Saarlandhalle (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Quo vadis Saarlandhalle?

Diana Kühner-Mert   16.09.2020 | 12:19 Uhr

Früher gaben sich in der Saarlandhalle die ganz großen Stars die Klinke in die Hand. Inzwischen ist sie zum Auslaufmodell geworden. Seit Jahren wird über eine neue Eventhalle für das Saarland diskutiert. Nur wirklich voran geht es nicht. Jetzt macht der Saarbrücker Oberbürgermeister Druck auf das Land – eine Hängepartie könne man sich nicht leisten.

Es ist ein bisschen wie der Gang durchs Museum, die Führung durch die Saarlandhalle mit Ralf Kirch. Der Geschäftsführer der Vermarktungsfirma CCS zeigt stolz die alten Plakatwände, die demonstrieren: Das hier war mal was ganz Großes. Santana, Queen, Tina Turner – sie alle haben hier gespielt, in den goldenen Zeiten der Saarlandhalle. 1967 wurde die Halle eröffnet, damals eine der größten und modernsten Deutschlands, ideal für Konzerte, Sportevents, große Fernsehproduktionen.

Die Saarlandhalle von früher bis heute
Video [SR.de, Pasquale D’Angiolillo, 16.09.2020, Länge: 03:38 Min.]
Die Saarlandhalle von früher bis heute

4500 Besucher – das ist zu wenig

Stillstand bei Planung für neue Eventhalle
Audio [SR 3, Diana Kühner-Mert, 16.09.2020, Länge: 02:37 Min.]
Stillstand bei Planung für neue Eventhalle

Inzwischen meiden die Großen des Showbusiness die Saarlandhalle. Die technischen Anforderungen haben sich geändert. Und vor allem ist die Halle schlicht zu klein: "Alles was über 4500 potenziellen Besuchern ist, das kann hier nicht mehr abgebildet werden. Wir würden uns natürlich schon eine größere Halle wünschen", sagt Ralf Kirch – und rennt damit grundsätzlich offene Türen ein.

Diskussionen – aber keine Entscheidung

Stadt und Land wollen eine neue Halle bauen. Die Diskussion darüber dauert schon viele Jahre. Zig Standorte waren im Gespräch – nur festgelegt hat sich bis heute niemand.

Dem Saarbrücker Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU) reißt langsam der Geduldsfaden. Im Januar hatten beide Seiten noch einmal beteuert: Ja, eine neue Eventhalle muss her. Doch eine entsprechende Absichtserklärung habe das Land bis heute nicht unterschrieben.

Und ein Gutachten, das die Standortfrage klären soll, sei noch nicht mal beauftragt: "Die Saarlandhalle ist in einem Zustand, in der jeder Experte sagt, wir brauchen einen Ersatzbau, wir brauchen eine neue Saarlandhalle. Und zwar möglichst schnell. Ich hätte mir gewünscht als Oberbürgermeister, man wäre schneller dabei zu sagen: Selbstverständlich kommt diese Halle in die einzige saarländische Großstadt, in die einzige Stadt mit einer überregionalen Verkehrsanbindung, vom Flughafen bis zum ICE-Bahnhof."

Uwe Conradt geht es zu langsam

Seine Verwaltung habe innerhalb weniger Wochen eine Analyse für Saarbrücken vorgelegt – mit mehreren grundsätzlich geeigneten Standorten. Doch so einfach ist es laut Saarlands Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) nicht.

Das Saarland bestehe aus mehr Kommunen als Saarbrücken: "Eine Saarlandhalle steht nicht notwendigerweise in Saarbrücken. Wir müssen auch Klarheit schaffen gegenüber anderen Kommunen, die vielleicht auch eine gute Idee hätten, wo sie stehen könnte. Da sind wir als saarländische Landesregierung natürlich anders den Bürgern verpflichtet als der Saarbrücker Oberbürgermeister. Es spricht aber natürlich viel dafür, dass Saarbrücken der Standort wird."

Mindestens 10.000 Zuschauer

Alles andere wäre eine echte Sensation und vermarktungstechnisch sehr schwierig, findet Uwe Conradt. Das Gutachten müsse jetzt schnell auf den Tisch, um weiter planen zu können. Mindestens 10.000 Besucher müsse die Halle fassen und nutzbar sein für Konzerte genauso wie für große Sportevents – ein echtes Großprojekt.

Keiner wagt die Kostenschätzung

Und an solchen haben sich Stadt und Land in der Vergangenheit öfter die Finger verbrannt – siehe Baustelle Ludwigspark, gleich neben der Saarlandhalle. In einem sind sich Stadt und Land angesichts dessen dann auch noch einig: Ein Preisschild hängt keiner an das Hallenprojekt.

Wie viele Millionen es am Ende tatsächlich kosten wird, darüber entscheidet eben auch der Standort. Zeit, nach Jahren des Redens Fakten zu schaffen. Denn 53 Jahre nach Eröffnung der Saarlandhalle ist sie tatsächlich ein Fall fürs Museum.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 16.09.2020 berichtet.

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