Menschenmenge auf einem Weihnachtsmarkt (Foto: picture alliance/dpa | Hauke-Christian Dittrich)

Schausteller blicken skeptisch auf Weihnachtsmarktsaison

Tabea Prünte   17.11.2021 | 10:50 Uhr

Die Politik diskutiert aufgrund der steigenden Corona-Fallzahlen über weitere Einschränkungen für Veranstaltungen. Auch immer mehr Weihnachtsmärkte im Saarland werden abgesagt. Den Veranstaltern und Schaustellern fehlt vor allem die Planungssicherheit.

Eigentlich hatte es für die Weihnachtsmarktsaison schon Grünes Licht gegeben. Doch aufgrund der stark steigenden Corona-Fallzahlen, haben in den vergangenen Tagen bereits zahlreiche Veranstalter wieder abgesagt. So finden zum Beispiel weder der Weihnachtsmarkt im Saarbrücker Nauwieserviertel, noch der in Friedrichsthal oder der Heidstocker Christkindlmarkt statt. Auch die Weihnachtsmärkte in Türkismühle, in Dirmingen, in Körprich sowie in weiteren Orten sind coronabedingt abgesagt worden.

Dabei gibt es bisher noch keine Rechtsverordnung, die Weihnachtsmärkte vollständig verbietet. Was für das Saarland wahrscheinlich kommen wird, sind 2G-Regelungen für den Innenbereich. Diese fordert zumindest Ministerpräsident Tobias Hans (CDU). Für den Außenberich wird demnach eine 3G-Regelung zumindest ins Auge gefasst. Die Entscheidung über genaue Maßnahmen für das Saarland wird vermutlich nach der am Donnerstag stattfindenen Ministerpräsidentenkonferenz am Donnerstag.

Lage der Schausteller kritisch

Veranstalter entscheidet sich selbstständig für 2G
Audio [SR 3, Simin Sadeghi / Timo Schmitt, Frank Hohrath, 16.11.2021, Länge: 02:32 Min.]
Veranstalter entscheidet sich selbstständig für 2G

Eine Absage der Weihnachtsmärkte in letzter Sekunde wäre für die Schausteller dramatisch, sagt der Vorsitzende des Saarverbandes der Schausteller Thomas Sonnier.

Die vergangenen 14 Tagen habe er damit verbracht, den Christkindlmarkt in Saarbrücken aufzubauen, der noch nicht von einer Absage betroffen ist. "Jetzt ist alles fertig, es muss nur noch Ware reinkommen", sagt der Schausteller.

Stichprobenartige 3G-Kontrollen denkbar

Sollte der Weihnachtsmarkt in Saarbrücken doch noch abgesagt werden, kämen immense Mehrkosten auf die Schausteller zu. "Und dann verlangen wir auch finanzielle Entschädigungen", kündigt Sonnier an. Rund 45.000 Euro seien bereits in den Aufbau geflossen.

Dabei sei bereits auf verschiedene Maßnahmen geachtet worden, um die Ansteckungsgefahr gering zu halten. Die Laufwege seien breiter, auf eine Bühne hätten die Schausteller verzichtet und natürlich seien Plastikscheiben an den Kassenhäusschen installiert, um die Kundschaft und die Mitarbeitenden der Verkaufsstände voneinander zu trennen. "Wir gehen davon aus, dass wir öffnen. Nicht normal, aber wir öffnen", sagt Sonnier.

Wenn die Landesregierung beschließen würde, dass verpflichtend ein 2G- oder 3G-Konzept gelten muss, könne dies aber vermutlich nur stichprobenartig kontrolliert werden. Eingangskontrollen seien ihm zufolge schwierig durchzuführen. "Man kann den Weihnachtsmarkt ja nicht einzäunen. Wo fängt er an, wo hört er auf?", fragt Sonnier.

Großer Aufwand für kleine Weihnachtsmärkte

Dass viele Weihnachtsmärkte schon abgesagt wurden, obwohl die Politik dahingehend noch keine Entscheidung getroffen hat, könnte laut Sonnier am Planungsrisiko liegen. Das sei besonders für kleine Weihnachtsmärkte oder für Märkte von kleineren Vereinen zu groß. Falls doch noch weitere Einschränkungen kommen, würde womöglich die Ausstattung fehlen, um zum Beispiel 3G-Kontrollen durchführen zu können. Und für Weihnachtsmärkte, die nur wenige Tage andauern, sei gegebenenfalls der Aufwand zu groß.

Veranstaltungsbranche muss schnell reagieren können

Der noch unklare Kurs der Politik trifft nicht nur die Schausteller, sondern auch die Veranstaltungsbranche allgemein hart - und das nicht zum ersten Mal. Die Stimmung sei dementsprechend angespannt, sagt Oliver Kuhn, Sprecher des Congress Centrums Saar, das die Congresshalle sowie die Saarlandhalle für Veranstaltungen vermietet.

Als Grund nennt er die fehlende Planbarkeit, "da die Anordnungen im Zuge der Coronapandemie oftmals kurzfristig erscheinen und die Veranstalter meistens schnell auf die neuen Gegebenheiten reagieren müssen."

Noch keine Absagewellen

Von Absagewellen bleibe die Branche allerdings bisher noch verschont, berichtet Julian Blomann vom Veranstaltungsverband Poprat Saarland. Man müsse unterscheiden zwischen privaten und öffentlichen Veranstaltungen. Abgesagt würden derzeit vor allem Weihnachtsfeiern von Firmen - größere öffentliche Events aber noch nicht.

Bessere Kommunikation erwünscht

Blomann würde sich einen "faireren Umgang" seitens der Politik mit den Veranstaltern wünschen, das heißt, früher und konkreter über geplante Maßnahmen informiert zu werden und eine Chance zur Reaktion zu bekommen.

Er kritisiert die bisher unklare Kommunikation, die auch in der Bevölkerung Unsicherheit schüre. "Das ist für uns unangenehm, weil wir den Ärger der Kunden abbekommen." Es gebe zum Beispiel bereits erste Gäste, die versuchen, ihre Tickets loszuwerden.

Veranstalter erneut im Unklaren

Grundsätzlich befürworte die Veranstaltungsbrache 2G-Konzepte. "Die fordern wir seit Mai", heißt es von Blomann. Doch trotz der frühzeitigen Warnung, dass die Fallzahlen ab Herbst wieder steigen würden, habe es die Politik zu lange aufgeschoben, konkrete Maßnahmen zu beschließen. "Für die Planungssicherheit ist das eine absolute Katastrophe", so Blomann.


Übersicht
Welche Weihnachtsmärkte im Saarland noch stattfinden sollen
Die sich zuspitzende Corona-Lage macht auch vor den Weihnachtsmärkten nicht halt. Nachdem zunächst viele Veranstalter Grünes Licht gaben, werden nun immer mehr Märkte abgesagt. Eine Übersicht.

Zur Übersicht: Diese Weihnachtsmärkte finden im Saarland statt

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