Eine Beamtin steht hinter einer Schublade mit Registerkarten (Foto: dpa/Bernd Wüstneck)

Linke kritisiert, FDP sieht Chance

  15.07.2019 | 08:57 Uhr

Eigentlich hatte sich die Große Koalition im Bund vorgenommen, die Zahl der sachgrundlosen Befristungen zu reduzieren. Tatsächlich sinkt die Zahl aber nicht, sondern steigt. Vor allem in Ministerien und Behörden gibt es viele Befristungen. Während die Linke das scharf kritisiert, sehen die Saar-Liberalen darin eine Chance.

Die Zahl der zeitlich befristeten Jobs hat in Deutschland einen Höhepunkt erreicht. Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung waren im vergangenen Jahr 3,2 Millionen Menschen zeitlich befristet beschäftigt - so viele wie nie seit 1996. Und das, obwohl die GroKo die sachgrundlosen Befristungen eigentlich eindämmen wollte. In Betrieben mit mehr als 75 Beschäftigten sollen solche Zeitverträge demnach künftig auf maximal 2,5 Prozent der Belegschaft begrenzt werden.

Doch davon ist derzeit noch nichts zu spüren. Vor allem in den Ministerien und Behörden der Länder ist die Zahl der Befristungen hoch - auch im Saarland. Bei den Neuanstellungen sind die Zahlen besonders auffällig. So waren 2017 im Verwaltungsapparat des Landes nach Regierungsangaben 72 Prozent der neu eingestellten Mitarbeiter befristet.

Linke will sachgrundlose Befristungen abschaffen

Der Linksfraktion im saarländischen Landtag ist dieser Zustand schon lange ein Dorn im Auge. Sie hat die Landesregierung erneut aufgefordert, sachgrundlose Befristungen in Ministerien und Landesbehörden ganz abzuschaffen. Im Bildungsministerium seien etwa 61,5 Prozent aller Befristungen sachgrundlos, in der Staatskanzlei 60 Prozent. Im Wirtschaftsministerium liege dieser Anteil bei mehr als 50 Prozent, sagte der Linke-Abgeordnete Jochen Flackus. Wirtschaftsministerin Rehlinger habe Arbeitgeber aufgefordert, Zeitverträge nicht systematisch einzusetzen. Das sei richtig. Wenn sie es ernst meine, müsse sie in der eigenen Regierung anfangen.

FDP sieht Befristungen als Chance

Die FDP im Saarland sieht das anders. Die Wirtschaft im Saarland sei stark exportorientiert, der Arbeitsmarkt befinde sich im Umbruch, der Strukturwandel in der Autoindustrie gefährde viele Jobs, sagte Joachim Geiger von den Saar-Liberalen. Deshalb brauche die Wirtschaft hier besonders flexible Modelle bei der Arbeitszeitgestaltung. Zeitvertäge würden den Unternehmen dabei helfen, Auftragsspitzen abzufangen oder Fachkräfte zu finden. Und auch die Arbeitnehmer profitierten von den Zeitverträgen: Für viele seien sie eine Chance, überhaupt erst wieder Arbeit zu finden.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 15.07.2019 berichtet.

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