Luftbild von Saarlouis (Foto: Alexander M. Groß)

Saarlouiser SPD will Bauquote einführen

Patrick Wiermer / Onlinefassung: Axel Wagner   23.10.2019 | 17:21 Uhr

Der Traum vom Wohnen kann manchmal schon ganz schön teuer sein – zum Beispiel, wenn man nach Saarlouis ziehen will. Eine schöne Altstadt, intakte Infrastruktur – das hat die Preise in die Höhe schnellen lassen. Doch können sich das auch noch Normalverdiener leisten?

Bauquote für günstiges Wohnen in Saarlouis?
Audio [SR 3, Patrick Wiermer, 23.10.2019, Länge: 02:57 Min.]
Bauquote für günstiges Wohnen in Saarlouis?

Überall stehen sie in Saarlouis, die Neubauten. Es sind exklusive Wohnträume, die hier verkauft werden. Die Häuser heißen Quartier oder Palais. Ein Beispiel: eine Wohnung mit gut 100 Quadratmeter-Wohnfläche, in einem Randgebiet von Saarlouis, in Autobahnnähe. Preis: 317.000 Euro oder fast 3000 Euro pro Quadratmeter – mittlerweile der normale Preis in der Festungsstadt. Für viele Saarlouiser ist das zu teuer.

Kaum bezahlbarer Wohnraum

Die SPD in Saarlouis will den Luxusbau in Saarlouis eindämmen. Seit Jahren herrsche in der Stadt ein Bauboom, sagt Sabina Hartnack ist Sprecherin im Bauausschuss der Stadt. Gebaut werden allerdings nur hochpreisige Wohnungen. „Wir stellen fest, dass es kaum noch Wohnraum für Familien und Alleinerziehende gibt. Es ist einfach nicht mehr bezahlbar.“ Die Leute zögen um, so Hartnack, in die umliegenden Dörfer. Saarlouis gehöre mit Saarbrücken und Homburg zu den teuersten Städten im Saarland.

Angehen will die SPD das Problem mit einer Sozialquote. Ab der fünften Wohneinheit sollen 25 bis 30 Prozent bezahlbarer Wohnraum entstehen. Die Idee orientiert sich an einem Vorschlag der Grünen in Mannheim. Dort sollte bezahlbarer Wohnraum höchstens 7,50 Euro pro Quadratmeter an Miete kosten. So konkret ist die Idee der SPD für Saarlouis aber noch nicht. „Wir haben den Antrag so offen wie möglich gestaltet, um einen möglichst breiten Konsens zu erzielen“, sagt Hartnack. „Die Verwaltung soll eine Vorlage erarbeiten, was für Saarlouis Sinn macht.“

Spürbare Konflikte

Aber werden dadurch nicht Investoren gänzlich abgeschreckt? Lohnt es sich dann überhaupt noch zu bauen? „Wir haben nichts gegen geschäftstüchtige Investoren“, so Hartnack. „Aber das führt, langsam aber sicher, auch in der Innenstadt zu sozialen Konfrontationen.“ Konflikte, die schon spürbar sind. So hat etwa die Unterbringung von Flüchtlingen hat die Stadt schon an ihre Grenzen gebracht. Auch eine Folge des vernachlässigten Sozialen Wohnungsbaus in Saarlouis, räumt Hartnack ein.

Ganz neu ist das Thema Bezahlbarer Wohnungsbau zudem nicht. Seit Jahren versucht der Stadtrat, gegenzusteuern. Es gibt mittlerweile Baupläne für den Innenstadtbereich. Einzelne, hochpreisige Bauprojekte wurden abgelehnt. Doch man werde auch ein Stück weit von den Investoren überrollt, sagt Hartnack. Pro Sitzung gebe es einen Antrag, der genehmigt werden müsse, es gebe keine Handhabe, das zu ändern.

Für eine Bauquote gibt es im Stadtrat durchaus einen Konsens, ist Hartnack überzeugt. Bei den Detailfragen gebe es aber noch Diskussionsbedarf.

Über dieses Thema hat auch die SR 3 Region am Nachmittag vom 23.10.2019 berichtet.

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