Drahtstraße, Saarstahl AG (Foto: Saarstahl AG/Pressefoto)

Bei Saarstahl ist Leiharbeit ein Thema

Karin Mayer und Lars Ohlinger   14.02.2020 | 19:38 Uhr

Die Saarstahl-Beschäftigten sind am Freitag bei einer außerordentlichen Betriebsversammlung über das angekündigte Sparprogramm informiert worden. Eine Rolle soll dabei Leiharbeit spielen.

Der Saarstahl-Vorstand hält an den Sparplänen fest. Die Unternehmensleitung begründete den Sparplan im letzten Jahr mit zu hohen Kosten - auch im europäischen Vergleich.

Video [aktueller bericht, 14.02.2020, Länge: 3:10 Min.]
Sparprogramm bei Saarstahl

Für die Beschäftigten heißt das, dass in allen Bereichen Arbeiten ausgelagert oder fremdvergeben werden sollen. Wer von den Maßnahmen persönlich betroffen ist, das steht nach Angaben einer Unternehmenssprecherin noch nicht fest. Betriebsbedingte Kündigungen soll es aber nicht geben, stattdessen sollen Zeitarbeitsverträge auslaufen.

Verunsicherung bei der Belegschaft

Außerordentliche Betriebsversammlung zum Sparprogramm bei Saarstahl
Audio [SR 3, Karin Mayer, 14.02.2020, Länge: 03:10 Min.]
Außerordentliche Betriebsversammlung zum Sparprogramm bei Saarstahl

Auch Leiharbeit spielt im Sparkonzept eine Rolle. Der Betriebsratsvorsitzende Stephan Ahr will mit allen Mitteln verhindern, dass Beschäftigte dadurch schlechter bezahlt werden. Dem SR sagte er, das Vorhaben sei Tarifflucht. Er arbeite deshalb an einem Alternativkonzept, bei dem ohne Leiharbeit und Outsourcing dauerhaft gespart werden könne. Ahr forderte vom Vorstand mehr Transparenz. "Ich bin mit größeren Erwartungen gekommen. Die Belegschaft ist nun noch mehr verunsichert", sagte der sichtlich enttäuschte Betriebsratsvorsitzende.

Der Personalabbau von 1500 Jobs soll nach wie vor sozialverträglich abgewickelt werden. Bei Dillinger und Saarstahl wurde zudem 1400 Mitarbeitern Altersteilzeit angeboten. Mehr als 1000 interessieren sich dafür, vorzeitig in Ruhestand zu gehen. Der Saarstahl-Vorstand hatte im September Einsparungen in Höhe von 250 Millionen Euro verkündet, davon 150 Millionen bei Sachkosten und 100 Millionen beim Personal. Bei Sachkosten haben die Vorstände von bereits erreichten Sparbeträgen in Höhe von 60 Millionen Euro berichtet.

Walk of Steel erreicht Brüssel
Stahlarbeiter überreichen Forderungen an EU-Kommission
In Brüssel haben Betriebsräte von Saarstahl und IG Metall-Vertreter ihre Forderungen an den Vizepräsidenten der EU-Kommission übergeben. Die Stahlbeschäftigen erwarten von der Politik, dass ihre Branche vor Billigimporten geschützt werde. Auch müsse der Umbau zu einer CO2-freien Stahlproduktion sozialverträglich ablaufen.

Am Montag soll eine außerordentliche Belegschaftsversammlung bei der Dillinger Hütte stattfinden. Der Betriebsrat hat zudem einen Protestmarsch angekündigt.

Über dieses Thema berichtete auch die SR 3-Rundschau vom 14.02.2020.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja