Check-In per QR-Code mit der Luca-App (Foto: picture alliance/dpa | Philipp von Ditfurth)

Ministerium will Aus für Luca-App

Niklas Resch / Caroline Uhl   25.01.2022 | 16:05 Uhr

Die Luca-App zur Corona-Kontaktnachverfolgung im Saarland soll für Ende März gekündigt werden. Gesundheitsstaatssekretär Kolling bestätigte dem SR, dass sein Ministerium einen entsprechenden Beschluss vorbereitet hat. Kommende Woche soll das Kabinett endgültig entscheiden, eigentlich war das schon für Dienstag angekündigt.

Das Aus für die Luca-App im Saarland steht kurz bevor. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums befindet sich die Beschlussvorlage in der Anhörung der anderen Ressorts. Nach SR-Informationen ist dort nicht mit Gegenwind für die geplante Kündigung zum 31. März zu rechnen.

"Hauptziel der App verfehlt"

Grund für das geplante Aus der App ist laut Stephan Kolling (CDU) vor allem das negative Echo derer, die mit Luca gearbeitet haben: Landkreistag, Hotel- und Gaststättenverband Dehoga sowie der Poprat hatten der Anwendung ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Unter anderem habe Luca den Gesundheitsämtern viel zu wenig dabei geholfen, Kontakte von Corona-Infizierten zu ermitteln.

Das Hauptziel der App wurde demnach verfehlt. Kolling betonte im SR-Interview, aus seiner Sicht sei die digitale Kontaktnachverfolgung, etwa in Restaurants, aber weiter sinnvoll.

Corona-Warnapp als Ersatz

Nach dem Ende von Luca Ende März stehe dafür vor allem die Corona-Warnapp zur Verfügung – aber auch eine Adressdatensammlung auf Zetteln sei möglich. Dafür müsste der Landtag allerdings die Nachverfolgung über Ende März hinaus verlängern.

Im vergangenen Frühjahr hatte das Saarland – wie zwölf andere Bundesländer auch – eine Lizenz für die Nutzung der Luca-App gekauft. Sie sollte den Gesundheitsämtern die Kontaktnachverfolgung erleichtern, etwa in Restaurants, Schwimmbädern oder Kultureinrichtungen.

Kritik von vielen Seiten

Von Anfang an gab es aber Vorbehalte gegen die App, unter anderem aus Datenschutz-Gründen. Und auch der gewünschte Nutzen blieb aus: Seit Einführung im letzten April hat die App den Ämtern saarlandweit bei gerade einmal sechs Corona-Ausbrüchen geholfen, Kontaktpersonen zu ermitteln.

Das ist das Ergebnis einer SR-Umfrage unter den Gesundheitsämtern. Im gleichen Zeitraum hatten sich mehr als 50.000 Saarländerinnen und Saarländer mit Covid19 infiziert.

Landesregierung entscheidet über Luca-App
Audio [SR 3, Niklas Resch, 25.01.2022, Länge: 00:59 Min.]
Landesregierung entscheidet über Luca-App

Der saarländische Landkreistag hatte sich daher in der vergangenen Woche gegen eine Weiterführung der Luca-Lizenzen ausgesprochen – und in einer vierseitigen Stellungnahme eine insgesamt vernichtende Bewertung der App abgegeben.

Zuvor hatten sich bereits der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga und der saarländische Poprat als Vertreter der Kultur- und Eventbranche gegen ein Weiterführen der Luca-Lizenzen ausgesprochen.

Nutzen blieb vielerorts aus

Das Land hat für ein Jahr Luca-App 369.000 Euro bezahlt. Alle 13 teilnehmenden Bundesländer zusammen haben bisher insgesamt 21 Millionen Euro für Luca ausgegeben. Der erhoffte Nutzen blieb vielerorts aus, wie eine aktuelle Umfrage des „Spiegel“ unter Gesundheitsämtern in ganz Deutschland ergab.

Eine endgültige Entscheidung bezüglich der Luca-App im Saarland soll in der kommenden Woche fallen. Andere Bundesländer haben bereits angekündigt, aus dem Vertrag mit Luca auszusteigen – unter anderem Schleswig-Holstein, Bremen und Brandenburg.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 25.01.2022 berichtet.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja