Die Richterbank eines Saals im Landgericht.  (Foto: picture alliance/dpa | Oliver Dietze)

Neue Schöffen im Saarland gesucht

Felix Schneider / Onlinefassung: Thomas Braun   10.01.2023 | 20:09 Uhr

Im Saarland steht demnächst die Neuwahl von Schöffen an. Sie entscheiden bei bestimmten Gerichtsverfahren gemeinsam mit hauptamtlichen Richtern und sollen dabei vor allem ihre Lebenserfahrungen einbringen. Interessierte können sich bis Ende Februar bewerben.

Um als Richter zu arbeiten, braucht es ein langes juristisches Studium und ein abschließendes Staatsexamen mit guten Noten. Doch auch Laien können Einblicke in das Geschehen vor Gericht bekommen und mitbestimmen - ohne all dieses juristische Vorwissen. Als sogenannte Schöffen, eine Art Laienrichter, entscheiden sie in bestimmten Angelegenheiten zusammen mit hauptamtlichen Richtern.

Warum Schöffe werden?

So wie Katja Kiefer und Roman Haffner am Amtsgericht in Saarlouis. Die beiden Beamten haben vor knapp fünf Jahren das Ehrenamt – im Namen des Volkes – angetreten.

"Der Beweggrund, mich bei meiner Wohnsitzgemeinde als Schöffin zu bewerben, war der, dass das Amt der Schöffin eine Staatsbürgerpflicht ist und dieses Amt und die Ausübung mir sehr am Herzen liegt", sagt Katja Kiefer.

Roman Haffner ergänzt, dass es ihm bei seiner Entscheidung nicht nur um Einblicke in das rechtliche ging, sondern auch in das Menschliche. "Das interessiert mich sehr – wer eben vor dem Richter sitzt. Welche Motive sind es, und was sind die Beweggründe", so Haffner.

Video [aktueller bericht, 10.01.2023, Länge: 3:14 Min.]
Neuwahlen für Schöffen im Saarland

Anwälte und Richter nicht zugelassen

Die Schöffen müssen keine juristische Expertise mitbringen. Im Gegenteil: Anwälte und Richter dürfen an dieser Wahl gar nicht teilnehmen. Bürgerinnen und Bürger sollen mit ihrer Lebenserfahrung und ihrem Gerechtigkeitsgefühl die Rechtsprechung mitgestalten. Im Saarland üben 636 Menschen das Amt des Schöffen bei bestimmten strafrechtlichen Verfahren aus.

Bundesweit geht die fünfjährige Amtszeit zu Ende und im Sommer stehen Neuwahlen an. Wer gewählt wird, wird vom Arbeitgeber für Gerichtstermine freigestellt. Die Schöffen erhalten eine Aufwandsentschädigung - eine Wiederwahl ist möglich.

Bewerbung im Rathaus oder online

Bewerberengpässe gab es in der Vergangenheit im Saarland nicht. Im Justizministerium hofft man auch dieses Mal auf eine rege Beteiligung. Zwischen 25 und 70 Jahren kann sich jeder deutsche Staatsbürger zur Wahl aufstellen lassen - vorausgesetzt, man bekleidet kein öffentliches Amt.

Jährlich soll es nicht mehr als zwölf Einsatztage geben. Freiwillige können sich bis Ende Februar in den saarländischen Rathäusern oder online melden. Dort gibt es auch weitere Informationen zur Arbeit der Schöffen und den Voraussetzungen.

Über dieses Thema berichtet der aktuelle bericht am 10.01.2023.


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