Schüler einer 3. Klasse sitzen vor einem Laptop (Foto: picture alliance/Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa)

Schneckentempo beim Highspeed-Internet in Schulen

Steffani Balle / Onlinefassung: Sandra Schick   20.05.2021 | 15:08 Uhr

Im Saarland sind erst zwei der 327 Schulen an eine Breitband-Internetanbindung angeschlossen. Auch das Ziel, jeden Schüler mit einem Tablet auszustatten, wurde zwischenzeitlich auf das übernächste Schuljahr verschoben.

Zwar sind mindestens die Hälfte der Schulgebäude im Saarland mit WLAN-Routern ausgestattet und verkabelt, aber bei der Breitbandanbindung fehlt es noch: Erst zwei der 327 Schulen im Saarland sind ans Glasfasernetz angeschlossen.

In diesen beiden Schulen soll bis Herbst ein Pilot-Projekt starten. Alle anderen sollen im Schuljahr 2022/23 nachziehen. Allerdings: Bis die beauftragte Firma Inexio alle Schulstandorte ans Giga-Netz angeschlossen haben wird, dauert es nach Schätzungen der Staatskanzlei voraussichtlich bis Ende 2022.

23.500 Tablets ausgeteilt

Das Vorhaben, schon im kommenden Schuljahr Tablets für alle Schülerinnen und Schüler anbieten zu können, hat das Bildungsministerium zwischenzeitlich auf das übernächste Schuljahr vertagt. Allerdings werde kräftig an der Umsetzung gearbeitet. Bereits 23.500 Tablets seien an die Schülerinnen und Schüler ausgegeben worden, teilt das Bildungsministerium auf SR-Nachfrage mit.

IT-Fachkräfte werden eingestellt

Digitalisierung der Schulen: Stand der Dinge
Audio [SR 3, Steffani Balle, 20.05.2021, Länge: 03:05 Min.]
Digitalisierung der Schulen: Stand der Dinge

Die Betreuung der Geräte obliegt den Landkreisen, die gerade die Infrastruktur dafür aufbauen. 40 IT-Fachkräfte müssen für eine flächendeckende Versorgung eingestellt werden. Damit sich nicht jede Kommune auf eigene Faust auf dem Weltmarkt um digitale Endgeräte für ihre Grundschüler bemühen muss, soll es einen Rahmenvertrag mit Anbietern geben. So soll auch sichergestellt werden, dass die digitale Ausstattung landesweit einheitlich ist.

Linksfraktion fordert mehr Investition in digitale Infrastruktur

Die Linksfraktion im Landtag fordert für alle Schulen flächendeckend schnelle Internetverbindungen. Internet-Recherche, die Vermittlung von Lerninhalten über Online-Angebote und der kritische Umgang auch mit Online-Medien gehöre heute zum Unterricht dazu, sagte die bildungspolitische Sprecherin der Linken, Barbara Spaniol. Außerdem brauche es landesweite Regelungen dafür, wer für die Wartung und den technischen Support in den Schulen zuständig sei.

Dass das Land den Schülerinnen und Schülern erst im übernächsten Schuljahr Tablets für alle anbieten kann, sei ein Armutszeugnis.  "Es ist unverständlich, warum die Verteilung der Geräte so mühsam vonstattengeht und so lange Zeit in Anspruch nimmt", so Spaniol.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der Linken, Jochen Flackus, forderte zudem mehr Investitionen in die digitale Infrastruktur wie etwa Glasfasernetze, 5G oder kostenfreie Wlan-Angebote. "Die Schul-Schließungen in der Corona-Krise haben die Probleme überdeutlich gemacht. Und sie haben gezeigt, dass das Informatik-Land Saarland im Bereich der digitalen Bildungsangebote erheblich zurückliegt."

Hinweis: In der vorherigen Fassung dieses Beitrags hieß es, der Anschluss aller Schulen dauere bis weit ins Jahr 2023. Bildungsministerin Streichert-Clivot hatte das am Mittwoch im Interview gesagt. Inzwischen hat die Saatskanzlei diese Angabe korrigiert. Ziel der Landesregierung ist es, alle Schulen bis Ende 2022 an das Glasfasernetz anzuschließen.

Über dieses Thema berichtet auch die SR3-Rundschau vom 20.05.2021.

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