Menschen warten mit Mund-Nasen-Bedeckung in einem Impfzentrum.  (Foto: picture alliance/dpa | Marius Becker)

Impfanmeldung für über 60-Jährige freigeschaltet

  15.04.2021 | 21:39 Uhr

Im Saarland ist die Impfliste für Menschen über 60 Jahre und andere Berechtigte der dritten Priorisierungsgruppe geöffnet. Weil der Zeitpunkt zuvor unklar kommuniziert worden war, hatte es im Vorfeld viel Frustration bei Impfwilligen gegeben.

Unter der Internetseite www.impfen-saarland.de ist seit Donnerstag auch die Anmeldung für Personen zwischen 60 und 69 Jahre möglich. Auch Menschen mit bestimmten Krankheiten und aus verschiedenen Berufsgruppen können sich mit entsprechendem Priorisierungscode anmelden.

Schon innerhalb der ersten zwei Stunden, nachdem die Anmeldung freigeschaltet war, hätten sich 19.200 Menschen in die Liste eingetragen, teilte das Ministerium am Donnerstagabend mit.

Überlastete Hotline am Donnerstag

Bereits am Morgen hatten viele Impfwillige versucht, sich anzumelden - nachdem das Ministerium am Mittwoch mitgeteilt hatte, die Anmeldung sei ab Donnerstag möglich. Den SR erreichten viele Berichte enttäuschter Bürger, die Telefonhotline war überlastet und auf dem Online-Portal war noch keine Anmeldemöglichkeit freigeschaltet.

Erst später teilte das Ministerium mit, dass die Anmeldemöglichkeit um 18.00 Uhr freigeschaltet werden soll. Es weist aber darauf hin, dass der Zeitpunkt der Anmeldung auf der Impfliste keinen Einfluss auf den Impftermin hat. Die Termine würden erst nach Schließung der Impfliste unter notarieller Aufsicht ausgelost.

Interview mit Impfkoordinator Bernd Schnabel
Audio [SR 3, Frank Hofmann, 15.04.2021, Länge: 03:55 Min.]
Interview mit Impfkoordinator Bernd Schnabel

Der Impfkoordinator des Saarlandes Bernd Schnabel sagte im SR, Impfwillige könnten sich auch "ganz entspannt" am Freitag oder Samstag anmelden. Es bestehe kein Grund zur Eile. Dies führe lediglich dazu, dass technische Systeme an ihre Grenzen kämen. Er räumte auch ein, dass die Kommunikation seitens der Behörde im Vorhinein etwas "missverständlich" gewesen sei.

Priorisierungscode mit Attest erhältlich

Den Priorisierungscode, den zum Beispiel Menschen unter 60 mit Vorerkrankungen für einen Impftermin vorweisen müssen, erhalte man zusammen mit einem entsprechenden Attest eines Arztes, sagte Schnabel. Dass es etwas dauere, bis jeder Berechtigte dieses Attest habe, sei bei der Anmeldung kein Nachteil.

Die Menschen, die beispielsweise aufgrund ihrer Berufsgruppe oder Tätigkeit impfberechtigt sind, erhalten ihren Priorisierungscode demnach in den nächsten Tagen über ihre Arbeitgeber beziehungsweise die entsprechenden Verbände.

Termine in Arztpraxen möglich

Die Kassenärztliche Vereinigung weist zudem darauf hin, dass sich Personen, die nach Priorisierungsstufe 3 berechtigt sind, auch in den normalen Arztpraxen impfen lassen können. "Wir bitten alle, die dieses Angebot wahrnehmen wollen, aktiv in ihrer Arztpraxis nach einem Termin zu fragen", teilte die KV am Donnerstagmorgen mit. Zudem könne man auf www.kvsaarland.de/arztsuche herausfinden, welche Ärzte im Saarland Coronaimpfungen anbieten.

Da es vorkommen kann, dass Menschen sich sowohl bei ihrem Hausarzt als auch über die Warteliste bei den Impfzentren anmelden können, hat das Ministerium im Buchungsportal jetzt auch die Möglichkeit eingerichtet, bereits gebuchte Termine wieder online zu stornieren.

Rund 300.000 Bürger berechtigt

Mit der Freigabe für die Priorisierungsgruppe 3 kann nun eine Gruppe von etwa 300.000 Bürgerinnen und Bürgern sich um einen Impftermin bemühen. Neben Menschen, die zu der Altersgruppe der über 60-Jährigen gehören, fallen auch eine ganze Reihe von Personen mit bestimmten Krankheiten oder beruflichen Indikationen darunter.

Der Ärger über das Zeitmanagment bei der Impfanmeldung
Audio [SR 3, Studiogespräch: Gerd Heger/Steffani Balle, 15.04.2021, Länge: 03:06 Min.]
Der Ärger über das Zeitmanagment bei der Impfanmeldung

Nach Angaben von Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) fallen in die Priorisierungsgruppe 3 auch Menschen mit bestimmten Krebsleiden, Herzkrankheiten, Asthma, Diabetes, Adipositas und anderen Krankheiten. Auch Personen, die im Lebensmitteleinzelhandel, in der Kinder- und Jugendhilfe oder in bestimmten Bereichen der "kritischen Infrastruktur" arbeiten, können Termine bekommen. Eine Liste aller Personen, die unter die Priorisierungsgruppe 3 fallen, finden sie am Ende dieses Artikels.

"Das wird für uns eine Riesenaufgabe", sagte Bachmann im Landtag. Im Saarland seien bisher etwa 18 Prozent der Bevölkerung erstgeimpft.

Die Anmeldung ist möglich über das Buchungsportal www.impfen-saarland.de oder telefonisch über die Impfhotline 0681 - 501 4422.

Stand der Impfungen

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 14.04.2021 berichtet.


Priorisierungsgruppe 3 im Detail*:

Altersindikation:
über 60-jährige Personen

Medizinische Indikation:

  • Personen mit behandlungsfreien in Remission befindlichen Krebserkrankungen
  • Personen mit Immundefizienz oder HIV-Infektion, Autoimmunerkrankungen oder rheumatologische Erkrankungen
  • Personen mit einer Herzinsuffizienz, Arrhythmie, einem Vorhofflimmern, einer koronaren Herzkrankheit oder arterieller Hypertonie
  • Personen mit zerebrovaskulären Erkrankungen, wie Schlaganfälle/Hirnschläge, oder anderen chronischen neurologischen Erkrankung
  • Personen mit Asthma bronchiale, mit chronisch entzündlicher Darmerkrankung oder Personen mit Diabetes mellitus (mit HbA1c < 58 mmol/mol oder< 7,5%)
  • Personen mit Adipositas (Personen mit Body-Mass-Index über 30)
  • Personen, bei denen nach individueller ärztlicher Beurteilung aufgrund besonderer Umstände im Einzelfall ein erhöhtes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem CoronavirusSARS-CoV-2 besteht

Berufliche Indikation:

  • Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen mit niedrigen Expositionsrisiko und ohne Betreuung von Patienten mit Verdacht auf Infektionskrankheiten
  • Personen in relevanter Position in Regierungen, Verwaltungen und den Verfassungsorganen, in Streitkräften, bei der Polizei, beim Zoll, bei der Feuerwehr, beim Katastrophenschutz einschließlich des Technischen Hilfswerks, in der Justiz und Rechtspflege
  • Personen, die als Wahlhelfer tätig sind
  • Personen in relevanter Position in Unternehmen der kritischen Infrastruktur, in Apotheken und der Pharmawirtschaft, in der öffentlichen Versorgung und Entsorgung, in der Ernährungswirtschaft, im Transport- und Verkehrswesen sowie in der Informationstechnik und Telekommunikation
  • Personen, die in Einrichtungen und Diensten der Kinder- und Jugendhilfe und in Schulen tätig sind
  • Personen, die im Lebensmitteleinzelhandel tätig sind
  • Personen mit prekären Arbeits- oder Lebensbedingungen
  • zwei enge Kontaktpersonen von einer nicht in einer Einrichtung befindlichen pflegebedürftigen Person

Mehr zum Thema

*Angaben des Ministeriums für Gesundheit und Soziales (die genaue Einteilung der Priorisierungsgruppen ist in der Corona-Impfverordnung des Bundes geregelt)

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