Schüler steigen aus einem Zug aus (Foto: SR Fernsehen)

Schüler kritisieren Vlexx wegen zu voller Züge

Julia Berdin / Onlinefassung: Axel Wagner   01.10.2020 | 20:48 Uhr

Schüler der Montessori-Gemeinschaftsschule in Friedrichsthal kritisieren das Zugunternehmen Vlexx. Sie beklagen, dass wichtige Züge zuletzt öfter ausgefallen, und die Züge zudem sehr voll seien.

Morgens, kurz vor 8.00 Uhr am Bahnhof Friedrichsthal: Der Zug ist für die meisten Schüler das einzige Verkehrsmittel, um zur Gemeinschaftsschule zu kommen.  Damit nicht alle 200 Schüler gleichzeitig in einem Zug sitzen, sondern sich auf mehrere Verbindungen verteilen, hat die Schulleitung bereits die Schulbeginn- und -endzeiten gesplittet.

Schüler kritisieren Vlexx für überfüllte Züge
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 01.10.2020, Länge: 03:03 Min.]
Schüler kritisieren Vlexx für überfüllte Züge

Züge fielen aus oder waren verspätet

Doch es kam in den letzten Wochen wiederholt vor, dass Züge verspätet waren oder gar nicht erst kamen. Im schlechtesten Fall fuhren am Ende dann doch alle in einem Zug. „Und wenn dann ein kleiner Wagon geschickt wird, stehen wir alle sehr nah, wie die Ölsardinen in der Büchse, nebeneinander“, sagt Oberstufenschüler Valentino Pfeiffer.

Oberstufenschülerin Constanze Hemmerling kritisiert, durch die vollen Züge würden die Corona-Schutzmaßnahmen zerstört. „Es ist einfach total ineffizient, wenn wir im Zug so nah aneinander stehen und uns sonst den ganzen Tag an die Maßnahmen halten.“

Kurzfristige Personalausfälle

Einige Schüler organisierten sich sogar ein eigenes Fahrzeug, so Oberstufenschülerin Ronja Wachall. „Manche schaffen sich dann ein Moped an, damit sie nicht mehr mit dem Zug zur Schule fahren müssen.“ Die Situation bei den Zügen sei ärgerlich, auch weil man ja Geld für das Zugticket bezahle.

Nach Angaben des Betreibers Vlexx waren kurzfristige Personalausfälle der Grund, dass keine Züge fuhren.  Schon eine ausgefallene Verbindung reicht, um die Hygiene-Bemühungen der Schule zunichte zu machen. Dort werden die Klassenstufen streng voneinander getrennt, damit der Schulbetrieb im Falle einer Corona-Infektion so weit wie möglich aufrechterhalten werden kann.

Schule fürchtet Infektionsgefahr

„Die größte Befürchtung ist, dass wenn tatsächlich ein Quarantänefall hier eintritt, dass wir dann doch die gesamte Schule schließen müssen, obwohl wir versuchen, es hier vor Ort zu vermeiden“, sagt Schulleiterin Anette Dragan. „Aber durch die Zugsituation können wir es nicht garantieren.“

Die Züge einfach verlängern, größere Wagons einsetzen oder zusätzliche Verbindungen auf der Schiene schaffen, sei nicht ohne Weiteres möglich, teilen sowohl Vlexx als auch das Verkehrsministerium mit. Das habe unter anderem mit der Länge der Bahnsteige und der Verfügbarkeit der Fahrzeuge zu tun.

Man könnte die Situation aber durchaus entlasten – nämlich durch den Einsatz von Verstärkerbussen. So macht es aktuell etwa die Saarbahn. Dem Verkehrsministerium sind aber im Fall Friedrichsthal „keine Hinweise bekannt, die einen Busverstärker erfordern“. Weiter teilt das Ministerium mit: „Wenn uns vom Verkehrsunternehmen gemeldet wird, dass Kapazitäten nicht ausreichen, muss Schienenersatzverkehr eingesetzt werden, für den wir die Kosten übernehmen.“

Auslastung falsch kalkuliert?

Möglichweise hat das Land aber schon bei der Ausschreibung der Strecke die Auslastung falsch kalkuliert. Denn bereits vor Corona gab es laut Schulleitung ein Kapazitätsproblem bei den Zügen.

Es zeichnet sich aber eine Lösung ab. „Aufgrund von Rückmeldungen durch die Schule prüfen wir mit unserem Aufgabenträger, inwieweit wir Kapazitäten erhöhen können“, teilte Vlexx auf SR-Anfrage mit. „Dazu gehört auch, dass wir, wo notwendig, zusätzlich zu den Zügen, wie aktuell zwischen Eppelborn und Lebach, einen Bus als Verstärker einsetzen." Das wäre eine Übergangslösung, mehr aber auch nicht.

Über dieses Thema hat auch der „aktuelle bericht“ vom 01.10.2020 berichtet.

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