Bildmontage: Ein Renter sucht Kleingeld in seinem Portemonnaie, ein anderer sitzt entspannt zurückgelehnt auf einer Parkbank in der Sonne (Foto: dpa/Stephan Scheuer, dpa/Stephanie Pilick)

Saarländer bei Rente Spitzenreiter und Schlusslicht

  08.09.2019 | 08:41 Uhr

Die Tücken der Statistik: Je nach Berechnung erhalten die Saarländer bundesweit die höchsten oder die niedrigsten Renten. Wie kann das sein?

Es war endlich einmal eine gute Nachricht für das Saarland. Mit einer Durchschnittsrente von 1343 Euro liegt das Land bundesweit an erster Stelle, bescheinigte der Rentenatlas der Deutschen Rentenversicherung Anfang Juli. Doch nur zwei Monate später scheint die Antwort der Bundesregierung auf eine AfD-Anfrage genau das Gegenteil zu zeigen. Demnach liegt der Medianwert bei der Altersrente im Saarland am niedrigsten. Heißt: Die Hälfte der Rentner bekommt weniger als 791 Euro.

Median oder Durchschnitt?

Deutlicher könnte die Diskrepanz nicht sein – doch welcher Wert ist aussagekräftiger? Der Durchschnitt nimmt die Gesamtsumme der ausgezahlten Renten und teilt sie durch die Zahl der Empfänger. Der Median liefert den Wert, der genau in der Mitte der ausgezahlten Renten liegt. Im Zusammenhang mit Einkommen wird oft der Median benutzt, damit nicht etwa einige wenige Großverdiener die Zahlen prägen. In gängigen Definitionen der Einkommensschichten wird darum auf den Medianwert zurückgegriffen.

Die Deutsche Rentenversicherung empfiehlt dennoch die Orientierung am Durchschnittswert. Ihre Begründung: Dieser beziehe sich nur auf Versicherte, die einen Großteil ihres Erwerbslebens – mindestens 35 Jahre – in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert waren. In der Statistik der Bundesregierung seien hingegen auch Kleinrenten von Hausfrauen, Selbstständigen und Menschen, die teilweise privat eingezahlt haben, berücksichtigt.

Ob Median oder Durchschnitt, letztgültige Auskünfte über die finanzielle Situation von Rentnern bietet keiner der Werte. "Grundsätzlich besitzt die Betrachtung individueller Ansprüche alleine aus der gesetzlichen Rentenversicherung nur eine begrenzte Aussagekraft hinsichtlich der generellen Einkommenssituation beziehungsweise eines möglichen Armutsrisikos von Rentnerinnen und Rentnern“, sagt Dirk Manthey, Pressesprecher bei der Deutschen Rentenversicherung.

Ähnlich argumentiert auch die Bundesregierung in ihrer Antwort auf die AfD. Niedrige Altersrenten könnten nicht mit Altersarmut gleichgesetzt werden, da dabei weitere Einkommen und der Haushaltskontext nicht berücksichtigt würden.

Armutsrisiko und Lebenshaltungskosten

Allerdings geht aus der gleichen Antwort auch hervor, dass das durchschnittliche Haushaltseinkommen von Rentnern im Saarland mit 2283 Euro den niedrigsten Wert aller alten Bundesländer aufweist. Und dass das Armutsrisiko von saarländischen Senioren seit 2005 um zwei Drittel gestiegen ist – von 9,7 auf 16 Prozent.

Doch auch diese Kennziffer ist umstritten. Sie gibt den Anteil der Personen an, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des Medians der jeweiligen Bevölkerungsgruppe beträgt. Laut Bundessozialministerium liefert sie keine Information über individuelle Bedürftigkeit.

Über die Ausgabenseite etwa sagt sie nichts aus. So seien die Lebenshaltungskosten im Saarland für Rentner deutlich geringer als in anderen Bundesländern, sagt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Demnach ist für sie das Leben im Landkreis Neunkirchen über acht Prozent günstiger als im Bundesschnitt, im Regionalverband Saarbrücken sind es knapp vier Prozent.

Fazit

Wie also ist die Situation saarländischer Rentner? Sonnen sie sich in einem komfortablen Ruhestand oder kämpfen sie mit bitterer Altersarmut? Die GDV kommt zu dem Ergebnis, dass es Senioren insgesamt nirgendwo so gut geht wie im Saarland. Dabei punkte das Land vor allem bei sozialer Teilhabe und Gesundheit. In Sachen finanzieller Sicherheit liege das Land bundesweit indes nur an siebter Stelle – also ziemlich genau in der Mitte.

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