliches Umfeld verfüge, werde abgehängt, so die GEW-Vertreter. Insbesondere Schüler aus strukturschwachen Elternhäusern seien benachteiligt.

Da die Lehrkräfte nicht nur in den Schulen Präsenz zeigen, sondern für die restlichen Schüler das Homeschooling verantworten, sei die Situation auch für viele Lehrer "belastend" und "herausfordernd".

Kapazitäten gering

Im Grenzbereich ist bereits das Neunkircher Gymnasium am Steinwald. "Seit Montag sind alle Schüler der Jahrgangsstufe 11 wieder verpflichtend in der Schule, zusammen mit den Abiturienten sind wir räumlich unter den Vorgaben des Hygieneplans allerdings am Limit", verrät der stellvertretende Schulleiter Sascha Schlicker. Die Räume seien im Vorfeld so präpariert, dass nur eine Höchstzahl von Personen abhängig von der Raumgröße und unter dem notwendigen Mindestabstand anwesend sein können. Da auch Pausenräume hergerichtet werden mussten, sei die Kapazität an zur Verfügung stehenden Räumen nahezu aufgebraucht.

Große Bedenken äußert derweil die Gesamtlandeselternvertretung (GLEV) hinsichtlich der Hygienemaßnahmen in den Schulen. Laut der stelltvertretenden GLEV-Vorsitzenden Katja Oltmanns befürchten die Eltern eine zweite Coronavirus-Infektionswelle. Außerdem äußern Mütter und Väter den Wunsch nach einer einheitlichen Planung und Kommunikation seitens der Schulen, wie die Beschulung bis zu den Sommerferien umgesetzt werden soll. Viele Eltern seien bedingt durch Beruf, Beschulung und Betreuung ihrer Kinder am Limit. Homeschooling sei "eine Ersatzlösung mit deutlichem Verbesserungspotenzial", aber keine "gewünschte Dauerlösung".

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