Saar bei Mettlach (Foto: IMAGO / Arnulf Hettrich)

Schlechte Noten für die Saaraue

Daniel Dresen   04.07.2021 | 08:57 Uhr

Die Saaraue befindet sich in einem schlechten Zustand. Das geht aus dem aktuellen Auenzustandsbericht des Bundesumweltministeriums hervor. Doch das saarländische Umweltministerium und der NABU Saarland sehen nur wenige Möglichkeiten, dass sich daran in absehbarer Zeit etwas ändert.

Als natürliche Überflutungsflächen entlang von Flüssen oder Bächen bieten Auen Schutz vor Hochwasser und beheimaten zudem zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Doch deutschlandweit sind laut Auenzustandsbericht des Bundesumweltministeriums nur noch knapp neun Prozent der Flussauen ökologisch intakt.

Hierfür wurden 79 große Flüsse in Deutschland untersucht, darunter ein 110 Kilometer langer Flussabschnitt der Saar im Saarland und in Rheinland-Pfalz. Hier befinden sich auf einer Fläche von 5137 Hektar, das entspricht fast 7200 Fußballfeldern, Auen in einem überwiegend schlechten Zustand.

Naturnahe Saarauen kaum vorhanden

65 Prozent der Auen sind von der Saar abgeschnitten und können bei Hochwasser nicht mehr überflutet werden. "Die Saaraue ist aktuell über weite Strecken nur noch ein schmaler Streifen zwischen dem befestigten Flussufer und den flussnahen Deichen beziehungsweise der parallel verlaufenden Autobahn", sagt Experte Thomas Ehlert vom Bundesamt für Naturschutz in Bonn, das den Bericht zusammen mit dem Bundesumweltministerium veröffentlich hat.

Der Auenzustand der Saar ist laut Bericht überwiegend stark und sehr stark verändert (Auenzustandsklassen 4 und 5). Die schlechte Bewertung der Saar sei zurückzuführen auf den massiven Uferausbau, die Stauhaltungen sowie den hohen Anteil von Siedlungs- und Gewerbeflächen und Ackerflächen in der Überschwemmungsaue, so Ehlert.

An der Saar betrage der Anteil von Siedlungs- und Gewerbeflächen sowie Ackerflächen zusammen 46 Prozent. Naturnahe Auenabschnitte seien aufgrund der starken Überprägung kaum vorhanden.

Erbe der Vergangenheit als Industriezentrum

Mit dem Bericht konfrontiert, stimmt das saarländische Umweltministerium der Bewertung der Saaraue durch den Bund zu. Nur noch sehr wenige Flächen der ehemaligen Saaraue seien bis heute erhalten geblieben.

Die Ursache des Problems liege in der Vergangenheit. Der Ausbau des Saartals zur Siedlungsachse und zu einem industriellen Schwerpunktraum habe bereits zu Beginn der Industrialisierung zur nahezu vollständigen Überbauung oder Aufschüttung der Saaraue im mittleren Saartal geführt.

Spätestens mit dem Ausbau der Saar zur Großschifffahrtsstraße durch die Bundeswasserstraßenverwaltung ab Ende der 1970er-Jahre sei der Flusslauf gravierend umgestaltet und weitere Bereiche der ehemaligen Saaraue aufgeschüttet worden.

Auch wenn Überflutungen heute weniger häufig aufträten als früher, verfolge das Land das Ziel, Überschwemmungsgebiete vor einer Bebauung zu schützen. So wurden in den vergangenen Jahren einige von ihnen als Landschaftsschutzgebiet beziehungsweise als Naturschutzgebiet ausgewiesen:

  • Landschaftsschutzgebiet "Nördlich Rilchingen-Hanweiler"

  • Naturschutzgebiet "St. Arnualer Wiesen"

  • Naturschutzgebiet "Saaraue nordwestlich Wadgassen"

  • Landschaftsschutzgebiet "Rodener Saarwiesen"

  • Landschaftsschutzgebiet "Rastgebiete im mittleren Saartal"

  • Landschaftsschutzgebiet "Altarme der Saar"

  • Landschaftsschutzgebiet "Saaraue bei Schwemlingen"

  • Naturschutzgebiet "Steilhänge der Saar"

Doch eine Rückführung des Saartals in eine ursprüngliche Auenlandschaft sei auf absehbare Zeit "utopisch", heißt es aus dem Ministerium von Reinhold Jost (SPD). Wenn, könnte es nur "kleinräumige" Verbesserungen geben.

Fokus auf Nebenflüsse der Saar legen

Ähnlich sieht das der NABU Saarland. Der hohe Siedlungs- und Flächennutzungsdruck habe natürlich auch Folgen für die saarländischen Auen gehabt, sagt Wendelin Schmitt, NABU-Geschäftsstellenleiter. Durch die Ansiedlung der Schwerindustrie in den vergangenen Jahrzehnten entlang der Saarschiene zwischen Saarbrücken und Saarlouis/Dillingen seien auch die Siedlungen der dort Beschäftigten "zu einem nicht unwesentlichen Teil" in die Auen hineingewachsen.

An der Saar seien Renaturierungsmaßnahmen wegen des mangelnden Platzangebots heute eher nur noch punktuell möglich. "Industrie- und Siedlungsflächen sind nun einmal da und können nicht einfach großflächig zurückgebaut werden und sollten auch neu in Wert gesetzt werden, bevor weitere freie Landschaft geopfert wird", so Schmitt.

Der Schwerpunkt des Auenschutzes liegt nach Auskunft des saarländischen Umweltministeriums daher vor allem auf den größeren Nebenflüssen der Saar, also Blies, Nied und Prims, wo teilweise noch größere Überschwemmungsflächen vorhanden sind. So seien beispielsweise an der Blies bei Blieskastel-Bierbach vom Landesamt für Umwelt und Arbeitsschutz in den Jahren 2011 und 2012 auf circa 4,2 Kilometern Renaturierungsmaßnahmen durchgeführt worden. Im Auenzustandsbericht des Bundesumweltministeriums kommt die Blies mit Zustandsklasse 3 deutlich besser weg als die Saar, denn ein Großteil sei bei Hochwasser überflutbar (86 Prozent).

Naturschutz-Auflagen beachten

Der vergleichsweise bessere Auenzustand der Blies gegenüber der Saar begründet der NABU Saarland vor allem durch die unterschiedliche Flächennutzung am Fluss und weniger durch bereits durchgeführte Renaturierungsmaßnahmen. Anders als an der Saar stehe an der Blies vor allem die landwirtschaftliche Nutzung im Vordergrund. Zahlreiche Abschnitte der Bliesaue seien zudem mittlerweile als Schutzgebiete ausgewiesen.

Doch der NABU Saarland beklagt, dass in den Auenschutzgebieten der Blies die Naturschutz-Auflagen nicht konsequent erfüllt würden. "Nicht selten wird zu früh gemäht oder auch die dort privilegierte Jagd hält sich nicht an die Vorgabe, geschützte Lebensräume von der jagdlichen Nutzung auszunehmen", kritisiert NABU-Geschäftsstellenleiter Schmitt.


05.07.2021, 08.56 Uhr
Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es in einem Zitat des NABU, das Saarland sei das bevölkerungsreichste Flächenland. Richtig ist: Das bevölkerungsreichste Flächenland ist Nordrhein-Westfalen.

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