Die Schröder-Fabrik am Saarbrücker Lyonerring (Foto: Kai Forst/SR)

Trotz Krise: Schröder-Filialen bleiben zunächst geöffnet

mit Informationen von Karin Mayer   09.04.2019 | 08:57 Uhr

Der Saarbrücker Fleischwaren-Hersteller Schröder steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Das Unternehmen betont allerdings, man sei nicht zahlungsunfähig. Auch die Filialen sollen zunächst alle geöffnet bleiben. Ein Personalabbau ist aber offenbar nicht zu vermeiden.

Video [aktueller bericht, 08.04.2019, Länge: 3:28 Min.]
Schutzschirmverfahren soll Fleischwaren-Hersteller Schröder helfen

Das Problem beim Saarbrücker Traditionsunternehmen ist das Filialgeschäft, bei dem Verluste eingefahren werden. Geschäftsführer Roman Tschunky sagte dem SR, Schröder betreibe viele eigene Filialen in Vorkassenzonen von Supermärkten. Diese Vertriebsstruktur bringe derzeit nicht genug Umsatz. Das Einkaufsverhalten der Kunden habe sich dramatisch verändert. "Wir sehen, dass eine Trendwende erfolgen muss und wir uns im Filialbereich neu aufstellen müssen mit anderen Konzepten, um den aktuellen Marktgegebenheiten gerecht zu werden. Insbesondere mehr Veredelungen und mehr Spezialitäten, um sich von der breiten Masse abzusetzen."

Hat die saarländische Fleischindustrie ein Problem?
Audio [SR 3, (c) SR 3 Karin Meyer, 09.04.2019, Länge: 03:38 Min.]
Hat die saarländische Fleischindustrie ein Problem?

Ein sogenanntes Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung soll den Karren beim Fleischfabrikanten nun aus dem Dreck ziehen, bevor es zu spät ist. Heißt: Bevor es zur Zahlungsunfähigkeit kommt. Das Schutzschirmverfahren ist Teil der Insolvenzordnung und wird dafür wird genutzt, einen Sanierungsplan zu erstellen. Als Sanierungsgeschäftsführer soll der Rechtsanwalt Frank Abel fungieren. Der stellte im SR klar, dass das Unternehmen aktuell nicht zahlungsunfähig und nicht überschuldet sei. Zudem bestünden keine offenen Rechnungen.

"Wir haben jetzt drei Monate Zeit"

Da das Schutzschirmverfahren Teil der Insolvenzordnung ist, kann das Unternehmen drei Monate Insolvenzgeld bekommen. Die Löhne und Gehälter werden dann von der Arbeitsagentur bezahlt. Diesen Spielraum will Abel nutzen: "Wir haben jetzt drei Monate Zeit. Wir werden uns jede Filiale, die wir schon im Vorfeld analysiert haben, nochmals anschauen und werden dann Entscheidungen treffen." Filialschließungen werde es in den nächsten drei Monaten vorerst nicht geben. "Man kann also in allen Schröder-Filialen bis auf weiteres einkaufen. Und sofern es zu Entscheidungen kommt, werden wir das frühzeitig kommunizieren", sagte Abel. Mit dem neuen Konzept will sich Schröder verstärkt auf fertig vorbereitete Braten und Gerichte konzentrieren und mehr Service anbieten.

Personalabbau steht bevor

Im Bereich der Filialen sind derzeit 200 der insgesamt rund 470 Mitarbeiter beschäftigt. Zwar sollen so viele Jobs wie möglich erhalten bleiben. Dennoch wird es mit großer Wahrscheinlichkeit zu Einschnitten im Filialgeschäft kommen. Die Beschäftigten wurden über die Schwierigkeiten am Sonntagabend in einer Betriebsversammlung informiert.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Saar erwartet durch das beantragte Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung eine langfristig erfolgreiche Neuausrichtung des Unternehmens. Gleichzeitig betonte NGG-Geschäftsführer Mark Baumeister, dass Schröder auf die Entwicklung im Einzelhandel hin zu spät reagiert und wichtige Weichenstellungen unterlassen habe. "Jeder große Supermarkt produziert mittlerweile selber seine Fleisch- und Wurstprodukte. Auf diesen Trend hat Schröder viel zu spät reagiert und wichtige Weichenstellungen unterlassen." Das Unternehmen habe über Jahrzehnte von der Substanz gelebt, offenbar in der Hoffnung auf bessere Zeiten.

Wie es den Fleischproduzenten in der Region insgesamt geht, lässt sich aus den Schwierigkeiten bei Schröder nicht ableiten. Andere Fleischanbieter haben andere Wirtschaftskonzepte, setzen etwa auf billige Arbeitskräfte aus Rumänien. Schröder hat als einziges Unternehmen einen Haustarifvertrag.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 07.04.2019 berichtet.

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